https://www.faz.net/-gv6-9gt38

Streit um Bitcoin Cash : Digitalwährungen am Abgrund

Die Spekulation um die Kryptoanlage Bitcoin bringt Anlegern diese Woche einen hohen Verlust. Bild: dpa

Ein Streit zwischen den Entwicklern um die Zukunft von Bitcoin Cash hat die Kurse von digitalen Anlagen unter Druck gebracht. Vokabeln wie „Krieg“ und „Massaker“ werden verwendet.

          Wie so oft, wenn im Internet diskutiert wird, ist da wenig Platz für Graustufen und Zwischentöne – es gibt nur schwarz oder weiß. Da verwundert es nicht, dass gerade die Rede vom „Bitcoin-Krieg“ ist, oder vom „Massaker“ an den Märkten. Doch dieses Mal scheinen die Übertreibungen gar nicht so übertrieben: In nur fünf Tagen verlor die Internetwährung ein Drittel an Wert, von 6300 Dollar ging es am Dienstag auf nur noch bis zu 4221,92 Dollar runter. Am Mittwoch erholt sie sich allerdings wieder, doch der Preis liegt mit rund 4500 Dollar immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In der Szene geht das Wort „Bürgerkrieg“ um. Das ist vielleicht etwas spitz formuliert, aber im Grunde geht es genau darum. Bitcoin war zwar die erste Digitalwährung auf Blockchain-Basis und ist mittlerweile knapp zehn Jahre alt. Doch im Laufe dieser Zeit gab es teilweise Neugründungen von Währungen, teilweise Abspaltungen von Bitcoin. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Bitcoin ist fast zehn Jahre alt. Zwar gab es vereinzelte Weiterentwicklungen, doch im Herzen arbeitet immer noch die alte Software.

          Das führt dazu, dass die Transaktionen grundsätzlich langsam sind, vergleichsweise teuer und unglaublich ineffektiv: Eine einzige Transaktion frisst 712 Kilowattstunden, so dass das gesamte Netzwerk so viel Strom verbraucht wie Österreich produziert, hat der Ökonom Alex de Vries ausgerechnet. Dadurch hat Bitcoin teilweise seinen Ruf als Digitalwährung verloren, und wird vielfach nur noch als „Kryptoanlage“ bezeichnet.

          BTC/USD

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Den Programmierern, die angetreten sind, um das Weltfinanzsystem zu verbessern, stößt das natürlich stark auf. Deswegen haben sie zum Beispiel Ethereum gegründet, das ein intelligentes System im Hintergrund laufen hat, in dem sich auch Vertragsverhältnisse abbilden lassen. Deswegen gibt es aber auch eine weitere Abspaltung namens Bitcoin Cash, welches eigentlich angetreten war, Bitcoin wieder mehr wie eine Währung erscheinen zu lassen. Und eben von Bitcoin Cash gehen gerade die Schockwellen aus.

          Im Kern geht es um die Blöcke. Die Technologie hinter diesen Währungen ist die Blockchain, eine Kette von Blöcken. In diesen Blöcken sind die Informationen der Transaktion fälschungssicher festgeschrieben. Vereinfacht gesagt, halten einige Programmierer größere Blöcke für besser. Da mehr Informationen festgeschrieben werden können, sollen die Transaktionen schneller und günstiger werden. Beispielsweise hat Bitcoin Cash acht Mal so große Blöcke wie Bitcoin.

          Meinungsstreit

          Nun gibt es insgesamt drei Fraktionen: Eine ist „Bitcoin ABC“. Sie möchte Bitcoin Cash so lassen, wie es ist, mit kleinen, evolutionären Änderungen. „Bitcoin SV“ steht für „Satoshis Vision“. Satoshi war der Gründer von Bitcoin. Der Australier Craig Wright behauptet, dieser Satoshi zu sein, und ist eben einer jener Programmierer, die für „Bitcoin SV“ einsteht. Die dritte Fraktion sind die Neutralen, welche eine Trennung zwischen beiden Währungen ablehnen.

          Warum diese Vehemenz des Streites? Natürlich geht es um Geld. Für jeden erstellten Block erhalten die sogenannten Miner Geld. Mit größeren Blöcken können sie tendenziell vorerst weniger verdienen. Momentan verbrennen sie daher Geld. Der Bitcoin-Fachmann Blogger Christoph Bergmann schätzt, dass so täglich 300.000 bis 500.000 Dollar Verlust entstehen, bis eine der beiden Seiten aufgibt. Noch ist das nicht in Sicht.

          Dieser Streit strahlt auf andere Netzwerke aus, weil zum Beispiel Bitcoin in Bitcoin ABC oder Bitcoin SV getauscht werden, um die jeweilige Version zu unterstützten. Das drohte zumindest Wright an. Auch mangelnde Unterstützung der Miner wird als Grund für den Kursverlust genannt. Und schließlich fördert solch ein Streit, den viele nicht verstehen, natürlich nicht das Vertrauen in Digitalwährungen allgemein. Die weitere Entwicklung ist nicht abzusehen. Analyst Murad Mahmudov schreibt, dass der Ausverkauf noch lange nicht zu Ende ist. Er sieht die 3500 Dollar in Reichweite.

          Für Anleger ist das bitter, noch bitterer sogar, wenn sie statt Bitcoin direkt zu kaufen in Investmentvehikel wie den Grayscale Bitcoin Investment Trust investierten. Mitte Dezember 2017, als der Preis der Digital-Anlage seinen Höhepunkt erreicht hatte, zahlten die Anleger einen Aufschlag von mehr als 100 Prozent auf den Wert des Fonds, weil Bitcoin knapp waren.

          Der Trust war eine der wenigen Möglichkeiten, wie institutionelle Investoren in Bitcoin anlegen konnten und dafür nahmen sie offenbar exorbitante Aufschläge in Kauf. Damals schloss der Trust mit einem Preis von 3463 Dollar - am Dienstag betrug der Preis 4,89 Dollar. Das ist ein Verlust von 98,5 Prozent. Wer Bitcoin unmittelbar kaufte, kam mit einem Minus von rund 75 Prozent davon. Preiswert ist der Trust immer noch nicht. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg beträgt er Aufschlag immer noch 9 Prozent.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Handelsabkommen mit Bolsonaro : Berlin ist dafür, Paris dagegen

          Die Bundesregierung will das Mercosur-Freihandelsabkommens ratifizieren. Frankreich und andere EU-Staaten hatten wegen der Haltung Brasiliens zu den Bränden am Amazonas eine Blockade gefordert. Droht kurz vor dem G-7-Gipfel Streit zwischen Berlin und Paris?
          Wer macht’s? Annalena Baerbock und Robert Habeck

          Grüne Kanzlerkandidatur : Baerbock oder Habeck?

          Die grüne Spitze kommt gut an. Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck wollen nicht darüber reden, wer Kanzlerkandidat wird und mit wem sie im Bund koalieren wollen.
          Verkehrsminister Andreas Scheuer

          Maut-Debakel : Neue Vorwürfe gegen Scheuer

          Die Pkw-Maut kommt nicht - jetzt werden die Verträge aufgearbeitet. Hat Verkehrsminister Scheuer getrickst, damit die Mauterhebung billiger aussieht?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.