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Bezahlen per Smartphone : Die Zuneigung zum Bargeld ist größer

  • -Aktualisiert am

Das Smartphone als Geldbörse: Dafür lassen sich bisher nur wenige Menschen begeistern. Bild: dpa

Drei große Anbieter buhlen demnächst mit mobilen Bezahlverfahren um Kunden. Diese werden dennoch an der Kasse mehrheitlich nicht zum Smartphone greifen, schreibt Technologieberater Bernd-Josef Kohl in einem Gastbeitrag.

          Es kommt Bewegung in den bislang eher statischen deutschen Mobile-Payment-Markt. Mit Google Pay, der Sparkassen-App „Mobiles Bezahlen“ und Apple Pay werden Ende 2018 drei große Anbieter um die Kaufkraft der Konsumenten buhlen. Trotz der Offensive ist kaum zu erwarten, dass sich mobile Bezahllösungen in den nächsten zwei bis drei Jahren flächendeckend durchsetzen werden. Dafür ist die Zuneigung zum Bargeld einfach zu groß: Nach einer Untersuchung der Bundesbank nimmt bislang nicht einmal jeder Zehnte ein Smartphone zur Hand, wenn es an der Ladenkasse oder im Restaurant ans Bezahlen geht.

          Dabei sind die Voraussetzungen für die Verbreitung entsprechender Angebote günstig wie nie: Acht von zehn Smartphones, die in Deutschland verkauft werden, sind mit dem Google-Betriebssystem Android und NFC ausgestattet und somit bereit für die Nutzung der jüngst eingeführten smarten Lösungen von Google oder den Sparkassen. Der Marktanteil von Apples iOS liegt bei rund 20 Prozent. Dennoch hat es Apple immer wieder verstanden, neue Technologien zu etablieren. iPhone-Besitzer gelten nicht nur als technik-affin, sondern auch als überdurchschnittlich konsumfreudig. So sagen die Marktforscher von Juniper Research voraus, dass 2020 jeder zweite von rund 450 Millionen Mobile-Wallet-Nutzern weltweit mit einem iPhone bezahlen wird.

          Zum offiziellen Deutschland-Start von Apple Pay, der wohl spätestens im November erfolgen wird, ist auch die Deutsche Bank mit von der Partie. Weitere Unternehmen, die das neue Bezahlverfahren unterstützen wollen, sind die Münchner UniCredit-Tochter HypoVereinsbank, die Hanseatic Bank, die Fidor Bank, das Banken-Start-up N26 und die Wirecard-Tochtergesellschaft Boon, die Apple Pay deutschen Kunden bisher über ihre europäischen Dependancen zugänglich machte. Bei der amerikanischen Premiere vor vier Jahren verlangte Apple von den Banken für jede Transaktion eine Umsatzprovision von 0,15 Prozent. In Marktkreisen geht man davon aus, dass auch die Apple-Pay-Gebühren mittlerweile niedriger ausfallen, was den Durchbruch in den Verhandlungen mit deutschen Finanzhäusern erleichtert haben dürfte.

          Das Smartphone zur Geldbörse machen

          Google Pay wird seit Ende Juni von der Commerzbank, deren Online-Tochtergesellschaft comdirect und N26 vermarktet. Im August folgte die Landesbank Baden-Württemberg mit der BW-Bank. Wer den Bezahldienst mit dem Handy nutzen möchte, muss wie bei Apple im Besitz einer Mastercard oder Visa-Karte sein. Google verlangte von Anfang an keine Gebühren für den Payment-Service. Der Digitalkonzern interessiert sich wie bei den meisten Diensten vor allem für die Monetarisierung der Kundendaten und die Verknüpfung mit Google Pay. So können Benutzer schon heute bei der Nutzung von mytaxi mit dem Smartphone aus Google Maps heraus ein Taxi bestellen und dieses direkt bezahlen.

          Auch Sparkassen- und Volksbanken-Kunden können ihr Handy neuerdings zur Geldbörse machen, wenn sie die entsprechende Android-App aus dem Google Play Store laden und die Daten ihrer Giro- oder Kreditkarte in der Anwendung ablegen. Danach kann der Nutzer bei vielen teilnehmenden Shops auf die Eingabe der Zahlungs- und Adressdaten verzichten. Zudem ermöglicht die Einbindung von Instant Payment nun Geldüberweisungen nahezu in Echtzeit. Bis Ende 2018 soll der Service rund 45 Millionen Kunden zur Verfügung stehen. Die Sparkassen-Aktivitäten werden dazu beitragen, mobile Bezahlverfahren zu etablieren.

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