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Zukunft des Bargelds : „Sie sind der erste seit zehn Jahren, der mit Karte zahlen will“

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Auf dem Wochenmarkt in Nagold zahlen die Kunden gerne mit Bargeld. Bild: dpa

Mit Karte oder Handy-App - es gibt immer mehr Möglichkeiten, ohne Bargeld zu bezahlen. Doch so einfach ist das nicht. Vor allem nicht in Deutschland. Ein Besuch auf dem Wochenmarkt.

          Wer auf dem Nagolder Wochenmarkt nichts Bares in der Tasche trägt, hat Pech. Ob am Gemüsestand oder beim Metzger - mit Karte geht hier nichts. „Ich habe mit meiner Bank gesprochen, neun Cent müsste ich für jeden Kauf mit Karte zahlen, das ist mir einfach zu teuer“, heißt es beim Fleischer Jürgen Lepsch. Die Kunden stört das offenbar wenig. „Sie sind der erste seit zehn Jahren, der mit Karte zahlen will“, sagt der Verkäufer vom Obststand nebenan. Dabei treiben Banken bargeldloses Zahlen inzwischen immer stärker voran.

          Viele Bankkunden etwa können vom kommenden Jahr an Geld innerhalb weniger Sekunden auf ein anderes Konto überweisen. Für die neue Echtzeitüberweisung soll ab November europaweit ein einheitlicher Rechtsrahmen gelten, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer, jüngst: „Die Überweisung in Sekunden könnte ein Ersatz für Bargeldzahlungen werden.“

          Bei der Buchhandlung Zaiser gleich um die Ecke des Marktes zieht man Bares vor. „Beim bargeldlosen Bezahlen fallen zusätzliche Kosten an.“ Zwei Drittel der Kunden zahlten in klingender Münze, nur ein Drittel mit Karte - und das solle auch bitteschön so bleiben, meint der Buchhändler.

          Bezahlen mit dem Smartphone

          Viele Banker und Politiker sehen das anders. „Cash ist fürchterlich teuer und ineffizient“, stöhnte Deutsche-Bank-Chef John Cryan schon im vergangenen Jahr. Seine These: In den nächsten zehn Jahren werde es verschwinden. Auch EU-Digitalkommissar Günther Oettinger prophezeite bereits: „Bargeld stirbt aus: Wir werden mit der Apple-Watch bezahlen, mit dem Smartphone bezahlen.“

          Die Deutschen jedoch scheinen an Scheinen und Münzen zu hängen - und zwar stärker als die meisten anderen Europäer. 78 Prozent aller Transaktionen im Einzelhandel werden laut Handelsverband Baden-Württemberg bundesweit bar abgewickelt. „Unterschiede auf Landesebene sind relativ unwahrscheinlich.“ Man sieht also: Die Kunden beim Nagolder Buchhändler liegen voll im Bundestrend.

          Doch es gibt auch Kritik am Zurückdrängen des Bargeldes. Der Geschäftsführer des Bankenverbandes Baden-Württemberg, Ewald Wesp, etwa ist gegen eine Abschaffung. „Weil wir einfach sehen, unsere Kunden möchten, dass es erhalten bleibt.“ Nicht ausschließen will Wesp allerdings, dass das Abheben am Schalter der eigenen Bank in ein paar Jahren etwas kostet. „2,50 oder drei Euro muss man dann vielleicht bezahlen, so kann ich mir die Entwicklung vorstellen.“

          Was nur wenige wissen

          Andere Banker und Politiker wenden ein, eine Welt ohne Bargeld würde das organisierte Verbrechen erschweren: Geldwäsche, Korruption und Bestechung würden komplizierter. Hauptargument sind aber die Kosten: Ob Bankschalter oder Geldautomat - die Bereitstellung von Barem kostet Geld, vom Drucken und Prägen ganz zu schweigen.

          Auch Jörg Stahl, Vorstandssprecher der Volksbank Herrenberg-Nagold-Rottenburg, sieht bargeldloses Bezahlen im Kommen. Dies liege im Interesse der Kunden. Zugleich verweist er auf die Kosten für die Banken.

          Was nur wenige wissen: „So darf Bargeld, das bei uns eingezahlt wird, nicht direkt wieder an Kunden ausgegeben oder in Geldautomaten gefüllt werden. Banknoten müssen per Sicherheitstransport zur Echtheitsprüfung an die Deutsche Bundesbank transportiert werden.“ Die wiederum stelle dann geprüfte Scheine zur Verfügung. „Dieser externe Bargeldtransfer ist für uns mit hohen Kosten verbunden.“ Ein baldiges Aus von Münzen und Scheinen sieht er aber ebenfalls nicht.

          Vor allem unter jungen Leuten scheint die Karte aber immer beliebter zu werden. In einem Supermarkt im schwäbischen Nagold etwa zahlt ein junger Mann sogar eine kleine Flasche Coca-Cola bargeldlos. Bei den meisten anderen Einzelhändlern in der Kleinstadt könnte er das nicht - dafür müsste er für mindestens zehn Euro einkaufen. „Wir sind der einzige Laden in der Stadtmitte, der kein solches Limit hat. Die Jugend zahlt sogar Mini-Beträge von 40 Cent mit Bankkarte“, sagt die Kassiererin. „Ältere Kunden machen so etwas allerdings nicht.“

          Bezahlen mit der Girocard sei neben der Lastschrift das beliebteste bargeldlose Verfahren im Handel, sagt Kemmer vom Bankenverband. Noch nicht durchgesetzt habe sich in Deutschland indes das kontaktlose Bezahlen mit Karte oder mit einem Smartphone plus App. „Hier gibt es verschiedene Anbieter, die sich auf dem Markt versuchen. Entscheidend ist, was sich in der Fläche durchsetzen wird.“

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