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Kollaboration mit Konkurrenz : Banken zähmen die Fintechs

Fintech „Le Village“ des französischen Kreditinstituts Credit Agricole Bild: Reuters

Fintechs wollten klassische Banken ablösen. Doch die Technologieunternehmen der Finanzbranche machen bislang kaum Umsatz und arbeiten deswegen lieber mit den Kreditinstituten zusammen.

          2 Min.

          Die kühnen Träume der jungen Unternehmen aus der Finanztechnologie dürften vorbei sein. Unter den Fintechs, denen man vor Jahren noch vorausgesagt hat, die Banken abzulösen, macht sich Ernüchterung breit. Ein Beispiel ist der Münchner Anbieter Outbank, der mit seiner App zur Verwaltung der eigenen Bankkonten zwar 100.000 Nutzer gewinnen konnte, doch kaum Umsätze erzielt. Ein ähnliches Beispiel aus der Schweiz ist Centralway Numbrs. Das Fintech hat unter anderem eine App entwickelt, mit der man seine Bankkonten auf dem Smartphone verwalten kann. Auch hier haben sich die Einnahmen nicht so entwickelt wie erhofft. Deshalb fallen in Zürich 40 Stellen und damit fast ein Drittel des Personals weg.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Outbank hat einen Strategiewechsel eingeleitet, der typisch ist für die Fintech-Szene: die Zusammenarbeit mit den Banken. Die in den vergangenen Jahren so häufig beschworene Aufbruchstimmung mit dem Schlagwort der Disruption, also der Zerschlagung eines Marktes oder Geschäftsmodells durch eine technische Innovation, hat sich deutlich abgekühlt.

          Das zeigt auch eine Studie der Unternehmensberatung Sopra Steria zusammen mit dem F.A.Z.-Institut. Demnach hat inzwischen mehr als jede vierte Bank in Deutschland selbst ein Fintech gegründet. Das kann der Studie zufolge eine selbständige Digitaleinheit unter dem Konzerndach sein oder eine vollständig losgelöste Marke. Derzeit arbeiteten schon 61 Prozent der deutschen Banken mit einem Fintech zusammen. Für die Berater von Sopra Steria steht damit fest, dass die Banken eindeutig die Nähe zu den digitalen Innovatoren suchen. Dabei geht es auch darum, digitale Leistungen wie den Zahlungsverkehr durch mobile Verfahren zu verbessern sowie in der automatisierten Anlageberatung (Robo Advisory) voranzutreiben. „Die Großbanken ergänzen Leistungen eher selektiv, beispielsweise beim Scannen von Überweisungen per Smartphone. Zudem entwickeln diese Institute mehr selbst“, berichtet Stefan Lamprecht, der die Bankberatung bei Sopra Steria verantwortet.

          Automatisierung der Kundenbetreuung durch Chatbots geplant

          Er verweist auf das Beispiel der Deutschen Bank, die eine Digitalfabrik gegründet hat. Die sitzt im Frankfurter Stadtteil Sossenheim. Dort sollen 400 Mitarbeiter neue digitale Produkte entwickeln, am Internetauftritt und an der Handy-App arbeiten sowie erforschen, wie zum Beispiel mit dem Supercomputer Watson von IBM die Firmenkundenberatung verbessert werden könnte.

          Deutsche Banken sind auch daran interessiert, den Dialog mit Kunden über Chatbots zu automatisieren. Dabei handelt es sich um Dialogsysteme, die über die Sprache gesteuert und durch künstliche Intelligenz kontinuierlich verbessert werden. Ein Beispiel ist das Sprachsystem Siri auf den iPhones von Apple. Bei der schwedischen Großbank SEB können sich die Kunden über einen Chatbot zu Anmeldeproblemen, Kreditkartensperren oder zum Antrag eines Hypothekenkredits beraten lassen.

          Die nach der Finanzkrise steigenden regulatorischen Auflagen sind ein weiterer Grund, warum die Fintechs nicht so einfach in das Bankgeschäft vordringen können. Sie haben als junge Unternehmen zu wenig Eigenkapital, um das Kredit- und Einlagengeschäft betreiben zu können. Schon im November 2016 kam eine Studie der Beratungsgesellschaft Roland Berger zu dem Ergebnis, dass 86 Prozent der Fintechs mit Banken und Versicherungen zusammenarbeiten wollen.

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