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5,5 Milliarden Dollar : Digitalbank Revolut wird teuerstes Fintech Europas

Revolut wird hoch bewertet. Bild: Reuters

Als Ergebnis einer Finanzierungsrunde ist das britische Startup mit 8 Millionen Kunden ist nun neben Klarna teuerstes Fintech Europas.

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          Die für ihre besonders aggressive Wachstumsstrategie bekannte Digitalbank Revolut wird gut fünf Jahre nach ihrer Gründung mit 5,5 Milliarden Dollar bewertet, obwohl sie Verluste macht. Sie steht damit an der Spitze der teuersten, nicht-börsennotierten Fintechs in Europa, gleichauf mit dem schwedischen Wettbewerber Klarna und noch vor N26 und Monzo. Die deutsche Digitalbank N26 wurde bei der letzten Finanzierungsrunde vergangenes Jahr mit 3,5 Milliarden Dollar bewertet, die britische Monzo Bank mit 2,6 Milliarden.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die in London ansässige Revolut bietet Gelddienste per Smartphone-App an. In einer jüngsten Finanzierungsrunde konnte sie nun 500 Millionen Dollar von der Risikokapitalgesellschaft TCV aus dem kalifornischen Silicon Valley und anderen Investoren einsammeln, die sich damit knapp ein Zehntel der Anteile sichern. Insgesamt erhielt das Unternehmen in den vergangenen Jahren rund 840 Millionen Dollar von Investoren. Die neue Bewertung mit 5,5 Milliarden Dollar ist mehr als dreimal so hoch wie bei der vorigen Finanzierungsrunde im April 2018.

          Umsatz vervierfacht, Verlust verdoppelt

          Die nun erhaltene Kapitalspritze „belegt das Investorenvertrauen in unser Geschäftsmodell“, sagte Vorstandschef Nikolay Storonsky. Dieser kann auf eine erfolgreiche Wachstumsgeschichte zurückblicken. Im Jahr 2015 hatte der frühere Lehman- und Credit-Suisse-Börsenhändler und gebürtige Russe Storonsky gemeinsam mit Vlad Yatsenko mit einer Startup-Finanzierung von nur 3,5 Millionen Dollar angefangen.

          „Unser Fokus ist jetzt, die Bank-Operationen in Europa auszurollen, die Zahl der Leute zu erhöhen, die Revolut als ihr tägliches Konto benutzen, und die Profitabilität anzustreben“, sagt Storonsky. Nach eigenen Angaben hatte Revolut im vergangenen Jahr mehr als 8 Millionen Kunden. Laut einem Bericht der Beratungsgesellschaft Accenture konnte die Bank sogar mehr als doppelt so viele Nutzer ansprechen, doch fällt es ihr schwer, diese dauerhaft als Kunden zu gewinnen.

          Die Digitalbank macht bislang noch Verluste, der Umsatz beträgt bislang nur ein Bruchteil der Milliardenbewertung. Im Jahr 2018, für das die jüngsten Zahlen veröffentlicht wurden, vervierfachte sich der Umsatz auf 58 Millionen Pfund; gleichzeitig aber verdoppelte sich der Verlust auf 33 Millionen Pfund. Grund sind hohe Investitions- und Werbungskosten bei der Expansion in Europa, vor allem in Mittel- und Osteuropa.

          Das stürmische Wachstum der Digitalbanken geht zulasten der Filialbanken. „Wir wollen die Party unter den traditionellen Banken beenden“, verkündete Revolut, als man 2017 in den deutschen Markt vorstieß. Filialen hat die Bank keine, auch Büros außerhalb Großbritanniens nur wenige. Revolut verspricht besonders günstige und schnelle Finanzdienstleistungen. Seit 2017 bietet das Unternehmen in Britannien und einigen anderen Märkten Girokonten per Smartphone-App an.

          Bislang bietet das Fintech nur eingeschränkte Bankdienstleistungen an, hat auch außer in Litauen keine echte Banklizenz. Die Mehrheit der Konten wird über eine sogenannte E-Money-Lizenz geführt. Wie bei vielen Fintechs, liegen auch hier die Einlagen bei einer anderen Bank und sind nicht direkt bei Revolut über das Einlagensicherungssystem geschützt. Nach und nach soll sich das ändern. Über die Revolut-App können Kunden nicht nur Überweisungen vornehmen, sondern mit einer Karte auch Geld von Automaten abheben oder dieses in mehrere Dutzend Währungen umtauschen.

          Für den Devisenumtausch verspricht das Unternehmen an Wochentagen die günstigen Großbankenwechselkurse anzuwenden. An Wochenenden gibt es Gebührenaufschläge. In Großbritannien ist der Wettbewerb unter den Digitalbanken besonders scharf. Vergangene Woche hatte der deutsche Wettbewerber N26 angekündigt, sich im Laufe dieses Jahres von der Insel zurückzuziehen. Als Grund nannte N26 den Brexit, Beobachter halten die Begründung indes für vorgeschoben. In Wahrheit sei der Wettbewerb auf dem britischen Markt zu scharf für die deutsche Digitalbank, deren App ein etwas langsameres Nutzerwachstum aufweist als die von Revolut. Hinter der 2013 gegründeten Berliner Startup N26 stehen unter anderem Investoren wie der amerikanische Milliardär Peter Thiel und Li Ka-Shing aus Singapur.

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