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Paydirekt : Wie zahlen die Kunden künftig im Netz?

Wo geht es zur Kasse? Die Banken preisen ihren Kunden Paydirekt an – aber viele Händler akzeptieren es noch nicht. Bild: Zimmer

Beim Einkaufen im Internet soll das Bezahlen möglichst unkompliziert und sicher gehen. Doch die deutschen Banken kommen mit ihrem Angebot nicht wirklich voran.

          Im Erklärvideo der Commerzbank sieht alles ganz einfach aus. Da will die Comicfigur Frau Fuchs eine Espressomaschine im Internet bestellen. Und weil sie Online-Banking-Kundin der Commerzbank ist, kann sie dafür jetzt das neue Angebot Paydirekt nutzen. Nachdem sie sich dafür registriert hat, muss sie nur noch Nutzernamen und Passwort eingeben, und schon ist die Espressomaschine bezahlt und unterwegs zu ihr. Das Geld kommt direkt von ihrem Girokonto bei der Commerzbank. Und wenn das gute Stück doch nicht ankommen sollte, holt Paydirekt ihr Geld wieder zurück.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Neben der Commerzbank bieten inzwischen rund 1000 weitere Banken ihren Kunden das Bezahlverfahren Paydirekt an, darunter die Deutsche Bank, die Postbank, die Hypovereinsbank und so gut wie alle Volks- und Raiffeisenbanken. Die Registrierung geht schnell über das Online-Konto bei der Bank, der Kunde muss nur einmal eine Tan-Nummer eingeben. 150.000 Kunden haben das laut der Betreibergesellschaft Paydirekt GmbH schon gemacht.

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          Doch so schön wie in der Comicwelt von Frau Fuchs funktioniert das neue Bezahlsystem in der Realität noch lange nicht. Denn wer als Kunde seine Einkäufe per Paydirekt bezahlen möchte, muss schon sehr lange nach einem Online-Shop suchen, der die Zahlweise akzeptiert. Gerade einmal 19 Händler haben bislang Paydirekt in ihre Zahlungsarten aufgenommen. Die meisten von ihnen sind klein, zu den bekannteren Adressen zählen die Online-Shops der Süßwarenhersteller Haribo und Mars. Der Wille der Händler, ein weiteres System neben bereits etablierten Methoden wie Paypal, Sofortüberweisung oder Kreditkarte aufzunehmen, ist offenbar überschaubar. Der Marktriese Amazon hat sogar schon längst seine eigene Bezahlmethode eingerichtet.

          Bei dem Gemeinschaftsprojekt der deutschen Kreditwirtschaft, Paydirekt, hoffen die Macher darauf, dass ihre zig Millionen Kunden die einfache direkte Verbindung von ihrem Girokonto in die Online-Handelswelt nutzen wollen und dass diese Masse dann wiederum für die E-Händler interessant ist. Doch bislang verderben die vielen Köche den Brei noch. Das war schon bei der Entwicklung der Fall: Es hat Jahre gedauert, bis sich die Banken und Sparkassen auf eine gemeinsame Antwort auf den amerikanischen Platzhirschen Paypal geeinigt hatten, der ihnen im wachsenden Online-Handel ein Kerngeschäft abgeluchst hat. Vor allem die Sparkassen haben sich lange gesträubt und haben nun als Letzte noch immer nicht mit der Markteinführung begonnen.

          Kartellamt verbietet gemeinsame Konditionen für Paydirekt

          Jetzt, da es darum geht, den Bezahldienst an die Kunden zu bringen, führt wieder die Vielzahl von Banken, die dahintersteht, zu Problemen. Das Kartellamt verbietet nämlich, dass alle Banken den Händlern gemeinsame Konditionen für Paydirekt setzen. Und so muss jeder Online-Händler mit jeder Bank oder wahlweise mit den beteiligten Dachverbänden die Preise aushandeln. Das ist vielen zu mühsam. Selbst die große Metro-Gruppe, die von Anfang an ein Verfechter des deutschen Bezahlsystems war, hat sich noch nicht mit allen beteiligten Geldhäusern verständigt.

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