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Notenbanken : Digitales Geld – gerne, aber wie?

BIZ-Turm in Basel: Die Bank der Zentralbanken wacht über die Geldpolitik. Bild: Reuters

Die BIZ ruft die Notenbanken auf, sich stärker technischen Innovationen zu stellen – nicht nur wegen Facebook. Die Digitalisierung überrollt die Finanzwelt.

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          Alle reden darüber, doch keiner weiß, wie es sich am Ende darstellen wird: das digitale Geld. Daran arbeiten inzwischen die führenden Notenbanken der Welt, insbesondere die Europäische Zentralbank (EZB). Regelmäßig spornt die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) dazu an. Der in Basel ansässigen Finanzinstitution gehören mehr als 60 Zentralbanken an, für die diese die Devisenreserven verwaltet. Zudem dient sie als geldpolitische und volkswirtschaftliche Denkfabrik. In ihrem aktuellen Jahresbericht nehmen die Herausforderungen der digitalen Zahlungswelt einen breiten Raum ein. Der Artikel wurde am Mittwoch eine Woche vor der Veröffentlichung des gesamten Jahresberichts schon vorgestellt.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die große Sorge der BIZ gilt dem Innovationstempo im Bereich digitaler Zahlungen und Vermögenswerte wie etwa Bitcoin, setzen diese doch die Notenbanken und ihr Geldmonopol unter Druck. „Da Innovationen zunehmend außerhalb der traditionellen zweiteiligen Struktur entstehen, die durch Zentralbanken und Geschäftsbanken bereitgestellt wird, müssen die Entscheidungsträger die Herausforderungen dieser Innovation meistern, um die Integrität des Zahlungsverkehrssystems zu wahren“, lautet die Botschaft von Hyun Song Shin, volkswirtschaftlicher Berater und Leiter der Wirtschaftsforschung der BIZ.

          Die Coronavirus-Pandemie habe zu einer deutlichen Zunahme kontaktloser Zahlungen geführt und gleichzeitig die Mängel der Zahlungsverkehrssysteme offengelegt, insbesondere für Arme und Personen ohne Bankkonto, lautet ein Ergebnis der BIZ-Untersuchung. Nach ihren Angaben sind in der Welt 1,7 Milliarden Menschen und Hunderte Millionen Unternehmen auf Bargeld als einziges Zahlungsmittel angewiesen. In den Vereinigten Staaten haben jeweils rund 15 Prozent der schwarzen und der hispanischen Bevölkerung keinen Zugang zu Bankdienstleistungen. Eine weitere Erkenntnis der BIZ ist die während der Quarantäne aus Vorsichtsgründen gestiegene Bargeldhaltung, obwohl weniger mit Bargeld bezahlt wurde. Denn gleichzeitig nahm ja das kontaktlose Zahlen stark zu.

          Solides Zentralbankfundament ist nötig

          Nach den Worten Shins ist der Privatsektor gut aufgestellt, um von Einfallsreichtum und Kreativität zu profitieren. Jedoch hält er ein „solides Zentralbankfundament“ für eine notwendige Voraussetzung. Ein Warnschuss für die Notenbanken in der Welt stellten zweifellos die Pläne des Internetkonzerns Facebook dar, eine digitale Währung namens „Libra“ zu entwickeln. Anders als Bitcoin, dessen Wertgrundlage Rechnerleistungen von Computern sind, soll Libra auf einem Korb aus harten Devisen und qualitativ hochwertigen Staatsanleihen beruhen. Deshalb gilt Libra auch als sogenannter „stablecoin“, was sich ins Deutsche mit „stabiler Münze“ indes nur ungenau übersetzen lässt.

          Was nun die große Frage betrifft, wie digitales Zentralbankgeld beschaffen sein soll, so ist sich auch die BIZ darüber noch nicht im Klaren. In ihrem Artikel räumt sie ein, dass die Forschung dazu noch in einem frühen Stadium sei und die weitere Entwicklung noch eine gewisse Zeit benötigen werde. Digitales Zentralbankgeld wird dann auch sehr vorsichtig als „Option an der Grenze der politischen Möglichkeiten“ bezeichnet. „Weltweit beschäftigen sich Zentralbanken intensiv mit digitalem Zentralbankgeld“, sagte Benoît Cœuré, Leiter des Innovation Hub der BIZ und bis Ende 2019 EZB-Direktoriumsmitglied.

          Unabhängig davon, ob es sich um Massen- oder Großbetragszahlungen handelt, ist es seinen Worten zufolge das Ziel, sichere und verlässliche Zahlungsinstrumente für Transaktionen in der digitalen Wirtschaft zu schaffen. Vor allem Banken und Industrie wollen für den Ausbau des „Internets der Dinge“, also umfassend digitalisierter Wirtschaftstätigkeit, ein rechtlich sicheres Zahlungsmittel, um einen reibungslosen Ablauf von Produktion und Handel zu gewährleisten. Ein digitaler Euro kann dazu das Instrument sein, obwohl die digitalisierten Zahlungssysteme inzwischen sehr schnell arbeiten.

          Verbraucher haben andere Möglichkeiten

          Deshalb sind die Vorteile des digitalen Zentralbankgelds für den Verbraucher nicht sofort ersichtlich, da dieser mit Buchgeldtransaktionen wie etwa Kartenzahlungen oder Echtzeit-Überweisungen schon über eine Auswahl effizienter und schneller Zahlungsmöglichkeiten verfügt. Ein digitales Zentralbankgeld wäre eine Option, mit der bezahlt werden kann, ohne dass dazwischen noch ein Zahlungsverkehrssystem geschaltet wäre.

          Jüngst hat sich der Bundesverband deutscher Banken (BdB), dem auch die Deutsche Bank und die Commerzbank angehören, einmal mehr für einen „programmierbaren Euro“ starkgemacht. Die Verbraucher erhielten damit ein sicheres und effizientes Zahlungsverkehrsmittel für die digitale Wirtschaft der Zukunft, heißt es etwas schwammig in dem Standpunkt. Etwas genauer wird der Bankenverband in seiner Beschreibung der Vorteile für Unternehmen, die mittels dieser Möglichkeit ihre digitale Transformation vorantreiben und ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern könnten.

          Der programmierbare Euro sei eine Voraussetzung für Anwendungen im Internet der Dinge und für die konsequente Automatisierung von Wertschöpfungsprozessen. Er bietet nach Ansicht des Bankenverbandes die Chance, enorme Effizienzsteigerungen zu erreichen.

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