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Studie zu Trade Republic : Wer ist die Generation Neobroker?

  • -Aktualisiert am

Die App von Trade Republic im App Store Bild: dpa

Wer sind die Nutzer der Smartphone-Broker? Eine Umfrage und Analyse des DIW Econ unter 200.000 Nutzern des Berliner Fintechs Trade Republic gibt darüber erste Aufschlüsse.

          3 Min.

          Fast genau ein Jahr ist es her, als das Börsenfieber um die Aktie der amerikanischen Videospiele-Einzelhandelskette Gamestop ausgebrochen ist. Die Episode um die Achterbahnfahrt des Titels warf nicht nur ein Schlaglicht auf den Einzelhändler aus Texas, sondern auch auf diejenigen, die den günstigen Handel erst ermöglichten – die Neobroker. In den Vereinigten Staaten geriet der amerikanische Vorreiter unter dem Smartphone-Brokern, Robinhood, in den Fokus und die Kritik, in Deutschland richtete sich das Hauptaugenmerk auf das Berliner Fintech Trade Republic. Der Vorwurf lautete unter dem Stichwort Gamifizierung, dass die einfache Handhabung der App und der nahezu kostenfreie Handel vor allem junge Menschen dazu verleite, riskante Anlageentscheidungen zu treffen.

          Um die Frage zu beantworten, ob das auch wirklich zutrifft, hat das Berliner Unternehmen seinen riesigen Datenschatz für eine Studie des DIW Econ geöffnet. Das Forschungsinstitut hat im Auftrag des Neobrokers im Sommer 2021 die bis heute vermutlich größte Umfrage unter Anlegern zu ihrem Investitionsverhalten durchgeführt. 216.000 der mittlerweile insgesamt rund 950.000 Nutzer des Smartphone-Brokers hat das DIW Econ unter anderem nach ihren Motiven für die Geldanlage befragt. Darüber hinaus erhielt das Institut auch Zugriff auf sämtliche Kundendaten, die anonymisiert zur Verfügung gestellt wurden.

          Junge Nutzer

          In der Auswertung hat sich die Annahme bestätigt, dass es sich bei dem Großteil der seit 2019 auf dem Markt befindlichen App um junge Nutzer handelt. Knapp 70 Prozent aller Kunden von Trade Republic sind demnach jünger als 35 Jahre. Davon wiederum ist rund die Hälfe zwischen 18 und 26 Jahren.

          Und auch in einem anderen Punkt hat sich eine Hypothese bestätigt, denn bei gut der Hälfte aller Befragten handelte es sich um Börsenneulinge (47 Prozent). Die Ergebnisse decken sich auch mit einer im August 2021 veröffentlichen Umfrage „Pro Aktie“ von Comdirect, Consorsbank, Flatex Degiro und der ING Deutschland. In der Studie wurden mit einer Teilnehmerzahl von 2000 gleichwohl sehr viel weniger Anleger befragt, doch auch hier haben 15 Prozent der Anleger unter 35 angegeben, im Jahr 2020 das erste Mal ihr Geld in Aktien angelegt zu haben. Die Erstanleger unter den Befragten haben dabei im Schnitt 37 Prozent ihres gesamten Vermögens am Kapitalmarkt angelegt.

          Risikoappetit?

          Das DIW Econ hat die Kunden des Berliner Fintechs auch nach ihrer Motivation für die Nutzung der App gefragt. Mehr als drei Viertel der Befragten antwortete, dass es für sie keine Alternative zum Kapitalmarkt gebe, um zu sparen. Und mehr als 70 Prozent der Teilnehmer will langfristig investieren, um einen Beitrag zur Altersvorsorge zu leisten. Die Aussage „Ich investiere vor allem, weil mir der Nervenkitzel Spaß macht“, lehnten 56 Prozent ab, ein Fünftel stimmte ihr zu. Auch in der Umfrage pro Aktie vom vergangenen Jahr gab der Großteil der Befragten die niedrigen Zinsen und die günstigen Einstiegskurse als Hauptgründe an, warum sie in Aktien investierten.

          Entgegen der wohl einen oder anderen Erwartung nach dem Gamestop-Hype im vergangenen Jahr sieht man unter den jungen Trade-Republic-Nutzern zumindest keinen allzu erhöhten Risikoappetit. Eine hohe Risikobereitschaft unter den unerfahrenen Anlegern bekundeten lediglich 10,7 Prozent, bei den erfahrenen immerhin annähernd ein Fünftel (19,2 Prozent).

          Viele Leute sahen nur Gamestop als Spitze des Eisbergs, sagte der Trade-Republic-Chef Christian Hecker bei der Vorstellung der Studie am Mittwochabend. Das „hat uns damals erschüttert“, da man die Daten kannte. Zu diesen damals bekannten Daten zählt wohl, dass die meisten Anleger, die ihre ersten Schritte an der Börse machen, weniger riskant handeln als die schon erfahrenen. Die Börsenneulinge legen im Vergleich zu den Veteranen laut Studie stärker in die breiter gestreuten börsengehandelte Indexfonds, ETF (Exchange Traded Funds), an und weniger in Einzeltitel. Insgesamt investieren die Trade-Republic-Nutzer nahezu 60 Prozent ihres Portfolios in Aktien, 26 Prozent in ETF und nur 2 Prozent in riskantere Derivate.

          Was die Geschlechterverteilung angeht, ist der Löwenanteil der Trade-Republic-Nutzer mit 84 Prozent männlich. Begründet wird dies damit, dass Frauen generell seltener am Aktienmarkt unterwegs sind. Dabei beträgt der Anteil der Frauen unter den Anlegern deutschlandweit mit 36 Prozent laut dem Deutschen Aktieninstitut nahezu immerhin noch doppelt so viel wie bei Trade Republic. Unter den Anlegern, die mit der App ihre ersten Börsenerfahrungen sammeln, ist der Anteil der Frauen mit 20 Prozent aber immerhin fast doppelt so hoch wie unter den erfahrenen Investoren.

          Und wie haben die Anleger mit ihren Investment-Entscheidungen abgeschnitten? Gemessen wurde im Zeitraum zwischen 2019 und Sommer 2021. Der Median der jährlichen Rendite lag in dieser Zeit bei 7,1 Prozent. Wer seit mindestens einem Jahr investiert war, konnte mit einer höheren Rendite (11,1 Prozent) rechnen. Wie aussagekräftig diese Zahlen über einen recht kurzen, und auch für die Börse sehr volatilen Zeitraum sind, ist jedoch fraglich. Neben den großen Indizes, die in den vergangenen Jahren zweistellige Renditen erwirtschaftet haben, wirken 7 Prozent im Schnitt schon beinahe kümmerlich. Gleichwohl legen die meisten Nutzer des Neobrokers ihr Geld auch nicht in breite Indizes an, sondern vor allem in Einzelwerte, die auch ein höheres Risiko bergen.

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