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Krypto-Anlagen : Bitcoins vom Bison

  • -Aktualisiert am

Für Krypto-Anlagen wie Bitcoin gibt es viele unzählige Plattformen zum Handeln. Bild: dpa

Marktplätze zum Kauf und Verkauf von Kryptowährungen gibt es unzählige. Seit Ende Januar gibt es nun erstmals eine Plattform, hinter der eine deutsche Börse steht.

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          Möglichkeiten, Krypto-Anlagen zu handeln, gibt es viele. Seit Ende Januar gibt es nun erstmals eine Plattform, hinter der eine deutsche Börse steht. Hinter der App namens Bison steckt die zur Regionalbörse Stuttgart gehörende Sowa Labs GmbH. Bislang gebe es über 12.000 Nutzer, sagte der Geschäftsführer der Börsentochter Ulli Spankowski. Diese können darüber Geschäfte mit den dort bislang vier handelbaren Währungen Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Ripple abwickeln. „Bei den Orders sehen wir alles von 20 Euro bis zu 50.000 Euro. Das ist für einige Kunden ein Herantasten an das Thema.“ Denn klares Ziel ist es, Leute zu erreichen, die sich bislang noch nicht an den Kauf oder Verkauf solcher Digitalwährungen herangetraut haben. Beispielsweise aufgrund technischer Barrieren

          Das neue Angebot ist sicherlich auch ein Versuch, das schlechte Image der Digitalwährungen aufzupolieren. Bison wird von der Börsentochter Euwax in Stuttgart betrieben. Sie kauft im Auftrag des Kunden die Digitalmünzen auf einem entsprechenden Handelsplatz und verkauft sie dann an den Endkunden weiter. Und eine andere Gesellschaft der Börse Stuttgart bietet diesem zugleich die treuhänderische Verwahrung der Währungen an. Sie können aber gleichfalls auf die „digitale Brieftasche“ des Kundens übertragen werden, wie der 37 Jahre alte Diplomökonom weiter berichtete. Für die Zahlungsabwicklung wurde die Solarisbank mit ins Boot geholt.

          In einer Mitteilung wird von „gebührenfreiem Handel“ gesprochen. Doch ganz so ist es nicht. Spankowski sagte: „Bison verdient aber am Spread, der durchschnittlich bei 0,75 Prozent pro Transaktion liegt.“ Das Angebot der App ist bislang noch nicht allzu umfänglich. „Wir entwickeln gerade eine Lösung, damit auch Kryptowährungen, die woanders gekauft worden sind, in die App eingezahlt werden können.“ Die Gefahr der Geldwäsche spielt hier eine nicht zu unterschätzende Rolle. Bislang handhaben die Staaten in Europa die Kontrolle sehr unterschiedlich.

          Es gibt mehr als 2000 Kryptowährungen

          Deshalb will die Aufsichtsbehörde zur weltweiten Bekämpfung von Geldwäsche ein Regelwerk für die Geschäfte mit Kryptowährungen erstellen. Im kommenden Juni würden die ersten Vorgaben verabschiedet, anhand derer die Staaten die Aufsicht über Bitcoin & Co. organisieren sollen, teilte die Financial Action Task Force (FATF) kürzlich mit. Damit soll die Nutzung von Kryptowährungen für Geldwäsche, Terrorfinanzierung und andere Straftaten eingedämmt werden. Staaten, die sich nicht an die neuen Regeln hielten, würden auf eine schwarze Liste gesetzt, kündigte die FATF an.

          Insgesamt gibt es derzeit laut der Brancheninternetseite Coinmarketcap.com mehr als 2000 Kryptowährungen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 130 Milliarden Dollar. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin hat mehrfach vor Geldanlagen in solche digitale Währungen gewarnt, da sie zum Totalverlust führen können. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht in der Bison-App ein „Wettbüro Kryptowährungen“.

          BTC/USD

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          Die Wertentwicklung der Digitalmünzen hänge ausschließlich davon ab, welchen Wert Menschen diesen Bits und Bytes in Zukunft noch beimessen. „Und das ist heute einfach nicht vorherzusehen.“ Zugleich verwiesen Kritiker darauf, dass Bison nichts mit dem Handel von Wertpapieren an einer öffentlich-rechtlichen Börse gemein habe. Bemängelt wird in der Kryptobranche auch eine nach wie vor fehlende Regulierung. So kann etwa jeder Anbieter eine eigene Cyberdevise an den Markt bringen über einen sogenannten Initial Coin Offering (ICO) und Geld von Investoren einsammeln. Eine Plattform dafür will die Stuttgarter Börse im Sommer anbieten.

          Auf das App-Projekt in Stuttgart wird von der Finanzwelt genau geschaut. Spankowski sagte: „Ziel ist es, die App in ganz Europa verfügbar zu machen. Zeitnah ist die Bereitstellung in den Niederlanden oder in Österreich geplant. Wir denken auch über eine Einführung in Skandinavien nach.“

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