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Digitaler Wandel : Das schnelle Sterben der Geschäftsberichte

Viele Unternehmen drucken ihre Geschäftsberichte nicht mehr. Bild: Getty

Viele Firmen gehen mittlerweile den digitalen Weg: Die Dax-Druckauflage ist seit 2009 um gut 90 Prozent gefallen.

          1 Min.

          Geschäftsberichte sind Segen und Fluch zugleich. Sie zeigen, wie gut oder wie schlecht es einem Unternehmen geht. Sie sind oft sogar gesetzlich vorgeschrieben. Aber sie sind auch unhandlich und teuer, brauchen viel Papier und verschwinden schon bald nach dem Lesen in Archiven – oder im Papierkorb. Im digitalen Zeitalter verzichten daher immer mehr Unternehmen auf die gedruckte Form.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

          Vor zehn Jahren, im Jahr 2009, erstellten die dreißig wichtigsten börsennotierten deutschen Unternehmen (Dax 30) fast 31.000 gedruckte Geschäftsberichte mit 9 Millionen Seiten. Heute sind es nicht einmal mehr 2000 Exemplare, was einem Minus um 94 Prozent entspricht.

          Wie eine gemeinsame Studie der Wiener Wirtschaftsuniversität (WU) und der Agentur Nexxar weiter ergibt, betrug der Rückgang für die Unternehmen im Nebenwerteindex M-Dax 86 Prozent und im Tec-Dax 81 Prozent. Während die Printversion früher ein beliebtes Geschäftspräsent und oft auch eine Art „Visitenkarte“ des Unternehmens gewesen sei, habe es inzwischen einen „erdrutschartigen Einbruch der Druckauflagen“ gegeben, sagt die Autorin der Studie, Stéphanie Mittelbach-Hörmanseder vom WU-Institut für Unternehmensrechnung und Revision. Fast 60 Prozent der befragten Manager erwarteten, dass ihrer Geschäftsberichte künftig ausschließlich digital bereitgestellt würden.

          Die Entwicklung sei normal und positiv, sagt Nexxar-Chef Eloy Barrantes. Schließlich könnten die Online-Fassungen überall und jederzeit abgerufen werden. Einzelne Dax-Konzerne erreichten so 90.000 Leser, viel mehr als früher. Ein Fünftel der Nutzer rufe die Daten auf mobilen Geräten ab. Auffällig sei allerdings, dass Unternehmen „selten konsequent digital denken“. So stellten sie die Berichte zwar online zur Verfügung, kümmerten sich aber nicht aktiv um die Verbreitung im Internet.

          „Für die meisten Befragten scheint die Arbeit mit der Publikation beendet zu sein“, heißt es in der Studie. Es sei aber wichtig, dass die Möglichkeiten der neuen Medien besser genützt und die Inhalte optimiert würden, wie für die Bildschirmgröße.

          Die Wissenschaftler fanden heraus, dass der internationale Reporting-Standard XBRL, in der elektronischen Finanzberichterstattung eine immer größere Bedeutung erlange. Das hänge auch damit zusammen, dass viele Unternehmen von 2020 an Abschlusstabellen und andere Teile der Berichte in diesem Format aufbereiten müssten. Gleichwohl gebe es noch große Unkenntnis: Nur ein Drittel der Befragten habe sich ausreichend mit dem Thema beschäftigt. Erst jedes zehnte Unternehmen setze schon XBRL ein.

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