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Fintech-Angebote : Kundenvertrauen in Versicherungs-Apps steigt

Neuigkeiten aus der Fintech-Branche: Finanzdienstleistungen mit Hilfe digitaler Techniken sollen kommen. Bild: Bloomberg

Die Neugier gegenüber digitalen Hilfen in der Finanzberatung ist groß. Kunden zeigen sich aufgeschlossen, auch Versicherungen über Apps abzuschließen. Doch es gibt Risiken.

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          Kaum ein Tag ohne Nachricht aus der Fintech-Branche: Am Freitag kündigte die unabhängige private Sutor Bank aus Hamburg an, künftig ihre Anlagesoftware für Fintech-Unternehmen zu öffnen, die Finanzdienstleistungen mit Hilfe digitaler Techniken anbieten. So sollen auch Start-ups ohne Banklizenz ihre Geschäftsmodelle rund um Sparen und Investieren umsetzen können. Als erster Anbieter wird diesen Zugang das Berliner Unternehmen Growney nutzen, das eine Anlagestrategie auf Basis von kostengünstigen Indexfonds (ETF) mit Roboadvising verbindet, also einer Algorithmen-gestützten Beratung von Kunden.

          Tim Kanning
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Überall ist zu spüren, dass Fintechs eine große Zukunft zugetraut wird. Eine Umfrage des CFA Institute, eines Berufsverbands für Finanzanalysten und professionelle Anleger, unter 775 Teilnehmern hat ergeben, dass 70 Prozent von ihnen erwarten, dass vor allem vermögende Kunden von einer automatisierten Finanzberatung profitieren könnten. Geringere Kosten, vereinfachte Zugänge zu Finanzprodukten und eine größere Produktvielfalt könnten die Folge sein. Immerhin 38 Prozent der Befragten sehen aber auch wachsende Risiken durch den Einsatz digitaler Techniken. Die größte Gefahr sehen sie darin, dass Beratungsalgorithmen fehlerhaft sein könnten, auch Falschberatungen und Datenschutzverletzungen werden als Risiko eingestuft.

          Wie sehr diese Themen aber noch als Zukunftsmusik anzusehen sind, zeigen andere Umfragen, die in dieser Woche veröffentlicht worden sind: So befragte das Marktforschungsinstitut Yougov 1000 Finanzentscheider und -mitentscheider internetrepräsentativ, welche neuen digitalen Anbieter sie kennen. Nur 21 Prozent der Befragten gaben an, überhaupt einen neuen Anbieter benennen zu können. Selbst der Anlageroboter Visual-Vest, den die Fondsgesellschaft Union Investment unter ihrem Dach eingerichtet hat, kommt nur auf eine gestützte Bekanntheit von einem Prozent. Ähnliche Werte erreichen Wettbewerber wie Vaamo oder Fintego. Auch in dieser Befragung wird indes wieder deutlich, wie viel Potential in dem Thema stecken könnte: 53 Prozent der Finanzentscheider gaben an, die Entwicklung mache sie neugierig, 72 Prozent glauben, dass Kunden diese Entwicklung nutzen könnte.

          Versicherungs-Apps

          Setzte der Trend bei Bankdienstleistungen schon vor einigen Jahren ein, ziehen seit vergangenem Jahr verstärkt auch Anbieter nach, die sich auf Versicherungen spezialisiert haben. Die Marktforschungsgesellschaft Heute und Morgen hat deshalb repräsentativ 1032 Smartphone-Besitzer danach befragt, welche Chancen sie Versicherungs-Apps einräumen.

          Auch hier wieder ein ähnliches Bild: wenig Bekanntheit, große Neugier. 82 Prozent hatten noch nie von der Möglichkeit gehört, einen Vertrag über eine digitale Applikation abschließen zu können. Besonder bitter für die Anbieter: In einer ähnlichen Umfrage vor drei Jahren ist die Bekanntheit schon einmal ein bisschen besser gewesen – und das, obwohl viele Dienstleistungen erst in den vergangenen Monaten gestartet sind. Nur ein Prozent hatte schon einmal eine Police über das Smartphone gekauft. Aber immerhin 56 Prozent der Befragten können sich einen solchen Kauf vorstellen, 5 Prozentpunkte mehr als vor drei Jahren.

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