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Bezahlweisen : Darum klappt das Zahlen mit dem Handy nicht

Bislang nur in den Amerika ein Erfolg: Apple Pay, das mobile Bezahlsystem von Apple Bild: AP

In Deutschland zahlt kaum einer mit dem Handy - warum eigentlich? Nach einem halben Jahr „Apple Pay“ in den Vereinigten Staaten sieht man, wie es eigentlich laufen kann.

          Die Versprechen sind stets groß: „Wir wollen das Bezahlen mit dem Smartphone einfach machen wie nie“, heißt es dann zum Beispiel. Doch die Realität in Deutschland ist eine andere. Zuletzt ging zum Beispiel das Startup-Unternehmen Paymey in die Insolvenz, welches mit ähnlichen Bekundungen Investoren anlockte. Noch immer zahlt in Deutschland kaum einer mit dem Mobiltelefon an der Kasse. Einer Untersuchung des EHI Retail Institutes zufolge ist nur etwa jede vierte Kasse überhaupt dazu technisch in der Lage, eine Bezahlung mit dem Handy anzunehmen. Da verwundert es auch nicht, dass laut einer Studie des Beratungsunternehmens Bain & Company in Deutschland nur etwa 13 Prozent ihr Smartphone oder ihren Tabletcomputer dazu nutzen. Die Bundesbank spricht gar von nur 2 Prozent Zahlungen mit dem Handy. Warum ist das so?

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Um das zu verstehen, muss man einen Blick in andere Weltregionen werfen, wo das mobile Bezahlen boomt. Zum Beispiel nach Afrika. Während sich hier an jeder Ecke eine Sparkasse befindet, ist in manchen Ländern die nächste Bank kilometerweit weg. Daher besitzen dort auch die wenigsten ein Konto, die Menschen haben eher ein Handy. Selbst in den entlegensten Gebieten kann man mittlerweile telefonieren und im Internet surfen.

          Blick nach Amerika lohnt sich

          Bei Mpesa muss man sich zum Beispiel registrieren und kann dann Guthaben per SMS übertragen. Dieses kann bei den Zehntausenden Mpesa-Läden ausgezahlt werden, das Netz ist engmaschiger als das der Post- oder Bankfilialen. Das Mobiltelefon wird wirklich Konto und Geldbörse. Denn auch Löhne werden auf das Handy überwiesen, die Strom- und Wasseranbieter erlauben das Zahlen mit dem Mobiltelefon, und selbst in Supermärkten ist Bargeld kaum vonnöten. Im Jahr 2010 wurden etwa 200 Millionen Euro monatlich in Kenia mit dem Handy übertragen. Zum Vergleich: Bei Kreditkarten betrug der Gesamtumsatz mit 300 Millionen Euro pro Monat nicht sehr viel mehr.

          Auch ein Blick in die Vereinigten Staaten lohnt sich. Dort hat Apple – bekannt durch Produkte wie das iPhone, Mac und dem iPad – vor einem halben Jahr sein Bezahlverfahren „Apple Pay“ gestartet. Apple hat dazu noch keine Geschäftszahlen veröffentlicht, doch es gibt einige Anhaltspunkte. Zwei von drei Dollar im kontaktlosen Bezahlen werden laut Tim Cook über Apple Pay abgewickelt. Das ist insofern bemerkenswert, da Apple sich so innerhalb kürzester Zeit schon fast ein Monopol angeeignet hat – denn das kontaktlose Bezahlen gibt es in den Vereinigten Staaten schon seit fast zehn Jahren. Insgesamt sollen 220.000 Geschäfte in den Vereinigten Staaten den Dienst unterstützen. Dazu hat Apple allein im vierten Quartal mit 40 Millionen iPhone 6 den Markt geradezu mit Geräten geflutet, die Apple Pay unterstützen – Tendenz weiter steigend. Dazu ist das Bezahlen sehr einfach: Das Handy wird an das Bezahlterminal gehalten, dann mit einem Fingerabdruck die Zahlung bestätigt – fertig. Hat man die Apple Watch, muss sogar nur mit einem Doppelklick bestätigt werden. Für den Nutzer ist es also tatsächlich einfacher, als mit der Karte zu bezahlen, da nichts unterschrieben werden muss. Zu guter Letzt ist das Bezahlen auch noch anonym, da Apple selbst nicht sieht, wer etwas wo gekauft hat.

          Was kann man für Deutschland daraus lernen? Zugegeben, es ist hier ein schwieriger Markt. Die Deutschen lieben ihr Bargeld. Eine Studie der Bundesbank zeigt, dass 79 Prozent aller Transaktionen hierzulande bar getätigt werden, was in etwa der Hälfte der getätigten Umsätze entspricht. Des Weiteren besitzt nahezu jeder Bundesbürger eine Girokarte.

          Doch, und hier kommt das erste Problem: In Deutschland besitzt nur jeder Dritte eine Kreditkarte. Dagegen setzen fast alle Anbieter auf diese Lösung – und schließen somit zwei Drittel der Bevölkerung aus. Doch was wesentlich mehr Menschen abschreckt, ist, wie umständlich das Bezahlen mit dem Handy immer noch ist. Es gibt unzählige verschiedene Apps, die man auf seinem Handy an der Kasse erst suchen müsste, das ist zeitraubend und unpraktisch. Viele Anbieter setzen außerdem auf einen Strichcode oder QR-Code, der dann abfotografiert werden muss. Doch das ist nicht einfacher als mit Bargeld oder Karte zu bezahlen – warum also nutzen?

          Apple dagegen hat – selbst wenn sie nur die Kreditkarte als Zahlungsmittel anbieten – den Vorteil der Einfachheit und der weit verbreiteten Geräte. Wenn ein kleines Unternehmen also auf den Markt geht, müsste das Bezahlen also mindestens so einfach funktionieren wie bei Apple – und nach Möglichkeit auch noch eine Girokarte akzeptieren. Doch danach sieht es auf dem deutschen Markt nicht aus.

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