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Konflikt mit Amerika : Chinesen handeln verstärkt mit Kryptowährungen

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Die Digitalwährung Bitcoin machte in diesem Jahr mit immer neuen Höchstständen und starken Kursschwankungen Schlagzeilen. Bild: Reuters

Auch wenn der Handel mit Kryptowährungen in China illegal ist, scheint sich die Nachfrage aus dem Land deutlich erhöht zu haben. Der Konflikt mit den Vereinigten Staaten dürfte dazu beitragen.

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          In China wächst die Nachfrage nach Kryptowährungen rasant. Der Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten und die Abwertung der Landeswährung Yuan treiben immer mehr Investoren aus dem Reich der Mitte in digitale Zahlungsmittel, sagen Marktteilnehmer wie Andy Cheung, Leiter der bei Chinesen beliebten Handelsplattform OKEx. Genaue Zahlen über Volumina im Kryptohandel sind zwar äußerst schwer zu bekommen, doch von Chinesen genutzte Krypto-Handelsplätze verzeichnen Börsenbetreibern und Brokern zufolge deutliche Zuwächse.

          China befindet sich durch den Showdown mit Donald Trump in schwerem Fahrwasser. Die Industrieproduktion wuchs zuletzt so langsam wie seit 17 Jahren nicht mehr, gleichzeitig hat der Yuan Anfang Mai und Anfang August deutlich abgewertet. Zum ersten Mal seit Mai 2008 werden für den Dollar mehr als sieben Yuan bezahlt, weswegen aus Washington schnell der Vorwurf der Währungsmanipulation laut wurde.

          Im gleichen Zeitraum stieg die Nachfrage nach Bitcoin deutlich, so dass einige Experten vermuten, dass chinesische Anleger Yuan gegen Digitalwährungen eintauschen. Mati Greenspan, Analyst bei der Börse eToro, stellt einen sprunghaften Anstieg des Handelsvolumens von Kryptowährungen auf der Handelsplattform von eToro fest, sowohl weltweit als auch in China und Hongkong.

          Allerdings lassen sich Ursachen und Motive nicht so eindeutig bestimmen. Ob nun Kryptowährungen gegen Yuan aus spekulativen Gründen gekauft werden oder aus Gründen der Wertsicherung, ist nicht klar. So stiegen die Preise für Bitcoin auch, als der Yuan im Juni aufwertete.

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          Die Kryptobörse eToro-X startete zudem erst im April diesen Jahres. Es könnte also auch damit zu tun haben, dass mehr eToro-Kunden auch die Kryptobörse und -währungen aufgrund des Kursanstiegs für sich entdeckt haben.Zumal Greenspan trotz sich verdichtender Hinweise nicht belegen kann, dass die Käufe wirklich von chinesischen Anlegern stammen. Digitale Brieftaschen können mit der Blockchain-Technologie zwar verfolgt werden, der geografische Standort von Sendern und Empfängern bleibt aber ein blinder Fleck.

          In China kommt hinzu, dass Kryptoplattformen 2017 von der chinesischen Regierung verboten wurden, weswegen es so gut wie keine Daten darüber gibt. Überhaupt gibt es strenge Kapitalkontrollen, so dass Chinesen nur noch wenige Optionen haben, Geld ins Ausland zu schaffen.

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          Auch das macht Kryptowährungen attraktiv. Das Börsenverbot für Cyberdevisen hat die chinesischen Marktteilnehmer jedenfalls nicht von ihnen ferngehalten, sondern den Handel verlagert. Der größte Teil des chinesischen Kryptohandels habe sich auf alternative Handelsplätze sowie auf Chatgruppen des Messengerdienstes WeChat verlagert, sagen Marktteilnehmer. „Wir wissen nur, dass es eine Menge Aktivität gibt, und aus regulatorischen Gründen läuft das ein bisschen unter dem Radar“, sagt Garrick Hileman, Leiter der Forschung bei Blockchain.

          Nach Aussage von Jehan Chu, verantwortlicher Manager des in Hongkong ansässigen Kryptofonds Kenetic, hat sich das Handelsvolumen aus China in den vergangenen drei Monaten mehr als verdoppelt. Aus Anlegersicht spannend sei auch die Möglichkeit, mit dem Arbitrage-Handel zwischen Yuan,  Hongkong-Dollar und der Kryptowährung Tether Geld zu verdienen. Tether ist ein sogenannter Stablecoin, dessen Kurs an einen andere Währung oder Gold gebunden ist, im Fall von Tether an den Dollar. „Viele Menschen, die Kapital innerhalb und außerhalb der Grenzen bewegen wollen, versuchen es mittels Tether“, sagt Anthony Wong von der in Hongkong ansässigen Krypto-Investmentfirma Orichal Partners. Bis Juni diesen Jahres tätigten chinesische Börsenhändler mit Tether bereits Transaktionen in Höhe von zehn Milliarden Dollar im Vergleich zu 18 Milliarden Dollar im gesamten Vorjahr, wie aus Daten der Analysefirma Diar hervorgeht.

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