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Kryptowährungen : Chinas Bedeutung schwindet

Lange war China bei Bitcoin und Co. international führend. Dass die Führung dagegen vorgeht, ist gewollt - denn die hat andere Ziele als dezentrale Währungen. Bild: Reuters

China hat im Mining und der illegalen Nutzung von Bitcoin deutlich an Stellenwert verloren. Mit einer Digitalwährung als Überwachungsinstrument vertragen sich dezentrale Währungen nicht.

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          Geht es um die Entwicklung von Kryptoanlagen, so ist neben den Vereinigten Staaten vor allem China von herausragender Bedeutung. Mehr als 150 Millionen Dollar gingen 2020 an chinesische Adressen. Nur Amerikaner erhielten mit mehr als 450 Millionen Dollar mehr, zeigen Daten des Blockchaindaten-Dienstleisters Chainalysis, der nach eigenem Bekunden Behörden, Börsen, Finanzdienstleister und Cybersicherheitsunternehmen in mehr als 60 Ländern mit Daten versorgt. Deutschland kommt mit rund 80 Millionen Dollar auf Platz neun.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Führend war China lange Zeit auch, wenn es um illegale Aktivitäten mit Kryptowährungen ging. Zwischen April 2019 und Juni 2021 wechselten mehr als vier Milliarden Dollar für betrügerische und Darknet-Aktivitäten über chinesische Adressen den Besitzer. Zu den wesentlichen Aktivitäten gehörte die Finanzierung des Handels mit dem Opioid Fentanyl sowie Geldwäschegeschäften in Verbindung mit Nordkorea.

          Doch gehen die Behörden in China dagegen vermehrt vor. Schon vor längerer Zeit haben die Vereinigten Staaten und Russland China hier den Rang abgelaufen. Und es ist nicht der einzige Teil der Kryptobranche, in dem das Land seine Vormachtstellung eingebüßt hat. So war Chinas Stellenwert bei der Produktion (Mining) von Bitcoin bis Mai noch sehr viel höher als heute. Der Anteil an der Erstellung von Bitcoin erreichte international zeitweilig 65 Prozent. Niedrige Strompreise machten das Betreiben großer Rechner-Netzwerke attraktiv.

          BTC/USD

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          Doch im Mai begann die Parteiführung, gegen die Hersteller vorzugehen, nachdem sie früher vor allem die Kryptobörsen im Blick hatte. Als ein Grund wurde genannt, dass das Mining wegen seines hohen Energieverbrauchs umweltschädlich sei und zudem die Finanzstabilität gefährde. Seitdem ist die Produktion massiv geschrumpft. Die fünf größten Herstellernetzwerke (Mining Pools) des Landes stellten Anfang Juli noch rund die Hälfte an Bitcoin her wie zu Beginn des Monats Mai. Der Pool BTC.top machte in China ganz dicht.

          Die Szene sieht das Vorgehen der Führung anders motiviert als es offiziell begründet wird. Die Ziele der Partei seien Stabilität und Einheit. Wenn nun Bitcoin-Miner reich würden und Freiheit und Selbstbestimmung einforderten, betrachte man sie als Dissidenten, zitiert Chainalysis einen anonymen Miner. Auch die Bestrebungen, einen digitalen Yuan einzuführen, sehen vom Datendienstleister befragte Experten politisch motiviert: Es gehe zwar auch um eine Feinsteuerung der Geldpolitik, aber ebenso um Datenerfassung und eine Kontrolle der Bevölkerung.

          International könne es zudem längerfristig auch ein Ziel sein, internationale Wirtschaftsbeziehungen am Dollar vorbei zu gestalten und Zahlungen über bilaterale Zentralbanktransaktionen mit automatisiertem Währungsumtausch abzuwickeln. Ein weiteres Ziel könne das Unterlaufen amerikanischer Sanktionen sein – deswegen habe die Führung auch umfangreiche Partnerschaften etwa mit iranischen Unternehmen zugelassen.

          Insgesamt habe China das Potenzial von Kryptowährungen und der Blockchain erkannt und wolle sicherstellen, dass diese den Parteizielen diene, folgern die Analysten von Chainalysis. Während China also das anarchische Element in ein diktatorisches zu wandeln versucht, bleiben im Westen Regierungen und Behörden misstrauisch. Der neue Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Gary Gensler, hatte Offenheit gegenüber der Zulassung eines ETF auf Bitcoin-Terminkontrakte signalisiert. Dafür müssten Anleger aber erheblich höhere Sicherheitsleistungen erbringen. Zudem kritisierte Gensler, dass Kryptowährungen derzeit nicht genügend Anlegerschutz böten, es sei „eher wie im Wilden Westen“. Der Bitcoin-Kurs fiel am Mittwochmorgen zunächst, erholte sind dann aber wieder.

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