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Digitale Währungen : Die Idee hinter Libra ist wichtig für Deutschland

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Diese Gefahr besteht besonders dann, wenn Händler in diesen Ländern Libra unmittelbar als Zahlungsmittel akzeptieren. Mit der von Facebook kreierten App Calibra, die Transaktionen nutzerfreundlich anbieten soll, kann diese Befürchtung schnell Realität werden.

Entscheidend ist die Nutzerfreundlichkeit

Kann damit Libra auch in Deutschland unter der Voraussetzung, dass es von Politik und Regulatoren genehmigt wird, zu einer von der breiten Masse genutzten Zweitwährung werden? Dafür spricht, dass Libra mit Facebook und Whatsapp über eine weite Verbreitung und eine sehr große Benutzergruppe verfügt. Sobald Libra-Transaktionen beispielsweise in Whatsapp möglich sind und von Händlern akzeptiert werden, kann dies die Verbreitung von Libra auch in Nutzergruppen beschleunigen, für die Kryptowährungen aktuell nicht bedeutsam sind oder gänzlich außer Frage stehen.

Entscheidend ist hier jedoch nicht die Transaktionsgebühr, sondern die Benutzerfreundlichkeit. Denn schon jetzt spielen Transaktionsgebühren beim bargeldlosen Bezahlen in Deutschland für den Benutzer keine Rolle, da sie vom Händler übernommen werden. Entscheidend für den Einsatz ist die Einfachheit und Sicherheit der Nutzung.

Vor diesem Hintergrund ist daher entscheidend, dass Banken und Finanzdienstleister neben der Sicherheit immer auch die Einfachheit der Nutzung im Vordergrund sehen. Ein weiterer Anstieg der Gebühren für Bankkonten und Transaktionsdienstleistungen, um Zinsverluste auszugleichen, würde jedoch die potentielle Verbreitung von Libra fördern.

Neben der Nutzung von Libra für reine Finanztransaktion wird jedoch die Möglichkeit, durch Smart Contracts eigene Transaktionslogiken zu implementieren, eine weit bedeutendere Rolle für den Aufbau eines Ökosystems für neue Dienste und Geschäftsmodelle spielen. Meines Erachtens liegt in diesen Möglichkeiten auch das langfristige Interesse von Facebook und Libra-Mitgliedern wie Spotify und Vodafone. Eine Kryptowährung ermöglicht die kostengünstige Transaktion von kleinsten Beträgen.

Damit besteht die Möglichkeit, auch Dienstleistungen von nur geringem Wert finanziell lohnend umzusetzen. Im Kontext von Spotify ist dies etwa die titelbasierte Zahlung von gestreamten Musikstücken durch Hörer und umgekehrt an Musikproduzenten. Vodafone seinerseits kann Zusatzdienste wie den Zugang zu speziellen 5G-Netzen mit einem garantierten Servicelevel oder temporär erhöhten Bandbreiten abrechnen. Dies wird nicht die aktuellen Abodienste ersetzen, öffnet jedoch Spielräume für neue Angebote.

Aber auch für Facebook eröffnen sich neue Möglichkeit im Bereich der Werbung oder in der Bezahlung von Nutzerinhalten oder redaktionellen Beiträgen. Um Libra schnell zu verbreiten, ist beispielsweise eine Bezahlung für das Anklicken, Anschauen, Bewerten oder Kommentieren von Werbung oder anderen Inhalten denkbar. Sobald Nutzer dafür die ersten Libra-Einheiten erhalten haben, besteht schnell der Wunsch, damit auch zu bezahlen. Selbst wenn dafür nicht die eigentliche Kryptowährung genutzt wird, sondern ein gesondertes Token auf Libra-Basis eingesetzt wird, entsteht schnell ein neues Ökosystem.

Sobald eine kritische Masse an Nutzern erreicht ist, wird das Netzwerk nicht nur für andere Finanzdienstleistungen wie beispielsweise kurzfristige Ad-hoc-Versicherungen, sondern für alle Dienstleistungen interessant, die von kostengünstigen und automatisierten Kleinsttransaktionen profitieren. Dazu gehört die Bezahlung von Sensordaten im Umfeld des „Internets der Dinge“, der Handel und die Abrechnung von CO2-Zertifikaten etwa mit einem von der FDP vorgeschlagenen Arbil-Coin oder die Bereitstellung von Selbstvermessungsdaten für Sport- oder Gesundheitsdienste im Privatumfeld.

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