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Digitalwährung : Das sind die Gründe für die Bitcoin-Rally

So entsteht Kryptogeld: Eine Bitcoin-Mine im chinesischen Ordos Bild: Bloomberg

Die Digitalwährung ist über das Wochenende um 33 Prozent wertvoller geworden. Nachdem Facebooks Libra vor großen Problemen steht, machen Nachrichten aus China große Hoffnung.

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          Es war wieder einmal ein Wochenende ganz nach dem Geschmack der Bitcoin-Investoren. Seit Freitag stieg der Kurs der Digitalwährung von 7417 Dollar auf bis zu 9916 Dollar – das entspricht einem Plus von 33 Prozent und stellt damit die stärkste Kursrally seit eineinhalb Jahren dar. Auch der breiter gefasste Bloomberg Galaxy Crypto Index, der die wichtigsten Digitalwährungen abbildet, stieg auf ein Fünf-Wochen-Hoch. Zuletzt litten die Digitalwährungen stark unter den Schwierigkeiten, mit denen die Facebook-Währung Libra zu kämpfen hat. Das soziale Netzwerk möchte sie mit Partnern kreieren, Aufsichtsbehörden auf der ganzen Welt sind sehr skeptisch. „Vor dem Hintergrund der Enttäuschung über Facebooks Libra hatten die meisten Anleger mit weiter fallenden Kursen gerechnet“, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Es sei aber fraglich, ob die aktuelle Rally nachhaltig sei.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Grund für den plötzlichen Stimmungswechsel findet sich in China. Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping hat laut der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua nämlich gefordert, die Investments in Digitalwährungen zu verstärken. „Es ist beispiellos, dass Chinas Führung eine Technologie auf so ein Level hebt“, sagte Zhang Gang, Chefanalyst für Central China Securities, der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. „Es ist ein großer Vertrauensschub für den Markt.“ Außerdem hieß es von der chinesischen Zentralbank, dass die Blockchain-Technologie helfen könnte, Risiken besser zu kontrollieren und sie es kleinen Unternehmen vereinfachen könnte, sich Geld zu leihen. Schon länger arbeitet die People‘s Bank of China, so der Name, an einer eigenen Digitalwährung. Der Stimmungswechsel ist insofern beachtlich, da China früher stets hart gegen Digitalwährungen vorging. Der chinesischen Kommunistischen Partei (KP) ist das alles nicht so ganz geheuer, um nicht zu sagen: gar nicht. Zuerst beobachtete die KP es noch mit Interesse. Selbst der Staatssender CCTV brachte einen längeren Bericht über das Netzgeld – ohne Billigung der Staatsführung in Peking undenkbar.

          Schon damals waren die chinesischen Regulatoren besorgt, dass so die rigiden Kapitalkontrollen des Landes umgangen werden könnten. Mittlerweile ist der Bitcoin-Handel in der heimischen Währung Yuan längst verboten – einst machte er mehr als 90 Prozent des gesamten Welthandels aus, nun ist er de facto nicht mehr vorhanden. Auch wurden im Jahr 2017 alle Börsen für Digitalwährungen verboten, die daraufhin in andere asiatische Länder auswanderten. Daneben wurden die so genannten ICOs verboten, Inital Coin Offerings – eine Art Börsengang für Digitalwährungen. Selbst das Mining, also das Herstellen von den Kryptodevisen, wurde zumindest stark eingeschränkt. Die Begründung dafür war kurios: Sie würden zu viel Kohlestrom benötigen. Tatsächlich verbraucht zum Beispiel das Bitcoin-Netzwerk so viel Strom wie Österreich: Etwas mehr als 73 Terrawattstunden, damit würden laut Bitcoin Energy Consumption Index rund 35 Millionen Tonnen CO2 in die Luft gestoßen werden. Und trotzdem verfängt das Argument für China nicht.

          Chinas Serverfarmen, in denen Tausende Computer sieben Tage die Woche rund um die Uhr Bitcoin schürfen, standen vor allem in der Wüste Gobi. In der Autonomen Provinz Innere Mongolei kostet der Strom gerade einmal 0,2 Yuan pro Kilowattstunde, weil es zu viele Kraftwerke gibt für viel zu wenig Bedarf. Die Stadt Ordos, in deren Umgebung viele Minen angesiedelt sind und die mit vielen Milliarden Yuan an Steuergeld als strahlende Metropole für Millionen Bewohner geplant wurde, steht seit Jahren halb leer. Das Argument der Zentralbank, das Bitcoin-Schürfen koste zu viel in Kohlekraftwerken produzierten Strom und verschmutze damit die Luft, wirkt zumindest in Chinas Wüste unglaubwürdig. Die Feinstaubwerte der besonders feinen und deshalb so gefährlichen Partikeln überschritten in Ordos kaum die Marke, von der an laut Weltgesundheitsorganisation eine Gesundheitsgefährdung einsetzt. Eine solche Smog-Bilanz ist in China überdurchschnittlich. Zudem standen viele chinesische Serverfarmen für die Bitcoin-Erzeugung auch deshalb in der Wüste, weil es hier im Winter so kalt ist und wenig Strom für Klimaanlagen gebraucht wird.

          Chinas Haltung scheint widersprüchlich zu sein, ist es aber genauer betrachtet nicht. Man will einerseits den eigenen Bürgern die Freiheiten, die Digitalwährungen mit sich bringen können, nicht gewähren. Andererseits möchte sie die Vorteile nutzen und vielleicht global eine führende Rolle einnehmen. Manche spekulieren sogar darüber, inwiefern das heute schon der Fall ist. Theorien gibt es dazu wie Sand am Meer. Vielleicht sieht die Kommunistische Partei Digitalwährungen als Angriff auf die etablierten Währungen des Westens, vielleicht hängt sie selbst mit drin und scheffelt Milliarden, vielleicht sieht sie es auch nur als spannendes Experiment – die vermeintliche Anonymität der Kryptowährungen führt jedenfalls zu vielen Spekulationen.

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