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Digitalwährungen : Der Krypto-Markt kommt nur langsam in Fahrt

Geld, bestehend nur aus Daten: In diesem Rechner im kanadischen Saint Hyacinthe werden der bekannte Bitcoin erzeugt. Bild: AFP

Es gibt in Deutschland zwar mehr als 70 Anfragen bei der Finanzaufsicht für neue Digitalwährungen. Doch der Markt entwickelt sich hierzulande nur langsam. Das hat Gründe.

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          Nach den neuerlichen hektischen Kursbewegungen sind Digitalwährungen wieder in der Diskussion. Ein Bitcoin ist aktuell rund 10.800 Dollar wert, alle 2311 Digitalwährungen haben eine Marktkapitalisierung von zusammen rund 330 Milliarden Dollar. Doch in Deutschland entwickelt sich der Markt langsam. Das geht aus einer Anfrage des FDP-Abgeordneten Frank Schäffler hervor, die der F.A.Z. vorliegt. So liegen im Moment der deutschen Finanzaufsicht Bafin etwa 70 schriftliche Anfragen bezüglich Krypto-Token vor.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit solchen verkauften Token wird zuerst das Projekt finanziert. Diese Token sind ein Anteilschein auf eine Digitalwährung, die noch nicht existiert. Bezahlt wird zumeist in gängigen anderen Digitalwährungen wie Bitcoin oder Ether. Nur wenige nehmen Währungen wie Dollar, Euro oder Yen an. Ist der „Börsengang für Digitalwährungen“ erfolgreich, sollte der Wert des Tokens steigen, so die Theorie. Von diesen 70 Anfragen beschäftigt sich eine niedrige zweistellige Anzahl mit sogenannten Security Token.

          Für diese Security Token muss die Bafin ein Wertpapierprospekt billigen. Solche Prospekte sind bei normalen Wertpapieren gang und gäbe. Sie informieren über die Chancen, aber auch über die Risiken. Da sie als Wertpapiere ausgestaltet sind, sind Rechte und Pflichten klar geregelt. Der Weg zur Freigabe ist aber nicht ganz billig – 6500 Euro müssen die Unternehmen für die Billigung des Wertpapierprospekts zahlen.

          Schäffler sagt dazu: „Die Prüfung der Token dauert zu lange und ist für viele Unternehmen zu teuer. Die Bundesregierung sollte sich daher endlich dafür einsetzen, dass der Umgang der Bafin mit der Blockchain-Technologie transparenter wird.“ Für Anbieter sieht Schäffler daher viel Luft nach oben: „Es sollte eine anonymisierte Entscheidungssammlung öffentlich zugänglich sein, aus der die vergangenen Entscheidungen der Bafin ersichtlich werden. So könnten Token-Anbieter schon vorher die zu erwartende Regulierung und die damit verbundenen Kosten abschätzen.“

          Markt hat noch Entwicklungspotential

          Auch in vielen anderen Bereichen hat der Markt noch Entwicklungspotential. So gibt es in Deutschland noch kein lizensiertes Unternehmen, das Kunden einen Handelsplatz – im Sinne einer Börse oder eines multilateralen Handelssystems, über die eine Vielzahl von Dritten Kryptoassets untereinander handeln können – bereitstellt. Drei Unternehmen in Deutschland bieten Kunden den Verkauf und Kauf von Kryptoassets.

          Zwei davon kooperieren dafür mit einem von der Bafin beaufsichtigten Kreditinstitut. Eines hat eine Bafin-Erlaubnis für Eigenhandel. Dem Vernehmen nach arbeitet der Handelsplatz Bitcoin.de mit der Fidor Bank, Bitwala mit der Solaris Bank. Da die Krypto-Handelsbörse Bison zur Stuttgarter Börse gehört, werden diese die Erlaubnis im Eigenhandel haben.

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          Aus der Antwort der Bundesregierung geht auch hervor, dass es derzeit Bitcoin-Automaten an fünf Standorten in Deutschland gibt. Die Bafin prüfe dazu die entsprechenden Sachverhalte. Das findet Schäffler auch ungenügend: „Die Blockchain-Automaten sind ein klassisches Beispiel für die Rechtsunsicherheit, die wegen der handlungsunwilligen Bundesregierung im Blockchain-Bereich besteht. Die Bafin untersagt die Automaten, das Berliner Kammergericht erlaubt sie. Den Unternehmern bleibt also nichts anderes übrig, als in der juristischen Grauzone zu operieren. Hier hätte der Gesetzgeber längst Klarheit schaffen müssen.“

          Unabhängig davon werden in Deutschland Digitalwährungen nicht nur zu legalen Zwecken eingesetzt. Daher beschäftigt sich die Bundesregierung im Rahmen der Nationalen Risikoanalyse mit der Nutzung von virtuellen Währungen zur Geldwäsche und zur Terrorismusfinanzierung. Die Ergebnisse werden in den nächsten Monaten veröffentlicht. Bekannt ist schon, dass 2017 nach Kenntnis der Bundesregierung bundesweit virtuelle Währungen in Höhe von rund 10 Millionen Euro und 2018 in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro vorläufig gesichert wurden.

          Der Unterschied kann aber auch damit zusammenhängen, dass die Preise 2018 teilweise um bis zu zwei Drittel eingebrochen sind. Berühmt wurde Anfang des Jahres zum Beispiel der Fall, in dem eine Frau und fünf Männer ein Rechenzentrum zur Bitcoin-Herstellung im Vogtland betrieben haben sollen. Da sie den Strom illegal abzwackten, fiel das schnell auf – 121 Beamte beschlagnahmten 49 Rechner und die dazugehörigen Digitalwährungen.

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