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Digitalisierung : Banken in Existenzangst

Zukunftsvision der Deutschen Bank: Finanzplan mit dem Touchscreen Bild: Gyarmaty, Jens

Die digitale Revolution setzt der traditionellen Kreditwirtschaft immer mehr zu. Neue Wettbewerber wie Vodafone, Google, Facebook und Paypal zwingen die Institute zur Sinnfrage.

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          Apple, Google, Paypal und andere Technologiekonzerne bringen die deutsche Bankenwelt immer mehr in Aufregung. Auf der Kreditpolitischen Tagung machte Wolfgang Kirsch, Vorstandsvorsitzender der DZ Bank, am Freitag den Handlungsbedarf deutlich: „Etablierte Banken müssen sich fragen, ob sie in ihrer Rolle als Finanzintermediär ernsthaft bedroht sind.“

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zuvor wies Andreas Dombret, der für Bankenaufsicht zuständige Bundesbank-Vorstand, die Teilnehmer der Bankenkonferenz auf den immer stärker werdenden Druck hin, den der technische Fortschritt auf die traditionellen Geschäftsmodelle der Banken ausübt. Den historischen Umbruch, vor dem die Kreditwirtschaft steht, machte Kirsch mit der schöpferischen Zerstörung deutlich. Diesen Begriff verwendete der Wirtschaftswissenschaftler Joseph Schumpeter vor 80 Jahren, um die Ablösung alter Wirtschaftsordnungen durch den technologischen Fortschritt zu beschreiben.

          Die digitale Revolution hat inzwischen ein Tempo aufgenommen, auf das die Banken noch nicht vorbereitet sind. „Während wir darüber nachdenken, ob Banken noch eine Zukunft haben, scheinen viele neue Anbieter die Zeit für günstig zu halten, eine Bank oder so etwas Ähnliches zu gründen“, sagte Kirsch. Die neuen Wettbewerber – in den Worten von Kirsch Non- und Near-Banks wie Vodafone, Google, Facebook und Paypal – sind schon jetzt in den Markt für Zahlungsverkehrsdienstleistungen vorgedrungen. Hier würden sie die Banken empfindlich treffen, räumte der DZ-Bank-Chef ein. In der genossenschaftlichen Finanzgruppe, zu der unter anderen die DZ Bank sowie 1.100 Volks- und Raiffeisenbanken zählen, belaufen sich die Erträge aus dem Zahlungsverkehr auf 2,2 Milliarden Euro. Das ist eine Drittel der Gesamterträge.

          Filialschließungen bei den Volks- und Raiffeisenbanken?

          Dombret, der die deutschen Banken abermals an ihre unterdurchschnittliche Profitabilität erinnerte, forderte die versammelten Bankenvertreter auf, umgehend auf den neuen Wettbewerb zu reagieren und Geschäftsmodelle sowie IT-Systeme anzupassen. Etwas Trost spendete der hessische Finanzminister Thomas Schäfer (CDU), als er die Frage nach der notwendigen Regulierung der Risiken für die Verbraucher aufwarf. Diese müsse gerade bei Strukturen, die im Grund ein bankähnliches Geschäft betrieben, ganz genau untersucht werden. Schäfers Botschaft: In der Politik werde dieser veränderte Wettbewerb durchaus wahrgenommen.

          Mehr Regulierung würde die Kosten der neuen Wettbewerber erhöhen und damit etwas Druck von den Banken nehmen. An die berühmte, inzwischen 14 Jahre alte Aussage des Microsoft-Gründers Bill Gates („Banking ist notwendig, Banken sind es nicht“) erinnerte der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Hartmann-Wendels. Es sei zwar zu früh, das Ende der Banken einzuläuten. Doch sie müssten immer wieder beweisen, dass sie der bessere Mittler („Intermediär“) zwischen denen seien, die Kapital anlegen wollten, und denen, die Kapital bräuchten.

          Angesichts der durch die historisch niedrigen Zinsen angespannten Ertragslage und der Vorbereitung auf die Digitalisierung bleibt laut Kirsch dem Verbund der Volks- und Raiffeisenbanken nichts anderes übrig, als Kosten zu senken. Dabei sprach er nicht nur die Kosten des Oberbaus – also der beiden Spitzeninstitute DZ und WGZ Bank – an, sondern sieht auch die Regionalinstitute unter Konsolidierungsdruck. Groß angelegte Filialschließungen wie zum Beispiel bei der Hypo-Vereinsbank hält Kirsch nicht für notwendig. Diese seien wegen des weiter notwendigen persönlichen Kontakts erforderlich. Doch werde es in Zukunft weniger Filialen geben. Ob es eine gute Zeit sei, eine neue Bank zu gründen? Darauf sollte nach Ansicht von Kirsch die Antwort lauten: „Ja, ... aber dann müsste sie besser sein als wir.“

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