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Spaßwährung Dogecoin : Der Milliarden-Dollar-Spaß

Bitcoin-Parodie

Erfunden wurde Dogecoin 2013 von den Software-Entwicklern Billy Markus und Jackson Palmer lediglich als Parodie auf die damals in der Tech-Szene bekannte Kryptowährung Bitcoin. Einen Spaß machten sich die beiden damaligen Mitarbeiter von IBM und Adobe auch aus dem Münzzeichen – einem Hundegesicht der japanischen Rasse Shiba Inu. Anders als Bitcoin, dessen Gesamtzahl durch den Algorithmus auf 21 Millionen begrenzt ist, kann Dogecoin in unendlicher Menge digital produziert werden. Das heißt, die Währung verliert tendenziell an Wert. Ach ja: Nutzlos ist sie auch.

Als Elon Musk die Schnapsidee der beiden Software-Entwickler vor Monaten mit neuem Leben füllte und ein Dogecoin-Bildchen nach dem anderen twitterte, sprang ein Teil seiner 55 Millionen Follower darauf an. Wer frisches Geld übrig hat, zum Beispiel Amerikaner dank ihrer Corona-Hilfsschecks, der kauft seither Kryptowährungen und hofft, dass es ihm viele gleichtun. Reich wird am Ende, wer sich zum richtigen Zeitpunkt von seinen Beständen trennt und sie zu Geld macht. Die anderen sind dann die Dummen.

Für das, was sich um Dogecoin abspielt, gibt es in der Finanzanalyse eine Erklärung namens „Greater fool theory“. Im Kern geht es bei dieser „Theorie des größeren Trottels“ darum, dass der Preis eines Produkts ausschließlich dadurch bestimmt wird, dass es später einmal zu einem höheren Preis verkauft werden kann. Die Anleger, die sich seit Wochen mit Dogecoin eingedeckt haben und dafür trommeln, spekulieren nun darauf, dass sich Trottel finden, die für das nutzlose Ding einen noch höheren Preis bezahlen. Wie aus der Kryptoszene verlautet, besitzt eine Gruppe von gerade mal zwanzig Adressen mehr als die Hälfte aller Dogecoin. Wenn einer dieser sogenannten „Wale“ die Lust verliert, droht erst recht der Crash.

„Das ist für mich eine Art Tulpenmanie, die in sich zusammenfallen wird“, sagt Hartmut Giesen. Der Krypto-Experte der Sutor Bank spielt damit auf die erste Finanzblase der Geschichte an, die 1637 platzte. Damals wetteten viele Niederländer auf die Wertentwicklung von Tulpen, liehen sich sogar Geld, um Blumenzwiebeln zu kaufen oder sich das Recht daran zu sichern. Nach dem Crash standen die meisten mit leeren Händen da.

Trotz aller Risiken scheuen sich Unternehmen nicht, um die Dogecoin-Besitzer zu buhlen. Für manche wie den Nahrungsmittelkonzern Mars ist es reines Marketing, andere akzeptieren die Spaßwährung sogar als Zahlungsmittel. Bei Wework können Kunden ihre Büromiete in Dogecoin begleichen, Anhänger der Profibasketballteams Houston Rockets und Dallas Mavericks können Tickets oder Fanartikel damit bezahlen. Auch Online-Shops akzeptieren die Spaßwährung, die damit in der Realwirtschaft ankommt. Auf der Plattform Change.org setzen sich rund 150 000 Menschen dafür ein, dass der Online-Händler Amazon Dogecoin-Zahlungen ermöglicht. Ob Firmen gut beraten sind, den Hype mitzumachen? „Dogecoin schwankt sehr im Wert und hat keinen realen Nutzen, der Preisanstieg ist darum mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht nachhaltig“, sagt Postera-Geschäftsführer Schmidt. Sobald die Blase platzt, ist Schluss mit lustig.

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