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Digitale Währung : Libra startet mit vielen Zweifeln

Die Logos des Internetkonzerns Facebook und der von ihm vorgestellten globalen Digitalwährung Libra. Bild: dpa

Von den 28 Gründungsmitgliedern sind 21 übrig geblieben. Und während die Zahl der Partner geschrumpft ist, gerät auch der Zeitplan für das Projekt ins Wanken.

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          David Marcus zeigt sich unerschütterlich. Ein „toller Tag“ sei es gewesen, twitterte er nach dem Treffen von Mitgliedern der Libra Association, der Schweizer Organisation, in deren Hand die Kontrolle über die Digitalwährung Libra liegen soll. Marcus ist beim sozialen Netzwerk Facebook, dem maßgeblichen Initiator von Libra, für das Projekt verantwortlich. In Genf fand nun das erste Treffen von Facebook und seinen Libra-Partnern statt. Die Unternehmen wurden zu offiziellen Gründungsmitgliedern, unterzeichneten die Satzung der Libra Association und bestimmten ein Führungsgremium, zu dem auch Marcus gehören soll. Der Facebook-Manager sagte, nun gebe es 21 offizielle Mitglieder und „viele weitere“ würden hinzukommen.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Freilich dürfte sich Marcus das erste Treffen ursprünglich um einiges größer vorgestellt haben, denn in den vergangenen Tagen sind eine ganze Reihe von Unternehmen, die als Gründungsmitglieder vorgesehen waren, abgesprungen. Am Freitag teilten die Kreditkartenanbieter Mastercard und Visa, der Finanztechnologiespezialist Stripe, der lateinamerikanische Bezahldienst Mercado Pago und der Online-Händler Ebay mit, sich vorerst aus dem Projekt zurückzuziehen. Sie folgten dem Bezahldienst Paypal, der schon eine Woche vorher seine Teilnahme revidiert hatte. Am Montag verlor die Libra Association auch noch Booking, den Betreiber von Reiseportalen wie Kayak und Priceline.

          Von den 28 Gründungsmitgliedern, die bei der Vorstellung von Libra im Juni genannt wurden, sind somit 21 übrig geblieben. Und während die Zahl der Partner geschrumpft ist, gerät auch der Zeitplan für das Projekt ins Wanken. Ursprünglich hoffte Facebook, Libra in der ersten Hälfte nächsten Jahres herauszubringen. Dann war von einem Start bis Ende 2020 die Rede. Und jetzt berichtet die Zeitung „Financial Times“ unter Berufung auf den Libra-Manager Dante Disparte, dass auch dies womöglich nicht geschafft werden könnte. Er verwies auf regulatorische Unsicherheit rund um das Währungsvorhaben.

          Tatsächlich sind Facebooks Libra-Pläne auf gewaltigen Widerstand von Regulierern und Politikern aus aller Welt gestoßen. Regierungsmitglieder aus Deutschland und Frankreich haben angekündigt, Libra blockieren zu wollen. In Amerika meldeten Präsident Donald Trump, Finanzminister Steven Mnuchin und Jerome Powell, der Vorsitzende der Notenbank Federal Reserve, Bedenken an. Die beiden Senatoren Sherrod Brown und Brian Schatz von der Demokratischen Partei hatten in der vergangenen Woche speziell den Druck auf die Finanzdienstleister Mastercard, Visa und Stripe erhöht und deren Vorstandsvorsitzende in Briefen aufgefordert, ihr Engagement im Libra-Projekt zu überdenken. Sie drohten den Unternehmen im Fall ihrer Teilnahme an der Libra Association mit einem hohen Maß an regulatorischer Überwachung.

          Angesichts des breiten politischen Widerstands kann sich der Facebook-Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg auf ein sehr kritisches Publikum einstellen, wenn er am Mittwoch kommender Woche zu einer Anhörung vor einem Ausschuss des Abgeordnetenhauses erscheint. Zumal dieses Gremium von Maxine Waters geführt wird, die das Projekt von Anfang an bekämpft hat. Sie hat Facebook aufgefordert, die Entwicklung von Libra so lange auf Eis zu legen, bis sich der Kongress und Regulierer ausführlich damit auseinandergesetzt haben. Im Juli ist auch schon David Marcus bei zwei Kongressanhörungen aufgetreten und sah sich dabei sehr kritischen Fragen gegenüber.

          Facebook hat Libra als Gemeinschaftsprojekt beschrieben, insofern spielen die Partnerunternehmen in der Außendarstellung eine wichtige Rolle. Zu den prominentesten Libra-Gründungsmitgliedern nach dem Abspringen von Mastercard und anderen Unternehmen gehören jetzt die Fahrdienste Uber und Lyft, die Musikplattform Spotify, der Telekommunikationskonzern Vodafone und Wagniskapitalgesellschaften wie Andreessen Horowitz und Union Square Ventures. In einer Mitteilung der Libra Association hieß es jetzt, mehr als 1500 Organisationen hätten Interesse bekundet, sich dem Projekt anzuschließen. Davon hätten bislang rund 180 die vorläufigen Kriterien für Mitglieder erfüllt, die sich zum Beispiel am Marktwert oder an Umsätzen bemessen.

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