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Geplante Digitalwährung : Wie Facebook für Libra werben will

Nach Darstellung von Marcus geht Facebook an das Projekt „mit Bescheidenheit“ heran. Aber dem Redetext zufolge will der Facebook-Manager auch in starken Worten vor Versuchen warnen, Libra zu stoppen: „Ich glaube, wenn Amerika bei Innovationen auf dem Gebiet digitaler Währungen und Bezahlsysteme nicht führend ist, werden es andere sein. Wenn wir nicht handeln, könnten wir bald eine Digitalwährung sehen, die von Anderen mit dramatisch verschiedenen Werten kontrolliert wird.“ Ähnliche Drohkulissen bemüht Facebook derzeit mit Blick auf Forderungen aus der amerikanischen Politik nach einer Zerschlagung des Unternehmens. Der Konzern lenkt den Blick nach China und argumentiert, dort gebe es bestimmt keine Bemühungen, einheimische Technologiekonzerne aufzubrechen.

Sitz der Libra Association in der Schweiz geplant

Facebook hat schon im Konzept von Libra versucht, etwaigen Skeptikern entgegenzukommen. Beispielsweise mit dem Versprechen, die mit der Währung verbundenen Finanzdaten separat von anderen Nutzerinformationen zu halten und nicht für die Auswertung zu Werbezwecken zu verwenden. Außerdem soll die Kontrolle über Libra nicht direkt bei Facebook liegen, sondern bei der nicht gewinnorientierten Libra Association, die ihren Sitz in der Schweiz haben und bei der das soziale Netzwerk nur eines von vielen Mitgliedern sein soll: Neben Facebook gehören zu der Organisation unter anderem Zahlungsdienstleister wie Mastercard und Paypal, Unternehmen aus anderen Branchen wie der Fahrdienst Uber und die Musikplattform Spotify sowie Finanzinvestoren.

Bis zum Start von Libra, den sich Facebook für das erste Halbjahr 2020 vornimmt, soll es 100 Mitglieder geben. Nach Angaben im Redetext von Facebook-Manager Marcus soll die Libra Association wegen ihres Sitzes in der Schweiz unter der Aufsicht der dortigen Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA stehen. Allerdings strebe sie auch eine Registrierung als Finanzdienstleister bei der zum amerikanischen Finanzministerium gehörenden Behörde Fincen an, die für die Bekämpfung von Finanzdelikten zuständig ist.

Das soziale Netzwerk selbst will von der geplanten Digitalwährung mit seiner neuen Sparte Calibra profitieren, die Finanzdienstleistungen anbieten soll. Das erste Produkt soll eine digitale Geldbörse sein, die in Facebooks Kurznachrichtendienste Whatsapp und Messenger integriert und auch als separate Smartphone-App verfügbar sein soll. Deren Nutzer sollen sich zum Beispiel kostenlos oder gegen geringe Gebühren untereinander Geld schicken oder mit Libra für Dinge bezahlen können.

Nach den Worten von Marcus rechnet das soziale Netzwerk nicht damit, mit Calibra sofort Geld zu verdienen, jedenfalls nicht direkt. Aber es erhoffe sich „unmittelbaren Nutzen“ davon, dass viele der 90 Millionen Unternehmen, die auf seinen Plattformen vertreten seien, einen neuen Weg hätten, Transaktionen mit Nutzern abzuwickeln. Dies werde hoffentlich dafür sorgen, dass Facebook von seinen Mitgliedern und auch von Unternehmen stärker genutzt werde – und dies werde „wahrscheinlich“ für höhere Werbeumsätze sorgen.

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