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Volksbanken und El Salvador : Was den Bitcoin-Kurs treibt

  • Aktualisiert am

Ein „Chivo“-Geldautomat für Bitcoin in El Salvador. Bild: Reuters

Auch die Fondsgesellschaft der Volksbanken will jetzt mehr in Bitcoin investieren, wenngleich maßvoll. Seinen jüngsten Kursanstieg hat die Krypto-Anlage aber El Salvador zu verdanken.

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          Die Fondsgesellschaft der Volksbanken, die Union Investment, plant nach einem Pilotversuch mit Bitcoin-Zertifikaten, Krypto-Anlagen für weitere Fonds zu kaufen. „Wir erwägen, Bitcoins in kleinen Mengen von maximal 1 bis 2 Prozent einer Handvoll weiterer Fonds für private Anleger beizumischen”, sagte Portfolio-Manager Daniel Bathe in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Möglich sei das ab dem vierten Quartal, einen festen Termin gebe es aber noch nicht.

          Die Union Investment hatte Anfang dieses Jahres erstmals Kryptowerte in Form sogenannter Delta-1-Zertifikate in einen Mischfonds, den PrivatFonds Flexibel Pro aufgenommen. Derzeit würden weniger als 1 Prozent des Fondsvermögens in Bitcoin gehalten.

          Man beobachte erhöhtes Interesse von Mischfonds-Managern an Krypto-Anlagen, zitiert Bloomberg Kamil Kaczmarski, Berater für Finanzdienstleister bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Viele dürften über Zertifikate und andere Derivate investieren und prüften verstärkt solche Anlagen für ihre Portfolios.

          Seit August dürfen auch Spezialfonds für Profianleger bis zu 20 Prozent des Fondsvolumens in Kryptowerte investieren. Der vereinfachte Einstieg in das Marktsegment für institutionelle und private Investoren gelte als bedeutender Einflussfaktor für die Bitcoin-Kursgewinne zwischen Herbst 2020 und Anfang dieses Jahres, sagte Sören Hettler, Analyst der DZ Bank zu Bloomberg.

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          Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hatte Anfang des Jahres vor Kryptowerten in Form von Direktanlagen oder Derivaten, die den Kursverlauf abbilden, gewarnt. Bei allen diesen Anlagen könnten Verbraucher erhebliche Kapitalverluste erleiden. Auch Hettler mahnt zur Vorsicht. Ein Engagement bleibe vor allem aufgrund der enormen Kursschwankungen riskant. Als Beimischung in einem Portfolio könnten sie dennoch sinnvoll sein.

          Bathe sagte Bloomberg, die Union Investment werde keine neuen Fonds auflegen, sondern solche Assets lediglich in kleinen Mengen beimischen. Wichtig sei, dass sich das Risikoprofil des jeweiligen Fonds nicht verändere. Bitcoin eigneten sich gut für die Diversifikation von Portfolios, weil sie auf längere Sicht oft keine Korrelation zu klassischen Anlageklassen hätten.

          Zweischneidiges Schwert

          Die zunehmenden institutionellen Anlagemöglichkeiten werden von Krypto-Fans als Ritterschlag gefeiert. Indes bergen sie auch eine Gefahr. Während die Krypto-Fans mehr oder weniger ausschließlich in der Sphäre verbleiben, sehen Investoren diese im Rahmen eines Portfolios. Sollte also eine Finanzkrise die traditionellen Märkte erschüttern, könnte dies auf diesem Weg rasch auf die Krypto-Sphäre übergreifen. Grundsätzlich läuft das verstärkte Investieren in Kryptowerte dem Wunsch zuwider, von den Wertpapiermärkten unabhängig anzulegen.

          Wenngleich die Union Investment offenbar sehr maßvoll anlegen will, ist nicht gesagt, dass Profi-Investoren auch weiter maßvoll anlegen, wenn der Damm erst einmal gebrochen ist. Erfahrungsgemäß fallen dem Wettbewerb um Erträge nach und nach alle Sicherheitsbedenken zu Opfer. Das ist dann der Stoff, aus dem Finanzkrisen gemacht werden: Wenn (Krypto-)Anlagen etwa auf Pump gekauft werden und dann die Nachfrage erlahmt, etwa weil die Geldpolitik restriktiver wird und Kursgewinne nicht mehr genügen, um die Finanzierungskosten zu decken.

          Der Kurs des Bitcoin war seit Sonntag morgen deutlich von weniger als 50.000 bis auf mehr als 52.000 Dollar gestiegen, brach dann aber zuletzt urplötzlich, ohne erkennbaren Grund um 1000 Dollar ein.

          Für die Kursrally ist allerdings wohl weniger die Union Investment verantwortlich. Viel mehr verschafft eine Entwicklung in El Salvador dem Markt Auftrieb: Als erstes Land der Welt führt der zentralamerikanische Staat Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel ein. Demnach muss jeder Händler Bitcoin akzeptieren, der technisch dazu in der Lage ist. Auch Steuern können in der Kryptowährung bezahlt werden.

          Auf den Tausch von Bitcoin soll keine Kapitalertragsteuer erhoben werden. Den Wechselkurs zum US-Dollar, der in El Salvador anstelle einer einheimischen Währung als offizielles Zahlungsmittel genutzt wird, soll der Markt frei entscheiden. Wer die digitale Geldbörse „Chivo“ herunterlädt, bekommt nach Angaben des Präsidenten Nayib Bukele ein Startguthaben im Wert von 30 Dollar. Es soll demnach auch 200 „Chivo“-Geldautomaten geben.

          Nach einer landesweiten Umfrage der Universidad Centroamericana (UCA) mit knapp 1300 Teilnehmern im August lehnen rund 70 Prozent der Salvadorianer das Bitcoin-Gesetz ab. Etwa gleich viele hatten demnach ungenaue Vorstellungen von Bitcoin: Nur 4,8 Prozent der Befragten definierten sie korrekt als Kryptowährung.

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