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Digitalwährung Ripple : Mit Kryptogeld zum Milliardär

Chris Larsen, 57, hatte zeitweise ein größeres Vermögen als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Bild: PETER DASILVA/The New York Times

Chris Larsen hat die Digitalwährung Ripple erfunden. So hat er es auf die Forbes-Liste der Superreichen geschafft. Wer ist der Mann hinter den Milliarden?

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          Auf der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt tauchte in diesem Jahr weit oben ein Name auf, von dem bis dahin kaum jemand gehört hatte. Dass Herren wie Jeff Bezos, Bill Gates und Warren Buffett zu den Multimilliardären zählen, das ist jedem längst geläufig. Aber wer ist jener Chris Larsen, dem urplötzlich ein Vermögen von 59 Milliarden Dollar zugeschrieben wurde und der damit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vorübergehend vom fünften Platz der Forbes-Liste verdrängte? Und wie ist dieser Mann, den so gut wie niemand kennt, so unheimlich schnell an so ein unglaublich großes Vermögen gekommen?

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Antwort lautet schlicht: Chris Larsen hat zu Jahresbeginn extrem davon profitiert, dass sich alle Welt plötzlich für sogenannte Kryptowährungen begeisterte. Zwar wurde vor allem Bitcoin zu einem Spekulationsobjekt von digitalen Glücksrittern in aller Welt, die den Preis gewaltig nach oben trieben. Doch im Zuge dieses Hypes gewannen auch andere Digitalwährungen extrem an Wert. Zum Beispiel XRP, die im Sprachgebrauch oft Ripple genannt wird, nach dem amerikanischen Unternehmen, das diese Kryptowährung erfunden hat und dessen Mitbegründer eben jener Chris Larsen ist.

          „Die Welt braucht wahrlich keine neue Währung“

          Weil Ripple XRP im Laufe des Jahres 2017 sage und schreibe 36.000 Prozent an Wert gewann und damit Bitcoin und alle anderen Kryptowährungen ausgestochen hat, wurde Larsen zum Multimilliardär – zumindest auf dem Papier. Er besitzt nämlich 5,19 Milliarden XRP und damit knapp ein Zwanzigstel des gesamten Vorkommens. Zwar erzielte ein einzelner XRP niemals einen so hohen Preis wie ein Bitcoin, der zum Jahreswechsel fast 20.000 Dollar kostete. Aber in der Spitze 3,77 Dollar reichten aus, um Larsen zeitweise zum Multimilliardär zu machen.

          Wer sich mit Chris Larsen trifft, der ist augenblicklich überrascht. Der Kalifornier, der in Stanford seinen Management-Abschluss gemacht und anschließend einige erfolgreiche Start-ups gegründet hat, erscheint in Hemd und Sakko und mit Seitenscheitel. Äußerlich hat er wenig gemein mit anderen Gründern aus der Kryptowelt, die sowohl beim Programmieren wie beim Repräsentieren gerne T-Shirt und Turnschuhe tragen.

          Erklärvideo : Was ist eine Kryptowährung?

          Auch räumlich geht Larsen auf Abstand. Das Unternehmen Ripple sitzt nicht im Silicon Valley, sondern im Herzen seiner Geburtsstadt San Francisco. Und noch etwas unterscheidet den 57-Jährigen vom Rest der digitalen Währungswelt: Das Spekulantentum rund um Bitcoin, von dem Larsen selbst profitiert hat, ist ihm noch nie geheuer gewesen. Die Kryptowährung Bitcoin, die nicht von Zentralbanken geschöpft wird, sondern von Nutzern an ihren Computern, sei viel weniger bedeutsam als die Technologie, die dahintersteckt. „Die Welt braucht wahrlich keine neue Währung“, sagt Larsen. „Was die Welt braucht, sind bessere Wege, um Geld über Grenzen hinweg zu bewegen.“

          Geschäftsmodell nicht darauf ausgelegt, Banken überflüssig zu machen

          Damit ist Larsen bei seinem Lieblingsthema. Oder besser gesagt: bei seiner Mission. Mit seinem Kompagnon Jed McCaleb ist er 2012 angetreten, rund um die Welt ein Ripple-Netzwerk zu spannen und damit Auslandsüberweisungen schneller, sicherer und günstiger abzuwickeln. Das alles soll mit Hilfe ebenjener Technologie geschehen, die auch hinter Bitcoin steht: der Blockchain, einer Art Datenbank, die dezentral auf vielen Rechnern geführt wird und in der Manipulationen schwer möglich sind. In der Datenkette werden die Transaktionen aller Teilnehmer gespeichert und beglaubigt. Bisher sind Auslandsüberweisungen, die über Banken laufen, langsam und teuer. Um dies zu veranschaulichen, werden Larsen und seine Leute gerne ironisch: Um heutzutage Geld aus Europa möglichst schnell und günstig in die Vereinigten Staaten zu überweisen, packe man am besten Bargeld in einen Umschlag und verschicke ihn per Kurierdienst.

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