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Digitalisierung der Verwaltung : Kommunen lieben Bargeld

Online einkaufen und bezahlen: Das ist kein Problem. Aber online eine Behördenleistung erwerben und bezahlen: Das ist schwierig. Bild: Picture Alliance

Bargeldlose Zahlungen haben bei Behörden noch Seltenheitswert. Das liegt auch an Defiziten bei der Digitalisierung. Dabei kostet das Hantieren mit Bargeld und Überweisungen viel Personal und ist entsprechend teuer.

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          Da war der Gesetzgeber der Realität voraus. Das Onlinezugangsgesetz sollte den Bund, die Länder und die Kommunen verpflichten, 575 großteils gebührenpflichtige Verwaltungsleistungen online anzubieten und eben auch so bezahlen zu lassen. Ende des Jahres sollte das Gesetz greifen, doch daraus wird nichts, denn schon jetzt steht fest, dass nur ein Bruchteil der angestrebten Verfahren zur Verfügung stehen wird. Öffentliche Verwaltung und Digitalisierung: Das sind immer noch zwei Welten. Online bezahlen lassen sich nur sehr wenige behördliche Leistungen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge im Auftrag der zur Sparkassen-Finanzgruppe gehörenden S-Public Services, des Kreditkartenunternehmens Visa sowie des Deutschen Städte- und Gemeindebundes durchgeführt hat und an der sich 149 Kommunen beteiligt haben.

          Archibald Preuschat
          Redakteur in der Wirtschaft

          Während im Onlinehandel fast 100 Milliarden Euro umgesetzt werden, ist der Anteil digitaler Transaktionen bei Behörden verschwindend gering. Von den vom Statistischen Bundesamt als „übrige Gemeindesteuern“ bezeichneten 16 Milliarden Euro liegt er nach Schätzung der Studienautoren im unteren einstelligen Prozentbereich. Dass Kommunen kaum Onlinezahlungen abwickeln, hat laut der Studie mehrere Gründe. Digitale Bezahlvorgänge in das Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen der Städte und Gemeinden zu integrieren erweist sich als komplex und zeitaufwendig. Bedenken gibt es auch beim Datenschutz und der Zuordnung von Zahlungen. „Als weitere Gründe führen Kommunen die fehlende interne Akzeptanz oder zu langsame Prozesse in kommunalen Rechenzentren an. Gleichzeitig nehmen einzelne Kommunen bereits Gebühren in siebenstelliger Höhe via E-Payment ein“, sagt Oliver Rottmann, Vorstand beim Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge. Besonders viel Potential sehen die Kommunen bei Bußgeldern, Gewerbeanmeldungen und für die Nutzung des öffentlichen Raums. Hier halten 94 Prozent der befragten Kommunen Onlinezahlungen für sinnvoll, tatsächlich eingesetzt werden sie aber lediglich bei 62 Prozent.

          Dabei wäre die verstärkte Integration von Onlinezahlungen in behördliche Prozesse gerade in größeren Städten ratsam. Denn laut der Studie werden in 60 Prozent der Städte mit mehr als 75.000 Einwohnern monatlich 100 Arbeitsstunden mit dem Management von Bargeld und Überweisungen verbracht. In Städten mit mehr als 150.000 Einwohnern beträgt der Anteil sogar 67 Prozent. Nicht zuletzt ist der Umgang mit Bargeld in größeren Städten personalintensiv. Drei Viertel der Städte mit 75.000 bis 150.000 Einwohnern und 83 Prozent der Städte mit mehr als 150.000 Einwohnern beschäftigten dafür mehr als fünf Vollzeitbeschäftigte. Das kostet sehr viel Geld. Denn wendet eine beliebige deutsche Großstadt monatlich 100 Personenstunden für das händische Management von Bargeld und Überweisungen auf, liegen die Mindestkosten im Jahr dafür bei 174.154 Euro, rechnen die Studienautoren vor.

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