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Dienstleister Transferwise : Ein Fintech im Höhenflug

Die beiden Transferwise-Gründer Taavet Hinrikus (links) und Kristo Käärmann Bild: Transferwise

Der Überweisungsdienstleister Transferwise steigt unter die fünf wertvollsten europäischen Finanz-Start-ups auf. Dabei unterscheidet das Unternehmen vor allem eine Sache von vielen anderen Start-ups.

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          Spricht man mit dem Ko-Chef des britischen Fintechs Transferwise, Kristo Käärmann, wird schnell klar, dass es sich bei dem Unternehmen nicht mehr um ein klassisches Start-up handelt. Der Überweisungsdienstleister, der im Jahr 2011 von den beiden Esten Taaveet Hinrikus und Käärmann gegründet wurde, ist ein Stück weit erwachsen geworden. Das hat mit dem starken Wachstum zu tun, welches das Unternehmen in den vergangenen fast zehn Jahren hingelegt hat. Nun hat das Fintech einen neuen Meilenstein erreicht: die Bewertung von 5 Milliarden Dollar.

          Antonia Mannweiler

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Damit gehört das Fintech, das mehr als 2000 Mitarbeiter zählt und vor allem für Auslandsüberweisungen bekannt ist, zu den fünf wertvollsten Fintechs in Europa. Nur der Zahlungsdienstleister Klarna aus Schweden und die britischen Finanz-Start-ups Revolut und Checkout.com sind mit jeweils 5,5 Milliarden Dollar noch höher bewertet.

          Keine neue Geldaufnahme nötig

          Dabei haben in dem Sekundärverkauf, auch „Secondary Share Sale“ genannt, Unternehmensanteile von Bestandsinvestoren lediglich den Besitzer gewechselt – zu einem höheren Preis. Die Höhe der Anteile bezifferte sich auf 319 Millionen Dollar. Im Gespräch mit der F.A.Z. betont Käärmann daher, dass es sich dabei nicht um eine klassische Finanzierungsrunde handele und sagt: „Wir haben kein Geld aufgenommen.“

          Seit drei Jahren werde das Fintech und dessen Wachstum schon über die Einnahmen von Kunden finanziert, so Käärmann. Mit den Gebühren, die für die Auslandsüberweisungen fällig werden, würden sie damit indirekt in das Unternehmen investieren. „Wir sind unabhängig vom Funding“, sagt Käärmann. Zusätzliches Geld von Investoren sei nicht nötig. Im Geschäftsjahr von April 2018 bis Ende März 2019 hat das Unternehmen 196 Millionen Euro erwirtschaftet – eine Steigerung von 53 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unter dem Strich blieben dem Unternehmen damit 11,3 Millionen Euro.

          Auf die Frage, ob das Unternehmen sich denn überhaupt noch als Start-up bezeichnen könne, antwortet Käärmann, dass Transferwise sich immer noch wie ein Start-up verhalte – nur eben nicht so viel Geld verbrenne. Man befinde sich aber noch in den „frühen Tagen der Veränderung“, sagt Käärmann und bezieht sich auf das Geschäft mit den Auslandsüberweisungen. Das ist aus Sicht des Gründers noch zu teuer, die Gebühren für die Transfers zu hoch.

          Käärmann und Transferwise haben es sich zum selbst erklärten Ziel gemacht, die Gebühren für die grenzüberschreitenden Überweisungen so günstig wie möglich zu machen. Besser noch, umsonst. Es gebe aber auch noch andere messbare Kriterien, die das Unternehmen in regelmäßigen Abständen messe, etwa die Geschwindigkeit der Überweisungen. 28 Prozent aller Transfers im letzten Quartal wurden in weniger als 20 Sekunden umgesetzt.

          Neben dem Fintech mit Sitz in Großbritannien gibt es aber noch weitere Fintechs wie Azimo oder Transfergo, die sich auf dem Markt, der von den Platzhirschen Western Union und Moneygram  dominiert wird, gewagt haben. Die Gebühren für Auslandsüberweisungen sind, im Gegensatz zu Überweisungen innerhalb der EU, mit schätzungsweise 6 bis 7 Prozent immer noch recht hoch. Die Kosten verstecken sich dabei auch in den ungünstigen Wechselkursen, da sie mitunter stark vom Referenzwert abweichen.

          „IPO macht Service nicht besser“

          Ein Börsengang komme für den 2011 gegründeten Überweisungsdienstleister und Konkurrenten von Western Union aber noch nicht in Frage. Es gebe keinen guten Grund dafür und keine Belege, dass ein an der Börse gelistetes Unternehmen besser wirtschafte, so der Transferwise-Chef. “Ein IPO mache den Service nicht besser.“

          Die Corona-Krise habe dem Überweisungsdienstleister dagegen weder geschadet, noch genützt. Dass sich die Digitalisierung in der Finanzbranche und bei der Bezahlung auf dem Vormarsch befinde, sei keine Neuigkeit. An eine Deglobalisierung und damit an einen geringeren Bedarf von Auslandsüberweisungen glaubt Käärmann aber nicht. Auch nach der Krise werde das Interesse daran groß sein.

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