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Cybergeld : Digitaler E-Euro soll Bitcoin & Co. Konkurrenz machen

  • Aktualisiert am

Symbolische Münzen der digitalen Währung Bitcoin Bild: AFP

Politiker und Ökonomen fordern von der EZB eine Alternative zu Kryptowährungen wie Bitcoin oder Facebooks Libra. Doch das Konzept des digitalen Zentralbankgelds ist umstritten.

          Die Unionsfraktion im Bundestag spricht sich einem Zeitungsbericht zufolge für die Einführung eines digitalen Euros aus. „Wir möchten die Vorteile der Blockchain-Technologie von der Schattenwirtschaft in legale und seriöse Geschäftsmodelle überführen“, zitierte der Tagesspiegel am Dienstag aus dem Entwurf eines Eckpunktepapiers. Dieses solle heute in der Fraktionssitzung beschlossen werden. Darin heißt es: „Der E-Euro könnte im grenzüberschreitenden Verkehr zu einer einfachen, kostengünstigen und schnellen Zahlung eingesetzt werden.“

          Der digitale Euro sollte von den Zentralbanken ausgegeben werden und könnte dann auch zum Kauf anderer Kryptowährungen genutzt werden, heißt es weiter. Bislang müssten Anleger dazu den Umweg über bestehende Digitalwährungen wie Bitcoin gehen. Bei kriminellen Aktivitäten könnten die E-Euro eingefroren, entwertet oder eingezogen werden.

          Kritik an Facebooks Marktmacht

          Erst in der vergangenen Woche hatte das Online-Netzwerk Facebook für nächstes Jahr eine eigene Digitalwährung namens Libra angekündigt. Der Konzern will damit Kryptowährungen aus der Nische holen und für eine breite Masse zum gängigen Zahlungsmittel machen. Der Vorstoß ließ den Kurs des Bitcoin steigen, rief aber wegen der ohnehin schon großen Marktmacht Facebooks auch Kritik hervor.

          Hinter Digitalwährungen steckt die Idee einer Währung, die unabhängig von Staaten, Zentralbanken und der Geldpolitik existiert. Anders als klassische Währungen werden digitale Zahlungsmittel nicht von einer zentralen Stelle kontrolliert, auch Buchungen müssen nicht von einer zentralen Stelle bestätigt werden.

          Auch der Ökonom Thomas Mayer fordert eine europäische Alternative zu Facebooks Kryptowährung. Er betont allerdings, dass diese politisch unabhängig bleiben müsse und sieht in dem Konzept eine neue Perspektive für die Europäische Gemeinschaftswährung. 

          Da Europa keine mächtigen Plattformunternehmen vom Range Facebooks habe, sieht Mayer es als Aufgabe der Europäischen Zentralbank (EZB), einen digitalen Euro auszugeben.„Das für die Deckung notwendige Zentralbankgeld könnte die EZB durch den Kauf von Staatsanleihen erwerben“, schrieb Mayer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Mayer war von 2010 bis 2012 Chefvolkswirt der Deutschen Bank. 

          Eine solche Digitalisierung des Geldes würde dem Euro laut Mayer eine neue Perspektive eröffnen, die er im derzeit bestehenden Kreditgeldsystem nicht habe. Im Kreditgeldsystem dienen die Geschäftsbanken als Hebel für die Geldschöpfung. Geld entsteht dabei vor allem durch Bankkredite an Unternehmen und Privatkunden.

          Skeptische Notenbanker

          Führende Notenbanker stehen dem Konzept des digitalen Zentralbankgeldes allerdings skeptisch gegenüber. Nach Ansicht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), sind von Zentralbanken ausgegebene Kryptowährungen anfälliger bei Finanzkrisen.

          BIZ-Generalsekretär Agustín Carstens hatte in einem Artikel für die F.A.Z. Digitalwährungen als „unerforschtes Terrain“ bezeichnet. Darin warnte Carstens: „Eine unerprobte Technologie einzuführen, die sich letztlich als unzuverlässig erweist, könnte das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Währung grundlegend erschüttern.“

          Carstens zitierte in seinem F.A.Z.-Artikel auch eine Umfrage der BIZ, an der sich 60 internationale Zentralbanken beteiligt hatten. Danach führe nur ungefähr die Hälfte der Zentralbanken konkrete Tests durch und nehme eine konzeptionelle Prüfung der Vorteile, Risiken und Herausforderungen bei der Ausgabe einer digitalen Währung vor. Und lediglich eine Handvoll Zentralbanken experimentiere im Rahmen von Machbarkeitsstudien oder Pilotprojekten mit verschiedenen möglichen Technologien.

          Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann wies in einer Rede auf die Krisenanfälligkeit hin. Daher solle die Einführung digitalen Zentralbankgeldes gut überlegt sein.

          Die Zentralbank Schwedens dagegen steht dem Konzept relativ offen gegenüber und forscht gerade an einer e-Krone. Auch in der Schweiz und Australien werden ähnliche Konzepte geprüft.

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