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Bezahldienst Paydirekt : Konkurrenz für Paypal

Holpriger Start: Paydirekt soll die deutsche Antwort auf den amerikanischen Internet-Zahldienst Paypal sein. Bild: Screenshot F.A.Z.

Paydirekt soll dem Platzhirsch Paypal bei Internetzahlungen Kunden abjagen. Doch der hat einen großen Vorsprung. Kann sich der neue Bezahldienst als Wettbewerber etablieren?

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          Krawattenträger sind in den Büros des Internet-Zahlungsdienstleisters Paydirekt nicht zu sehen. Der Kleidungsstil im elften Stock des Frankfurter Westendquartiers reicht von gepflegt leger bis bunt. Die Stimmung soll an einen typischen Start-up erinnern. Die jungen Unternehmen wälzen mit ihren Ideen für das Internetgeschäft ganze Branchen um. Derzeit sorgen die Fin-Techs, also die jungen Internet-Finanzdienstleister, für Furore und bereiten den Banken zunehmend Sorgenfalten.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Wir sind ein Start-up“, betont Paydirekt-Geschäftsführer Niklas Bartelt bei einem Pressegespräch am Dienstag. Doch das stimmt nicht ganz. Denn Paydirekt ist ein gemeinsames Projekt der deutschen Banken und Sparkassen und soll Paypal als Internet-Zahlverfahren Paroli bieten. Ein Start-up hat eine neue Geschäftsidee, Paydirekt soll dagegen nachholen, was deutsche Banken bislang verschlafen haben.

          Bartelt ist sich dessen natürlich bewusst und betrachtet Paydirekt zuallererst als Produktlieferant der Banken. Auf die Start-up-Kultur legt er aber trotzdem Wert, weil sie für Flexibilität und Kundennähe steht. Und er kann schon den ersten Erfolg aus dem Pilotprojekt zwischen der Hypo-Vereinsbank (HVB) und dem Möbelhändler D-Living melden. Einige Mitarbeiter der HVB können bislang bei D-Living Produkte über Paydirekt kaufen.

          Verkrustete Strukturen

          Am Montag um 10.46 Uhr erfolgte die erste erfolgreiche Bezahlung über Paydirekt. Es handelte sich um den Kauf einer Dartscheibe. Doch von einem Volltreffer kann bei Paydirekt nicht die Rede sein. Vielmehr steht das Projekt dafür, wie ineffizient die verkrusteten Strukturen in der deutschen Kreditwirtschaft mit ihren drei Säulen aus Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sowie Privatbanken sind.

          Im vergangenen Jahr gründeten die Volks- und Raiffeisenbanken zusammen mit den Privatbanken das Unternehmen, um endlich dem amerikanischen Platzhirsch Paypal etwas entgegenzusetzen. Doch der Wettbewerber hat inzwischen zehn Jahre Vorsprung und zählt 16 Millionen deutsche Kunden.

          Dass die Tochtergesellschaft der italienischen Unicredit an dem für die deutsche Kreditwirtschaft so wichtigen Projekt gewissermaßen Pionierarbeit leistet, liegt auch an der Ungeduld des HVB-Vorstandssprechers Theodor Weimer. Ihm dauern solche Prozesse in Deutschland zu lange. „Nachdem die anderen 45 Prozent Marktanteil haben, fangen wir an. Guten Morgen“ lautete im vergangenen Oktober seine Kritik mit Blick auf den Vorsprung von Paypal.

          Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft

          In diesem Jahr haben sich auch die Sparkassen durchgerungen, auf den nur langsam ins Rollen kommenden Paydirekt-Zug aufzuspringen. Sie hatten zusammen mit Volks- und Raiffeisenbanken sowie der Postbank auf das schon im Jahr 2006 gegründete Online-Bezahlverfahren Giropay gesetzt. Doch davon wollten die Großbanken Deutsche Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank nichts wissen. Ein Drittel deutscher Bankkunden kann also Giropay nicht nutzen, Bezahlen im Ausland ist damit nicht möglich.

          Ein ähnliches Schicksal kann Paydirekt auch drohen, aber derzeit herrscht noch Aufbruchstimmung – wenn auch sehr vorsichtige. Die beiden Paydirekt-Geschäftsführer Bartelt und Helmut Wißmann wollen sich auf einen Starttermin nicht festlegen. Sie sprechen nur vom Ende des Jahres.

          Dann soll Paydirekt mit einigen genossenschaftlichen und privaten Banken an den Start gehen. Bislang war als Starttermin der November vorgesehen, um rechtzeitig im Weihnachtsgeschäft im Netz präsent zu sein.

          50 Millionen potentielle Kunden

          Bartelt und Wißmann wollen aber von Verzögerungen nichts wissen. „Ein Big Bang ist technisch nicht möglich, wenn es handwerklich sauber sein soll“, sagt Wißmann und fügt hinzu, dass bei diesen Projekten irgendetwas immer schief läuft. Er spricht stattdessen lieber von einem „kontrollierten Nachobenfahren“. Das bedeutet, dass schrittweise weitere Banken und Händler dem Pilotprojekt zugeschaltet werden.

          Etwas vorsichtiger positionieren sich noch die Sparkassen. Sie wollen mit ausgewählten Instituten zunächst in eine Testphase eintreten, bevor alle 415 Institute an Paydirekt teilnehmen.

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          Ganz chancenlos ist das Online-Bezahlverfahren der deutschen Kreditwirtschaft nicht. Doch um Marktanteile zu erobern, muss auch der Handel dafür bereit sein. Paydirekt-Geschäftsführer Bartelt wirbt mit dem Umsatzpotential aus 50 Millionen Online-Girokonten, deren Inhaber sich für Paydirekt registrieren lassen können.

          Sparkassen hinken hinterher

          Es kommt aber auch darauf an, welche Gebühren die Banken mit den Händlern für die Paydirekt-Bezahlungen aushandeln. Denn das System ist nur dann sinnvoll, wenn ausreichend Händler daran teilnehmen. Deshalb ist zu erwarten, dass Paydirekt billiger sein wird als Paypal. Der amerikanische Konkurrent verlangt von den Händlern 1,9 Prozent zuzüglich 0,35 Euro je Transaktion.

          Bartelt ist zuversichtlich, dass sich Paydirekt als einfaches und bequemes Bezahlverfahren in Deutschland durchsetzen wird. Auch die teilnehmenden Banken haben ihre Systeme inzwischen umgestellt oder stehen kurz vor dem Abschluss. Einzig die Sparkassen benötigen hier noch etwas mehr Zeit.

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