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Fingerabdrücke und mehr : Mastercard schickt die Unterschrift in Rente

Die klassische Karte mit Unterschrift soll bald ausgedient haben. Bild: Reuters

Schon bald sollen neue Technologien wie Fingerabdruckscanner Kreditkarten von Mastercard sicherer machen. Wann genau das in Deutschland der Fall sein wird, ist aber noch offen.

          „Alles Gute zum Ruhestand“ – mit einem fröhlichen Video kündigt der amerikanische Kreditkartenanbieter Mastercard an, dass die Unterschrift in Rente geht. Die Unterschrift könne nun Golf spielen gehen, sich im Scrabble messen oder auf Reisen gehen, albern die Amerikaner in dem Video. Doch das Ganze hat auch einen ernsten Hintergrund: Die Unterschrift zur Authentifizierung einer Zahlung an der Kasse gilt als unsicher. Zwar gilt sie als sehr schwer zu fälschen. Doch in Zeiten, in denen an der Supermarktkasse nicht mehr Zeit ist, jede Feinheit der Unterschrift zu überprüfen, ist die eigene Handschrift kein wirkliches Sicherheitsmerkmal mehr. Genau deswegen möchte Mastercard die Unterschrift in Rente schicken.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In einem ersten Schritt müssen ab April 2019 die Herausgeber von Mastercard-Kreditkarten nicht mehr das Signaturfeld auf der Rückseite anbringen – sie können es aber noch. Der Nutzen war schon heute umstritten: In den Vereinigten Staaten sagten 40 Prozent der Konsumenten in einer Umfrage, dass sie die Rückseite ihrer Kreditkarte nicht unterschrieben haben. Und ein Drittel der Unterschriften-Verweigerer sieht auch nicht ein, warum sie es machen sollten.

          Mastercard kündigt an, statt der Unterschriften modernere Technik einzusetzen. Dazu gehört der hierzulande schon weit verbreitete goldene EMV-Chip, aber auch kontaktlose Zahlungen. Im Hintergrund arbeiten heute schon fortschrittliche Anti-Betrugssysteme, welche erkennen sollen, wenn eine Karte missbräuchlich benutzt wird. Solche Systeme basieren schon heute auf Künstlicher Intelligenz und sollen auch dazulernen.

          Neben diesen weit verbreiteten Technologien hält aber bald auch der Fingerabdruckscanner Einzug auf den Kreditkarten. Es ist eigentlich verwunderlich, warum es so lange gedauert hat, bis der Fingerabdruck an die Ladentheke gelangte. Schon heute nutzen ihn Millionen Menschen zum Entsperren des eigenen Smartphones oder zum Öffnen des Safes oder gar der Haustür. Mastercard hat damit schon länger experimentiert: Feldversuche gab es im Jahr 2014 in Norwegen und Großbritannien, später wurde ein groß angelegter Test in Südafrika gestartet.

          Konkret soll der Bezahlvorgang folgendermaßen laufen: Zuerst muss sich der Karteninhaber bei seiner Bank oder dem ausgebenden Kreditkarteninstitut mit seinem Fingerabdruck registrieren. Dieser wird dann in digitaler Form verschlüsselt auf der Karte gespeichert. Beim normalen Bezahlen funktioniert die Karte dann wie jede andere Karte auch: Man hält die Karte auf das Terminal oder führt sie in das Lesegerät ein und bestätigt mit dem Fingerabdruck seine Identität. Erstaunlicherweise ist die Karte nicht größer oder dicker als eine herkömmliche Kredit- oder Girokarte, der Scanner ist auf dem wenigen Platz integriert. Die Karte muss dazu auch nicht aus der Hand gegeben werden, auch neue Terminals werden nicht nötig.

          Doch auch ein Fingerabdruck kann kopiert und imitiert werden, auch hier gibt es keine absolute Sicherheit – wie bei allen Bezahlarten – selbst Bargeld kann schließlich gestohlen werden. Daher testen viele Bezahlunternehmen auch andere, ausgefallene Möglichkeiten. Manche Banken experimentieren mit Gesichtsscannern, die britische Bank Barclays gar mit dem Blutdruck, der angeblich bei allen Menschen anders sein soll. Die Iris-Identifizierung ist dagegen fast schon ein alter Hut.

          Wann genau es in Deutschland mit dem Fingerabdruck losgehen soll, ist noch nicht im Detail bekannt – mal wurde das Jahr 2018 genannt, später korrigierte man sich auf 2019. Zuletzt hieß es, man könne im April 2019 noch nicht allen Banken diese Lösung anbieten. Auch sonst werden einige der Geldinstitute den Aufwand dafür scheuen und lieber die althergebrachten Technik einsetzen.

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