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Höchstgrenze auf Gebühren : Deckel auf Kreditkartengebühren bremst Apple Pay und Lufthansa

Durch den Deckel der EU würden europäische Partner von Apple Pay jeden zweiten Cent an das amerikanische Unternehmen abtreten Bild: AP

Die EU hat eine Grenze für Kreditkartengebühren beschlossen. Dadurch verlieren deutsche Banken einen dreistelligen Millionenbetrag im Jahr.

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          Die von der EU gerade gesetzlich beschlossene Höchstgrenze für Kreditkartengebühren im Handel könnte das Geschäft mit alternativen Bezahlmodellen unterdrücken, noch bevor es in Deutschland richtig begonnen hat. Den etablierten Banken, an denen die Zahlungen im Online-Handel bisher vorbeigehen, wird aber auch das nicht helfen. Im Geschäft mit Kreditkarten werden deutsche Kreditinstitute künftig deutlich weniger Geld verdienen. Denn Händler müssen den Kreditkarten ausgebenden Banken künftig höchstens 0,3 Prozent des Umsatzes einer Zahlung als Gebühr entrichten. Die Unternehmensberatung PPI schätzt, dass deutschen Banken 250 Millionen Euro an Jahresumsatz entgeht.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zwar werden im internationalen Vergleich Kreditkarten von den Verbrauchern in Deutschland nur spärlich eingesetzt. Die meisten Deutschen zahlen lieber bar oder nutzen ihre EC-Karte. Und viele Einzelhändler, allen voran die Lebensmitteldiscounter Aldi und Lidl, akzeptieren gar keine Kreditkarten.

          Dies liegt eben auch an den hohen Gebühren, die Händler den Karten ausgebenden Banken und Sparkassen in Deutschland bisher zahlen müssen. Die offizielle Gebühr ist mit 1,58 Prozent des Umsatzes für Visa-Karten und 1,73 Prozent für Mastercard-Karten hierzulande besonders hoch. Zwar haben immer mehr Handelsbranchen günstigere Konditionen erkämpft. Recht wenig zahlen mit 0,68 Prozent zum Beispiel die Tankstellen. Doch das ist immer noch mehr, als die EU voraussichtlich ab Frühjahr verlangt.

          Kooperationen müssen in Frage gestellt werden

          Auch einige Unternehmen wie die Lufthansa („Miles and More“) haben gemeinsam mit Banken an Kunden und Mitarbeiter als Belohnung für deren Treue besondere Kreditkarten ausgegeben. Auch dieses Geschäft der Banken steht nun auf dem Spiel. „Rabatte und Gratisdienste von firmeneigenen Kreditkarten rechnen sich nur, wenn Unternehmen an den Gebühreneinnahmen der Banken beteiligt sind“, erklärt Hubertus von Poser, Fachmann für Zahlungsverkehr bei der Unternehmensberatung PPI. Die nun drohenden Gebührenausfälle von mehr als 75 Prozent „sprechen jedoch dafür, diese Kooperationen in Frage zu stellen“, meint Poser.

          Auch alternative Bezahlverfahren könnten leiden, weil die Margen durch den EU-Deckel sinken. Schließlich nutzt das neu in den Vereinigten Staaten eingeführte Bezahlsystem des Elektronikkonzerns Apple, Apple Pay, aber auch das des Konkurrenten Google Wallet die Kreditkartensysteme von American Express und Mastercard zur Zahlungsabwicklung. In Europa dürften sich solche Kooperationen jetzt kaum mehr rechnen, meint Poser. Denn Apple verlange von Kooperationspartnern in den Vereinigten Staaten 0,15 Prozent vom Umsatz. Weil die EU-Kommission die Gebühr im Euroraum für alle Händler auf höchstens 0,3 Prozent beschränkt, bedeutete dies im Umkehrschluss, dass im EU-Raum künftig jeder zweite Cent an Kreditkartengebühren an Unternehmen wie Apple, Google und Ebay mit eigenen Bezahldiensten fließe.

          Eigenes Bezahlsystem für deutsche Kreditwirtschaft

          Deshalb warnt Poser auch die etablierten Banken mit Blick auf die anziehenden Einkäufe über mobile Geräte wie Smartphones: „Mobile Payment ist ein unattraktives Geschäft, wenn die Banken nur als stiller Abwickler im Hintergrund bleiben.“ Entscheidend sei der Zugang zum Kunden. Poser rät den Banken, gemeinsam IT-Lösungen oder Abwicklungseinheiten für das Kartengeschäft der Zukunft zu entwickeln.

          Doch die deutsche Kreditwirtschaft wird frühestens im zweiten Halbjahr 2015 ein eigenes Bezahlverfahren entwickelt haben, um im Internet bestellte Waren abzuwickeln. Unklar ist zudem, ob die Sparkassen mitmachen werden. Wie berichtet, haben sie mit dem jungen Unternehmen Payone in dieser Woche eine Allianz geschlossen, das ihnen immerhin den Zugang zu 2500 Online-Händlern eröffnet. Ein eignes Bezahlverfahren haben aber auch die Sparkassen noch nicht.

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