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Skandal bei Quadriga CX : Schlüssel weg, Bitcoin weg

Erhebliche Probleme: Der Gründer des Start-up Quadriga CX soll verstorben sein und den Schlüssel für mehrere Millionen mit ins Grab genommen haben. Bild: Reuters

Der Fall der größten kanadischen Handelsbörse für Digitalwährungen sorgt für Aufsehen. Quadriga CX hat mit dem Tod ihres Gründers den Zugang zu den digitalen Vermögenswerten verloren.

          Man stelle sich folgendes vor: Der charismatische, junge Vorsitzende der Sparkasse Hintertupfingen stirbt unerwartet. Weil er so großen Wert auf die Sicherheit der Kundengelder legt, hat er einen unknackbaren Safe in den Keller gestellt. Nur er selbst war in Besitz des Schlüssels. Nun ist er tot und die Kunden kommen nicht mehr an ihr Geld.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Erfahrene Safeknacker haben sich daran versucht, doch es steht fest: Das Geld ist zwar da, aber man kommt nicht mehr dran. In der analogen, also realen Welt schwer vorstellbar. Hier gibt es etwa eine Bankenaufsicht, die verhindert, dass Kundengelder einfach verschwinden können. Auch gibt es keine unknackbaren Safes, alles lässt sich mit mehr oder weniger viel Aufwand knacken.

          Alles ist verschlüsselt

          In der digitalen Welt ist das anders. Gerade sorgt der Fall der größten kanadischen Handelsbörse für Digitalwährungen für Aufsehen. Quadriga CX hat nämlich ein großes Problem. Das Start-up kann im Moment weder auf 145 Millionen Dollar an digitalen Währungen wie Bitcoin, Litecoin oder Ether zugreifen, noch 70 Millionen Dollar in bar bezahlen, die es schuldet. Denn Quadriga CX ist mit dem Tod ihres Unternehmensgründers Gerald Cotten der Schlüssel zu den Millionen verloren gegangen, welche Quadriga CX verwaltet hat.

          Um maximal sicher zu sein, wurde dieses Geld in einer „Cold Wallet“ gelagert. Diese kann nicht von Außen gehackt werden und nur mit einem Passwort geöffnet werden, das Cotten, der nur 30 Jahre alt wurde, mit ins Grab genommen haben soll. Alles ist verschlüsselt, sagt seine Witwe Jennifer Robertson. Dazu gehören auch das Notebook, die E-Mail-Adressen und das Messaging-System des fünf Jahre jungen Unternehmens. Es war allein verantwortlich für den Umgang mit Geldern und Coins sowie für die Bank- und Buchhaltungsseite des Unternehmens.

          Fachleute, die versuchten, sich in Cottens andere Computer und sein Handy zu hacken, hatten nur „begrenzten Erfolg“. Versuche, einen verschlüsselten USB-Stick zu umgehen, wurden vereitelt. „Nach Gerrys Tod ist Quadrigas Inventar an Kryptowährungen nicht mehr verfügbar, und ein Teil könnte verloren sein“, heißt es in einem 14-seitigen Antrag auf Gläubigerschutz, den die Witwe anschließend gestellt hat. Er listet in 77 Punkten exakt das Geschäftsmodell auf und ist eidesstattlich von Robertson unterschrieben. Auf der eigenen Internetseite wird nur kurz über den Antrag berichtet, sonst ist sie offline.

          Doch so einfach könnte der Fall dann doch nicht sein. Denn schon gibt es Gerüchte, dass Cotten, der an Morbus Crohn litt, gar nicht gestorben sein soll. Befeuert wurden die Spekulationen dadurch, dass lange kein Totenschein vorgelegt wurde. Auch dass sich sein Ableben in Indien ereignet hat, führte zu Zweifeln, ob er dort nicht etwa einfach nur verschwinden wollte. Das Außenministerium bestätigte nur den Tod eines Kanadiers. Es wird auch gemutmaßt, eine andere Person sei im Besitz der Passwörter, nutze diese aber noch nicht, um sich gegenüber den Strafverfolgungsbehörden nicht verdächtig zu machen.

          Ganz auszuschließen ist so etwas jedenfalls nicht. Von Mt. Gox, einst die größte Handelsbörse für Digitalwährungen, hieß es zuerst, sie sei gehackt worden.Tatsächlich hatten sich wohl unbekannte Insider einfach an den Konten bedient. Mark Karpeles, Chef von Mt. Gox, beteuert zwar seine Unschuld, sitzt seitdem aber im Gefängnis.

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