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Geplante Digitalwährung : Wie Facebook für Libra werben will

Mit der Ankündigung einer digitalen Währung hat Facebook die Finanzszene in Aufruhr versetzt. Bild: Reuters

Facebook plant mit Libra eine Digitalwährung, die das Bezahlen revolutionieren soll. Die Kritik daran ist groß – besonders in Washington. Nun will der Konzern seinen Skeptikern entgegenkommen. Und zugleich eine Warnung aussprechen.

          Vor knapp einem Monat hat Facebook seine Pläne für eine neue digitale Währung mit dem Namen „Libra“ publik gemacht. Mit wohl keinem anderen Vorhaben in seiner 15 Jahre währenden Geschichte dürfte das soziale Netzwerk jemals für ähnliche Aufregung gesorgt haben. In den vergangenen Wochen haben sich Politiker und Regulierer in Amerika und auch in Europa zu Wort gemeldet und dabei zum Teil sehr kritische Töne zu dem Projekt angeschlagen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Auf Facebooks amerikanischem Heimatmarkt kamen Einwände von sehr prominenten Stellen. Präsident Donald Trump verkündete per Twitter, er sei allgemein „kein Fan“ von Kryptowährungen, und Libra werde wenig Verlässlichkeit bieten. In den Vereinigten Staaten gebe es „nur eine echte Währung“, und das sei der Dollar.

          Jerome Powell, der Vorsitzende der Notenbank Federal Reserve, meldete in der vergangenen Woche bei einer Anhörung vor dem Kongress „ernsthafte Bedenken“ an, zum Beispiel mit Blick auf Datenschutz, Geldwäsche oder die Stabilität der Finanzmärkte. Ohne eine gründliche Prüfung dieser Dinge dürfe das Projekt nicht umgesetzt werden. Und Finanzminister Steven Mnuchin sagte erst am Montag, Libra bereite ihm Unbehagen – Facebook habe viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

          Widerstand aus dem Abgeordnetenhaus

          In dieser Woche wird der Konzern versuchen, solche Bedenken in einem sehr öffentlichkeitswirksamen Rahmen vor Ort in Washington aus dem Weg zu räumen: Am heutigen Dienstag ist vor dem Bankenausschuss des amerikanischen Senats eine Anhörung zu Libra angesetzt, bei der David Marcus auftreten soll, der das Projekt im Unternehmen verantwortet.

          Am Mittwoch steht in einem Gremium des Abgeordnetenhauses, der zweiten Kammer des Kongresses, eine weitere Anhörung zu dem Thema auf dem Programm. Von dort kam bislang besonders lautstarker Widerstand. Maxine Waters von der Demokratischen Partei, die den Ausschuss führt, hat von Facebook gefordert, die Umsetzung seiner Libra-Pläne auf Eis zu legen, bis sich der Kongress und Regulierer ausführlich damit auseinandergesetzt haben.

          Schon am Montag wurde das Manuskript für die Rede verbreitet, die Facebook-Manager Marcus zu Beginn der Anhörung am Dienstag halten will. Demnach will er zwar einerseits für Libra werben, andererseits aber auch viel Entgegenkommen signalisieren. Ein zentraler Punkt, den er besonders hervorheben will, ist sein Versprechen, das Projekt nur dann zu realisieren, wenn es gelingt, regulatorische Einwände zu beseitigen und die relevanten Genehmigungen zu bekommen.

          Nach seinen Worten stellt er sich darauf ein, dass Libra von Regulierern so genau unter die Lupe genommen wird wie noch kein anderes Vorhaben auf dem als „Fintech“ bezeichneten Gebiet innovativer Finanzprodukte. Facebook stimme mit Fed-Chef Powell überein, dass eine gründliche Prüfung des Libra-Projekts notwendig sei. Und die für die geplante neue Währung zuständige Libra Association habe nicht die Absicht, mit offiziellen Währungen zu konkurrieren oder sich in Geldpolitik einzumischen.

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