https://www.faz.net/-gv6-9ig3r

Deutsche Fintechs : Mehr als eine Milliarde Euro für Finanz-Start-ups

Anordnung des Bafin: Die Zahl der Mitarbeiter der Smartphone-Bank N26 muss wachsen. Bild: dpa

Eine Studie zeigt kräftiges Wachstum von Investionen in deutsche Fintechs. Die Marktschätzungen gehen aber weit auseinander.

           Es sind stattliche Summen, die einige deutsche Finanz-Start-ups im vergangenen Jahr unter Investoren einsammeln konnten. Allein die Berliner Smartphone-Bank N26 erhielt 130 Millionen Euro, um ihr weiteres Wachstum zu finanzieren und einen möglichen Sprung über den Atlantik in die Vereinigten Staaten zu wagen. Der Zins-Marktplatz Deposit Solutions, der zinshungrigen deutschen Sparern die Geldanlage im Ausland ermöglicht, erhielt 88 Millionen Euro. 56 Millionen Euro steckten Investoren in die Berliner Solarisbank, die eine Reihe von Bankdienstleistungen für Unternehmen anbietet, die selbst keine Banklizenz beantragen wollen.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Erstmals mehr als 1 Milliarde Euro konnten die Finanz-Start-ups aus Deutschland in diesem Jahr insgesamt einsammeln. Das hat die Unternehmensberatung Barkow Consulting nun ausgerechnet und meldet ein stolzes Wachstum von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor allem ein ausgesprochen starkes Schlussquartal habe zu dem Zuwachs geführt. Allein in den letzten drei Monaten des Jahres steckten Investoren demnach 353 Millionen Euro in die jungen Finanzunternehmen – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.

          Erst kürzlich hatte die Beratungsgesellschaft EY vermeldet, dass für das Jahr 2018 insgesamt 636 Millionen Euro in deutsche Fintechs investiert worden seien, was eine Steigerung von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeute (F.A.Z. vom 15. Dezember). Den Unterschied begründet Peter Barkow auf Anfrage mit dem „unterschiedlichen Fintech-Universum“, das die beiden Beratungsunternehmen zugrunde legten. So zähle er unter anderem das kräftig wachsende Segment der sogenannten Proptechs mit hinzu, die neue technische Lösungen rund um den Immobilienmarkt an den Markt brächten. Hier habe zum Beispiel das Ferienhaus-Portal Hometogo im vergangenen Jahr 75 Millionen Euro von Investoren erhalten.

          Starkes Interesse der Investoren

          Barkow kommt nach seiner Zählung auf 793 deutsche Fintechs, wovon allein etwa 170 Proptechs seien. In der EY-Studie von Mitte Dezember war von 303 deutschen Finanz-Start-ups die Rede gewesen. Einig sind sich die beiden Beratungsgesellschaften in dem Befund, dass es zwar inzwischen weniger neue Fintechs gebe, dass die bestehenden jungen Unternehmen über ihre Finanzierungsrunden aber mehr Geld einsammeln können. „Wir sehen ein starkes Interesse der Investoren an großen Finanzierungsrunden“, sagt Barkow. „Hier haben sich vor allem Wagniskapitalgeber, aber auch einige strategische Investoren beteiligt.“

          Ein Beispiel für so einen strategischen Investor ist die Investmentsparte des Versicherungskonzerns Allianz namens Allianz X, der bei der Finanzierungsrunde von N26 dabei war. Auch viele andere Versicherungskonzerne und Banken haben sich entsprechende Investmentvehikel aufgebaut, so etwa die Commerzbank ihren Main Inkubator. Ziel solcher konzerneigenen Beteiligungsgesellschaften ist es weniger, eine hohe Rendite aus den Investments zu erzielen, als vielmehr nah an den Innovationen dran zu sein und sie gegebenenfalls über Kooperationen für das eigene Geschäft nutzen zu können. „Wir haben noch keine richtig guten Exits aus Fintechs gesehen“, sagt Barkow. „Aber der Wissenstransfer, der zwischen den Start-ups und ihren strategischen Investoren stattfindet, ist groß.“

          Kapitalgeber aus dem angelsächsischen Raum

          Überrascht hat den Berater vor allem das starke Wachstum der Investitionen von 2017 auf 2018. In den vergangenen zwei Jahren hatten sich die Zuwachsraten allerdings abgeschwächt. Im Jahr 2015 hatte das Wachstum der Investitionen gegenüber dem Vorjahr seinen Zahlen zufolge noch bei 145 Prozent gelegen, im Jahr 2016 dann bei 38 Prozent und 2017 bei 16 Prozent.

          Vor allem bei größeren Transaktionen, die mehr als 50 Millionen Euro umfassen, seien in der Regel angelsächsische Investoren mit von der Partie, sagt Barkow. Unter den deutschen Wagniskapitalgebern gebe es bestenfalls eine Handvoll, die solche größeren Volumina abdecken könnten. Daraus stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Barkow verweist darauf, dass sich die Investitionsfreude der Wagniskapitalgeber aus dem angelsächsischen Raum meist stark nach der Lage an den Aktienmärkten richte.

          Vor allem aus ausländischen Märkten, aus ihrer Sicht also auch Deutschland, zögen sich solche Investoren gerne zurück, wenn sich die Lage an der Börse verschlechtert. Auch mit Blick auf die Neugründung von Finanz-Start-ups kommen Barkow und EY auf unterschiedliche Befunde. Die Berater von EY hatten für das erste Halbjahr 2018 gerade einmal sechs neu gegründete Fintechs in Deutschland gezählt. Barkow kam kürzlich in einer Untersuchung für die Direktbank Comdirect auf 42 Fintech-Gründungen bis zum September. Nach einer Abschwächung im Jahr 2017 habe die Gründungsdynamik wieder zugenommen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Annegret Kramp-Karrenbauer am Samstag beim feierlichen Gelöbnis neuer Rekruten zusammen mit Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr

          Annegret Kramp-Karrenbauer : Mehr Unterstützung für die Ministerin, bitte!

          Als Parteichefin hat Kramp-Karrenbauer schwere Wahlkämpfe vor sich. Gleichzeitig will sie ihr Ministerium und die Truppe besser kennenlernen. Eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Sie verdient dabei Unterstützung – gerade aus der Bundeswehr.
          Bereits ab 14.00 Uhr könnte die gefühlte Temperatur über 32 Grad liegen, dann herrscht Warnstufe 2. (Archivbild aufgenommen in Berlin)

          Deutscher Wetterdienst : Hitzewarnung für Deutschland

          Der Deutsche Wetterdienst rechnet ab Montag mit ersten Hitzewarnungen. Ab Mittwoch soll dann ganz Deutschland von einer Hitzewelle erfasst werden. Besonders Kinder, alte und kranke Menschen sind durch die hohen Temperaturen gefährdet.
          Emanuel Buchmann (vorne) und Thibaut Pinot (Zweiter von vorne) bei der Tour de France

          Tour de France : Buchmanns Glanzstück am Tourmalet

          Bei der Fahrt auf den berüchtigten Tourmalet ist Thibaut Pinot am Schnellsten. Zweiter wird ebenfalls ein Franzose, der das Gelbe Trikot behält. Emanuel Buchmann landet nach einer starken Leistung auf Platz vier.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.