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Zahlungsmittel : Bundesbank lehnt Einschränkungen bei Bargeld ab

Carl-Ludwig-Thiele, Vorstandsmitglied der Bundesbank, bei der Präsentation der neuen 20-Euro-Scheine im März. Bild: dpa

Alternative Zahlungsmittel gewinnen an Boden, doch die Deutschen mögen nach wie vor Münzen und Scheine. Bundesbanker Carl-Ludwig Thiele will, dass sich an der Bargeldhaltung nichts ändert.

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          Die Deutschen können sich auf ihre Bundesbank verlassen. In der von einigen Ökonomen angestoßenen Diskussion über Einschränkungen in der Bargeldhaltung hat Carl-Ludwig Thiele als Vorstandsmitglied der Bundesbank für Zahlungsverkehr, eine klare Position eingenommen: „Restriktionen in der Bargeldhaltung lehnt die Bundesbank ab.“ Das dürfte auf große Zustimmung in der Bevölkerung stoßen, denn fast drei Viertel der Deutschen lehnen die Abschaffung des Annahmezwangs von Bargeld ab.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In seiner Rede auf einer Fachkonferenz in Berlin ging Thiele auf die Möglichkeit ein, dass die Geschäftsbanken die Negativzinsen, die sie für ihre Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlen müssen, irgendwann auf die Privatkunden abwälzen. Dann könnten diese mit einer stärkeren Bargeldhaltung reagieren. Doch bisher seien die negativen Zinsen noch nicht bei den privaten Haushalten angekommen. Geschäftsbanken erheben aber negative Zinsen auf große Guthaben. Damit wollen sie verhindern, dass Großkunden wie Unternehmen oder Fonds hohe Summen auf den Konten halten. Die Geschäftsbanken müssen diese zum Teil bei der EZB parken und dafür Strafzinsen zahlen.

          Schweden und Dänemark bald bargeldlos

          Doch nicht nur die Niedrigzinspolitik der Notenbanken hat die Diskussion um die Rolle des Bargelds angefacht. Für die Abschaffung zumindest von Banknoten mit hohen Nennwerten haben sich auch Ökonomen wie Ken Rogoff oder Peter Bofinger ausgesprochen. Ein Argument ist die Erschwernis von Drogenhandel oder Steuerhinterziehung. Schweden und Dänemark bewegen sich hin zur bargeldlosen Gesellschaft. Vom kommenden Jahr an müssen in Dänemark Tankstellen, Restaurants oder kleine Läden kein Bargeld mehr annehmen.

          Kleinere Rechnungen bis 20 Euro begleichen die Deutschen fast nur mit Bargeld. Allerdings sind die Debitkarten (Girocard) auf dem Vormarsch. Nach Aussage von Thiele ist die Girocard bei Beträgen zwischen 50 und 100 Euro inzwischen das beliebteste Zahlungsmittel. Ihr Anteil belief sich einer Bundesbank-Studie zufolge im vergangenen Jahr auf 43,4 Prozent, während Bargeld auf 41,9 Prozent kam.

          Insgesamt entfallen auf die Girocard an der Kasse fast 30 Prozent aller Zahlungen. Dagegen kommt Bargeld noch immer auf einen Umsatzanteil von 53 Prozent. Thiele ist davon überzeugt, dass dieser Anteil mittelfristig auf weniger als 50 Prozent fallen wird. Der Hauptgrund dafür sei nicht das Bezahlen per Smartphone oder im Internet (Paypal), sondern die Debitkarte.

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