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Blockchain-Technologie : Bitcoin-Gegner JP Morgan plant eigene Digitalwährung

Setzt auf die Blockchain: JP Morgan Chase Bild: AFP

Einst verachtete Chef Jamie Dimon die Digitalwährung. Jetzt will er damit für Unternehmen Währungshindernisse aus dem Weg räumen. Was genau hat das Geldinstitut vor?

          Ausgerechnet die, das ist es, was einem sofort dazu ausfällt. Ausgerechnet die amerikanische Großbank JP Morgan investiert in eine eigene Digitalwährung. Ausgerechnet die, weil gerade ihr langjähriger Chef Jamie Dimon als großer Gegner von Bitcoin gilt, der bekanntesten Digitalwährung der Welt. „Bitcoin ist ein einziger Betrug“, sagte er.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Sollte ein JP-Morgan-Händler mit Bitcoin handeln, würde er ihn „in einer Sekunde feuern“. Und dafür nennt er zwei Gründe: „Zum einen ist es gegen unsere Regeln – und es ist dumm.“

          Mittlerweile bereut Jamie Dimon seine Aussagen. Ihn selbst würde das Thema maximal am Rande interessieren, aber die Bedeutung der so genannten Blockchain-Technologie wachse für die Branche Tag für Tag. Denn heute ist es sehr aufwendig, Geld von einem Land in ein anderes Land mit einer anderen Währung zu lenken. Es muss erst in die jeweilige Währung transferiert werden und dann überwiesen werden.

          Beschleunigung durch Blockchain

          Das kann auch einmal mehrere Tage dauern. Das gilt für Privatleute wie für Unternehmen. Hier verspricht sich die Finanzbranche durch die Blockchain sehr viele Vorteile. Es würde die Zahlungen beschleunigen und vereinfachen. Dadurch könnten sie dann entweder für die Kunden billiger werden, oder die Unternehmen, die das anbieten, könnten eine stattliche Rendite einstreichen.

          Trotz der ablehnenden Haltung von Jamie Dimon ist JP Morgan selbst auf dem Feld schon lange aktiv. Schon zeitig stieg man in das Bankenkonsortium R3 ein, das die Potentiale der Blockchain-Technologie testen und erforschen sollte – übrigens gemeinsam zum Beispiel mit der Deutschen Bank. Doch man stieg dann im Jahr 2017 wieder aus, um eigene Wege zu gehen. Dieser eigene Weg führte dann auch zu einer kompletten Eigenentwicklung.

          Es wurde eine Blockchain namens Quorum aufgebaut, mit der Unterstützung einiger angesehener Entwickler von Ethereum, einer ebenfalls auf der Blockchain basierenden Digitalwährung. Quorum dient nun als Grundlage für den so genannten JPM Coin. Coin ist der englische Begriff für Münze, also ist es die „JP Morgan Münze“.

          JPM Coin soll bald Unternehmenskunden angeboten werden

          Was plant das Geldinstitut nun damit? „Viele unserer Kunden verschicken ihr Geld auf unterschiedlichen Wegen. Sie wollen aber ihre Vermögenswerte in Echtzeit verschicken“, sagt Umar Farooq, der die Blockchain-Projekte und den digitalen Zahlungsverkehr des Instituts leitet. Schon heute verschieben Großkunden über JP Morgan mehr als 5 Billionen Dollar – am Tag. Doch zumindest vorerst soll dieser Prototyp nur Geschäftskunden zur Verfügung stehen. Als nächster Schritt wird der JPM Coin nun einer kleinen Anzahl an institutionellen Kunden der Großbank angeboten. Welche das sind, das wollte Farooq aber nicht verraten.

          Damit unterscheidet sich der JPM Coin sehr von den Digitalwährungen, die bisher auf dem Markt sind. Die hauseigene Blockchain wird nicht offen sein, wie es bei nahezu allen anderen Digitalwährungen der Fall ist. Er dient nur als internes Verrechnungsmittel – ähnlich wie Ripple – aber ist eins zu eins an den Dollar gebunden.

          Damit sind die ständigen Aufs und Abs der anderen Digitalwährungen für den JPM Coin ausgeschlossen. Auch andere Währungen wie Euro und Yen könnten angebunden werden. Für die Blockchain-Technologie ist das ein großer Schritt, da sie nun an der Wall Street angekommen ist.

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