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Kontaktloses Bezahlen : Bankkunden haften nicht bei Kartenverlust

  • Aktualisiert am

Schnell gebraucht, schnell missbraucht: Kontaktloses Zahlen Bild: dpa

Wer seine Karte für das kontaktlose Bezahlen verliert, hat ein Problem. Doch haftet er nicht für Missbrauch. Vor allem nicht, wenn die Bank Unwahrheiten behauptet.

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          Verliert man seine Bankkarte ist der Ärger groß. Noch größer, wenn dann Geld vom Konto verschwindet. Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs könnte den möglichen Zorn etwas mildern. Denn Bankkunden tragen nicht das Risiko für Zahlungen, die vorgenommen werden, nachdem sie das Abhandenkommen einer Karte bei der Bank gemeldet haben, entschieden die Luxemburger Richter am Mittwoch (Rechtssache C 287/19).

          Die Bank könne nicht einfach behaupten, es sei technisch unmöglich sei, die sogenannte Nahfeldkommunikationsfunktion (NFC) für das kontaktlose Zahlen zu sperren. Das ist insofern eine Gefahr bei Kartenverlust, als Banken für das kontaktlose Bezahlen mit NFC-Karten oder einem Smartphone bei Beträgen bis zu 25 Euro, teilweise bis 50 Euro, keine Eingabe eines PIN-Codes mehr verlangen.

          Im zugrundeliegenden Fall hatte der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen der türkischen Deniz-Bank geklagt. Darin schließt die Bank eine Haftung für nicht-autorisierte Zahlungen mit kontaktlosem Bezahlen aus. Zudem schiebt sie dem Kontoinhaber bei Verlust der Karte das Risiko eines Missbrauchs zu, eben mit der Begründung, eine Sperrung der NFC-Funktion bei Verlust der Karte sei nicht möglich. Im Prozess vor dem Obersten Gerichtshof Österreichs bestritt die Deniz-Bank „das Vorbringen des VKI, dass eine solche Sperrung technisch möglich sei“, dem EuGH zufolge allerdings nicht.

          Die Luxemburger Richter stellten nun klar, dass es sich beim kontaktlosen Zahlen zwar um ein anonymisiertes Zahlungsinstrument im Sinne der entsprechenden EU-Richtlinie handele und dies der Bank Haftungserleichterungen ermögliche. Aber die Bank könne nicht einfach behaupten, das Sperren der Karte sei technisch unmöglich, obwohl dies nachweislich falsch sei. Der Kunde müsse den Verlust oder die missbräuchliche Verwendung der Karte unverzüglich und kostenlos melden können. Nach dieser Meldung dürften keine finanziellen Folgen für den Kunden entstehen - es sei denn, er habe in betrügerischer Absicht gehandelt.

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