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Digitalwährung : Bitcoin ist nicht gegen Corona immun

Trotz Krise bleibt Bitcoin die dominante Digitalwährung. Bild: AFP

Die Digitalwährungen hat es in Zeiten von Corona hart getroffen. Doch nicht alle haben ihren Wert verloren, im Gegenteil: Eine Klasse konnte deutlich zulegen.

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          Investoren von Digitalwährungen sind einiges gewöhnt. Heftige Kursstürze bringen sie meist genauso wenig aus der Ruhe, wie sie eine Rally übermütig werden lässt. Doch wie es Bitcoin und Co. in Corona-Zeiten erging, das hat doch viele von ihnen verunsichert. Was ist passiert? Noch Mitte Februar war die Laune bestens. So notierte der Bitcoin-Kurs auf bis zu knapp 10.500 Dollar. Doch der nachfolgende Absturz traf die Digitalwährungen umso härter.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einen Monat später, am 13. März, war die Lage eine ganz andere: Der Bitcoin-Preis stürzte ab, ein Bitcoin notierte auf nur noch 4.300 Dollar. Die Mär, dass sich Digitalwährungen von der Entwicklung an den Aktienmärkten entkoppeln oder gar ein sicherer Hafen seien, kann man damit als widerlegt ansehen.

          Doch von vorn. Am 12. März fiel der Bitcoin-Kurs um fast 40 Prozent. Das war der drittgrößte Crash seit dem Bestehen der Digitalwährung. „Das war bei weitem der volatilste Tag in der neueren Geschichte von Bitcoin“, sagte dazu Nic Carter, einer der Gründer von Coin Metrics. Besonders große Investoren hätten sich aus dem Markt zurückgezogen, hieß es von Huobi, einer der größten Digitalwährungsbörsen. Damit sind jene gemeint, die mehr als 10.000 Bitcoin besitzen. Ein großes Problem seien auch Produkte mit Hebelwirkung gewesen.

          Wechselspiel mit Dollar

          Auf verhältnismäßig niedrigem Niveau haben es in der Krise die sogenannten Stablecoins geschafft, ihren Marktwert stark zu erhöhen. Für den Grund muss man etwas ausholen. Als Weltleitwährung wird heutzutage immer noch der Dollar gesehen. Zahlreiche Schulden werden in ihm beglichen. Dafür gibt es einige Gründe: Nahezu der gesamte Welthandel wird in Dollar abgerechnet, weil er zum einen stabil ist und die Handelspartner wissen, dass sie ihn wieder unterbringen können. Sie können ihn zum Beispiel in amerikanische Unternehmen investieren oder in Staatsanleihen, da die Renditen in den Vereinigten Staaten immer noch höher sind als hierzulande.

          Das wirkt auch als „Perpetuum mobile“, als sich selbst verstärkender Effekt. Da die Nachfrage nach solchen Schuldscheinen höher ist, geben viele Staaten und Unternehmen ihre Schulden auch in Dollar aus. Um sie zu begleichen, werden wiederum Dollar benötigt. Da dann wieder Dollar da sind, werden diese in auf Dollar laufende Anleihen investiert – und so weiter und so fort. Daher ist die Dollar-Versorgung extrem wichtig – man denke nur an die zahlreichen Interventionen und Versuche der amerikanischen Notenbank Fed, ebendiese sicherzustellen.

          BTC/USD

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          Hier kommen die Stablecoins ins Spiel. Stablecoins sind grundsätzlich mit einem Wert hinterlegt. Das kann ein Währungskorb sein, das kann eine einzelne Devise sein oder auch eine andere Digitalwährung. Das bekannteste Beispiel Tether ist zum Beispiel direkt mit dem Dollar hinterlegt. Der Vorteil daran kann sein, dass es wesentlich leichter ist, an Dollar zu kommen, als es aktuell der Fall ist. Und hier schließt sich der Kreis zu den Stablecoins und warum sie profitiert haben könnten. Mittlerweile liegen mehr als 9,5 Milliarden Dollar in ihnen.

          Das ist insofern beachtenswert, als es Anfang März noch nicht einmal 6 Milliarden Dollar waren. Auch andere Kennziffern wie die Zunahme an Transaktionen oder die Anzahl der Besitzerwechsel sprechen aktuell für Stablecoins. Selbst Facebook plant eine eigene Digitalwährung, die man wohl als Stablecoin einordnen kann. Doch diese sind alle auch mit Vorsicht zu genießen, da staatliche Institutionen diese sehr kritisch sehen.

          Bitcoin immer noch Platzhirsch

          An sich hat die Krise für Digitalwährungen aber nicht so viel geändert. Bitcoin ist immer noch die dominante Währung und notiert wieder auf mehr als 9.000 Dollar. Alle Digitalwährungen zusammen sind rund 250 Milliarden Dollar wert. Bitcoin allein macht davon rund 164 Milliarden Dollar aus. Das sind rund zwei Drittel. Im gesamten März und April ist dieser Wert zumindest über 60 Prozent geblieben.

          Das liegt auch daran, dass die ganze Digitalwährungswelt auf ein Ereignis schaut: das sogenannte Halving. „Halving“, auf gut Deutsch Halbierung, bezieht sich auf die Belohnung für das Erstellen von Bitcoin. Die „Miner“, die Bitcoin sozusagen fördern, prüfen mit ihren Rechnern die Blöcke, in denen die Bitcoin-Transaktionen gespeichert werden. Aktuell dauert so eine Transaktion rund 10 Minuten. Zum Vergleich: Bei Ethereum sind es aktuell zum Beispiel nur 13 Sekunden. Das zeigt die Schwäche des Bitcoin-Netzwerkes.

          Für jeden geprüften Block erhielt man früher 50 Bitcoin, mittlerweile sind es nur noch 12,5. Ab dem 12. Mai werden es dann lediglich noch 6,25 Bitcoin sein. Aktuell werden am Tag 1800 Bitcoin ausgegeben, im Mai werden es dann voraussichtlich nur noch 900 sein. So wird das Angebot künstlich verknappt, um die Inflation der Währung zu verhindern. Das heißt aber auch, dass jeder Bitcoin wertvoller wird, worauf momentan die Investoren setzen.

          Aktuell sind rund 18,3 Millionen Bitcoin im Umlauf, das sind mehr als 87 Prozent aller Bitcoin, die erstellt werden können. Satoshi Nakamoto, der das Konzept hinter Bitcoin entwickelt hat, hat dafür gesorgt, dass ab 21 Millionen Bitcoin keine weiteren mehr erstellt werden können.

          Die nächsten zwei Halvings stehen mutmaßlich 2024 und 2028 an. Ab einem gewissen Punkt sollen sich die Miner dann nur noch über die Transaktionsgebühren finanzieren. Aktuell liegen die Transaktionsgebühren bei rund 1,80 Dollar. Bei rund 320.000 Transaktionen, die momentan innerhalb eines Tages abgewickelt werden, lassen sich so am Tag knapp 576.000 Dollar verdienen.

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