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Streit um Gebühren : Visa darf bei Amazon bleiben

Amazon UK: Weiter zahlen mit Visa Bild: dpa

In Großbritannien drohte Amazon, keine Visa-Kreditkarten mehr zu akzeptieren. Nun haben die beiden ihren Streit beigelegt.

          2 Min.

          Es war ein Paukenschlag im vergangenen Jahr: Damals kündigte Amazon an, in Großbritannien künftig keine Kreditkarten mehr von Visa zu akzeptieren. Der 19. Januar wäre der Stichtag gewesen. Doch zwei Tage zuvor konnten sich die beiden Schwergewichte nun einigen: Visa-Kreditkarten werden weiterhin akzeptiert werden. Viel mehr Details wurden in einer E-Mail, die an alle Kunden von Amazon in Großbritannien gerichtet war, nicht bekannt gegeben. Doch worum ging es überhaupt in dem Streit?

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Begründung von Amazon lautete damals, dass die Gebühren für Visa-Kreditkarten, die im Vereinigten Königreich ausgegeben werden, zu hoch seien. „Die Kosten, um Kreditkarten zu akzeptieren, bleiben ein Hindernis für Geschäfte, die danach bestrebt sind, ihren Kunden den besten Preis zu bieten“, sagte damals ein Amazon-Sprecher. Das Kreditkartenunternehmen war damals nicht sonderlich begeistert und sagte, man arbeite weiter an Lösungen. Diese wurden nun gefunden.

          Gebührendruck

          Der Streit drehte sich um die sogenannte „Interchange-Gebühr“: eine Gebühr, die bei Händlern immer dann erhoben wird, wenn jemand mit der Plastikkarte zahlt, und die dann an die ausgebenden Banken geht. In der Europäischen Union wurde diese Gebühr auf maximal 0,3 Prozent gedeckelt. Nach dem Brexit sind die britischen Kreditkartenanbieter an diese Regel nicht mehr gebunden. Visa hat diese Gebühr auf bis zu 1,5 Prozent erhöht, also verfünffacht. Schon damals wurde vermutet, dass der Schritt von Amazon in Großbritannien nur Verhandlungstaktik war, um die Gebühren zu drücken. Es war aber auch ein Testballon für den Markt in den Vereinigten Staaten, sagte Barclays-Analyst Ramsey El-Assal. Denn dort sind die Interchange-Gebühren nochmals um ein Vielfaches höher. In dem Fall scheint sich Amazon nun durchgesetzt zu haben.

          Diese Marktmacht des Onlinehändlers sieht man auch an einem anderen Beispiel: Noch immer kann man dort nicht mit Paypal bezahlen – obwohl es wohl der beliebteste Bezahldienst der Welt ist. Ein Grund sind auch hier die hohen Gebühren, aber auch, dass Amazon mit Amazon Pay einen eigenen Konkurrenten im Angebot hat.

          Auf der ganzen Welt kommen aber immer wieder Visa und Amazon in Konflikt. In manchen Ländern gab es Gebühren, in Australien und Indien wurden ähnliche Schritte wie in Großbritannien angedroht. Das Problem mit der Interchange-Gebühr ist dabei weder neu noch einzigartig – doch immer wieder ist Visa betroffen. Im Jahr 2014 hat Walmart in den Vereinigten Staaten die amerikanische Einheit von Visa auf fünf Milliarden Dollar verklagt, weil der Konzern seinen Kunden „unerklärlich hohe“ Gebühren auferlegt hat, später wurden Visa-Karten sogar für sechs Monate verbannt.

          Und in Deutschland? Hier sind ähnliche Schritte wegen der Deckelung durch die Europäische Union nicht zu erwarten. Es geht sogar noch weiter: Hier darf nicht einmal eine Online-Zahlungsart diskriminiert werden, etwa durch zu hohe Gebühren. Und noch arbeiten Visa und Amazon gut zusammen: So bietet man eine gemeinsame Kreditkarte für Kunden an.

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