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Bitcoin-Szene : Internet-Alchemie

Glaube an das System liegt in der Technik begründet

Der Glaube an das Bitcoin-System liegt in der Technik begründet, die dahintersteckt: der Blockchain. Über sie habe niemand Kontrolle. Einzelne Daten werden in Blöcke geschrieben und wie in einer Kette miteinander verschränkt. Versucht man einen Block zu manipulieren, bricht die Kette – daher ist sie fälschungssicher, so heißt es. Sichergestellt werden soll das von gigantischen Rechenzentren, welche die Transaktionen überprüfen. Millionen Rechner werkeln im Hintergrund, ohne dass ein einzelner Einfluss nehmen könnte.

Auf dem Infoabend der Coinfriends in Offenbach ist Optimismus zu spüren. Robert aus Österreich ist zu Besuch. Sein Arbeitgeber bietet Unterstützung in der Geldanlage mit Bitcoin. „Lukrativ mit einer Fixverzinsung von 1,5 oder 2 Prozent pro Woche“, lautet das Versprechen. Das Mittel dazu sind Trades, die drei Letten in Riga durchführten. Anleger müssen Einlagen in Bitcoin für sechs oder zwölf Monate einschießen. „Das ist ein neuer Markt wie das Internet 1994/95. Schaut mal, was heute die mächtigsten Firmen sind“, sagt Robert. „Wie funktioniert Trading: Kaufen, wenn es billig ist, verkaufen, wenn es teuer ist.“ Als er vom „Renditerenditeeffekt“ spricht, fühlt man sich an die Zeit des überhitzten Neuen Marktes erinnert. Ob das gutgeht?

Es droht eine Finanz-Blase zu platzen

Das Wesen von Blasen ist leider, dass man sie erst erkennt, wenn sie geplatzt sind. Eine Tulpe war im 17. Jahrhundert zeitweise so viel wert wie 200 Monatsgehälter. Und die Menschen kauften trotzdem weiter. Droht jetzt der große Bitcoin-Knall?

Die ersten Pioniere haben sich jedenfalls abgewendet. Rick Falkvinge, der Gründer der schwedischen Piratenpartei und Vordenker der Szene, hat in dieser Woche einen Text auf seine Internetseite gestellt, in dem er sich von Bitcoin lossagt. „Niemand, den ich kenne, benutzt Bitcoin noch für irgendetwas, weil es Stunden dauert, eine Transaktion zu beenden, und sie mehr als 20 Dollar kostet“, schreibt er. Ihn habe im Jahr 2011 an Bitcoin fasziniert, dass Transaktionen frei, verlässlich und unmittelbar waren. Heute sei er ein Spekulationsobjekt, das noch dazu sehr viel Strom verbraucht.

In Offenbach träumen die Vereinsgründer Robert Roppenecker und Andi Redling dagegen von einer größeren Gemeinschaft, die sich entwickelt. Anfragen aus anderen deutschen Städten, einen Verein zu gründen, gebe es schon. 2010 habe er sich erstmals mit dem Thema beschäftigt, ohne sich dafür zu begeistern, sagt Roppenecker. Als sein Freund Andi ihn im Sommer angesprochen hat, fragte sich der Motorradmechanikermeister, ob er sich ein zweites Mal ärgern will, nicht eingestiegen zu sein. „Wir wollen Bitcoin in die Gesellschaft tragen, damit sie die Kontrolle über das Geld wiedererlangt“, sagt er. Das Vertrauen in Banken bröckle. „Ist es da nicht besser, man vertraut einem mathematischen Algorithmus, der sich selbst verwaltet und nicht manipuliert werden kann?“ Für Ende kommenden Jahres erwartet er einen Wert von 100.000 Euro je Bitcoin, ein Jahr später von 1.000.000 Euro – aktuell sind es rund 8500 Euro.

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