https://www.faz.net/-gv6-a43hr

NEC übernimmt Avaloq : Japaner kaufen umstrittene Schweizer Softwarefirma

Ob sich NEC mit der Avaloq-Übernahme einen Gefallen tut, bleibt abzuwarten. Bild: AFP

Das japanische Elektronikunternehmen NEC expandiert ins Feld der Finanzsoftware. Sein Zukauf, das Schweizer Unternehmen Avaloq, ist in Deutschland bisher durch Fehltritte bekannt geworden.

          1 Min.

          Das japanische Elektronikunternehmen NEC stößt ins Feld der Finanzsoftware vor und übernimmt für 2,05 Milliarden Franken (1,9 Milliarden Euro) den schweizerischen Dienstleister Avaloq GmbH. Avaloq beliefert rund 150 Banken vor allem in der Schweiz und in Europa mit Software und Cloud-basierten Lösungen etwa für die Vermögensverwaltung. Zu den Kunden zählen die Deutsche Bank, Barclays und HSBC. Verkäufer sind die Beteiligungsgesellschaft Warburg Pincus, Avaloq-Gründer Francisco Fernández sowie Beschäftigte. Warburg Pincus hatte sich 2017 an Avaloq beteiligt und hielt zuletzt 45 Prozent. Das Geschäft soll im April kommenden Jahres abgeschlossen werden.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          NEC sucht mit der Expansion in die Finanzsoftware neue Wachstumsfelder. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahrzehnt unwirtschaftliche Abteilungen wie Halbleiter, Computer und Mobiltelefone verkauft. 2018 und 2019 erwarb NEC das britische Unternehmen Northgate und das dänische Unternehmen KMD, die Software für die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung anbieten. Avaloq soll hier Synergien bieten.

          NEC will sein Wissen über biometrische Sicherheitssysteme und künstliche Intelligenz mit den zugekauften Angeboten verbinden und für Avaloq Märkte wie Japan erschließen. Mit 2300 Mitarbeitern erwirtschaftete Avaloq 2019 einen Rekordumsatz von 609 Millionen Franken und buchte 29,8 Millionen Franken Verlust, unter anderem durch Investitionen in Datenzentren. Der Kaufpreis entspricht etwa dem Zwanzigfachen des bereinigten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern, Abschreibung und Amortisierung und spiegelt die Hoffnung von NEC auf ein zweistelliges Wachstum des bereinigten Ebitda wider.

          Am deutschen Markt tut Avaloq sich mit seinem Kernbankensystem schwer. Im Jahr 2016 brach die BHF-Bank die lange vorbereitete Einführung des Avaloq-Systems kurz vor der geplanten Einführung ab. Oddo habe aber nicht die Avaloq Banking Suite als Lösung in Frage gestellt, sondern „die Prioritäten für die BHF Bank anders gesetzt", hieß es seinerzeit von Avaloq, während Oddo keine Begründung nannte, obwohl man noch Wochen zuvor an Avaloq festhielt.

          Neues Vorzeigeprojekt ist nun die Apotheker- und Ärztebank (Apobank). Doch diese größte deutsche Genossenschaftsbank kämpft seit der Einführung des Avaloq-Systems zu Pfingsten 2020 mit hartnäckigen Funktionsstörungen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.