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Fintechs : Klarna sitzt Paypal im Nacken

Der schwedische Konzern ist im Aufwind und macht Paypal Konkurrenz. Bild: Reuters

Der Bezahldienst steigt zum zweitgrößten Rivalen des Paypal-Konzerns auf. Das schwedische Unternehmen ist auf dem Vormarsch – eine Finanzierungsrunde sorgt dafür.

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          Der schwedische Bezahldienstleister Klarna hat den Beteiligungskonzern Softbank aus Japan als neuen Großinvestor gewonnen und steigt damit zu einem der am höchsten bewerteten Finanztechnologieanbieter (Fintechs) der Welt auf. Wie die beiden Unternehmen am Donnerstag bekannt gaben, beteiligt sich Softbank mit einigen anderen Investoren in einer Finanzierungsrunde mit 639 Millionen Dollar an dem Fintech aus Stockholm.

          Sebastian Balzter
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Damit ist Klarna nun auf dem Papier rund 46 Milliarden Dollar wert. Unter den Fintechs aus dem Westen kommt nach Angaben von Branchendiensten zurzeit nur der amerikanische Anbieter Stripe auf eine noch höhere Bewertung von rund 95 Milliarden Dollar. „Ich bin sehr stolz darauf, dass unsere Investoren Klarnas Ambitionen unterstützen“, sagte Sebastian Siemiatkowski, der Klarna 2005 zusammen mit zwei Kompagnons gegründet hat.

          Siemiatkowski ist ein Sohn polnischer Einwanderer; er steht bis heute als Geschäftsführer an der Spitze des nun so hoch bewerteten Fintechs Klarna. Am Anfang gab es die Idee, automatisiert die Kreditwürdigkeit von Onlineeinkäufern zu errechnen und Internethändlern gegen eine Gebühr das Ausfallrisiko bei Einkäufen auf Rechnung abzunehmen. Daraus hat sich ein Unternehmen entwickelt, dessen unterschiedliche Dienstleistungen rund ums Ein- und Verkaufen nach eigenen Angaben inzwischen rund 90 Millionen Verbraucher und 250. ­000 Händler nutzen, darunter große Konzerne wie die Deutsche Bahn, die Modefirma Zara und die Elektronikkette Saturn-MediaMarkt. So ist Klarna zu einem ernsthaften Rivalen von Paypal geworden, dem Platzhirsch unter den Onlinebezahldiensten.

          Die nächste Generation

          „Das Wachstum von Klarna basiert auf einem tiefen Verständnis dafür, wie sich das Kaufverhalten von Verbrauchern verändert – eine Entwicklung, die sich noch verstärken wird“, sagte Softbank-Manager Yanni Pipilis am Donnerstag zu der neuen Finanzierungsrunde. Man werde Klarna dabei unterstützen, die nächste Generation von Finanzdienstleistungen auf den Markt zu bringen.

          Wichtigste Einnahmequelle des Unternehmens sind bislang die Gebühren der Händler. Bei den Privatkunden punkten die Schweden mit Übersichtlichkeit und einfacher Bedienung ihrer Angebote, die das Bezahlen mit wenigen Klicks am Computer oder Wischbewegungen auf dem Smartphone-Bildschirm möglich machen. Auf der anderen Seite stehen die Beschwerden einzelner Kunden über zu hohe Mahngebühren und die schlechte Erreichbarkeit der Firma. In Schweden untersucht die dafür zuständige Behörde derzeit, wie vertrauenswürdig Klarna mit den Daten seiner Kunden umgeht. Im Außenauftritt gibt sich der Konzern betont unkonventionell: Die Markenfarbe ist Rosa, einer der Werbepartner ist der amerikanische Rapper Snoop Dogg, der Drogendelikte, illegalen Waffenbesitz und Randale auf dem Kerbholz hat.

          In Deutschland ist Klarna (der Firmenname bedeutet auf Schwedisch so viel wie „klar werden, klar machen“) vor einigen Jahren durch die Übernahme des bayerischen Bezahldienstleisters Sofort samt dem eingängigen Markennamen Sofortüberweisung schlagartig zu einem der größten Anbieter für die Abwicklung von Onlineeinkäufen geworden. Seit 2017 verfügt Klarna über eine schwedische Banklizenz, die in der gesamten Europäischen Union gültig ist. Als Internetbank bietet die Firma heute auch Festgeld- und Girokonten, eine Kreditkarte und eine eigene App, die viele Händler im Ladengeschäft zur Bezahlung akzeptieren.

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