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Krypotwährungen und Zinswende : Bitcoin auf neuem Tiefstand

Kein Bitcoin: Die Kryptoanlage ist auch ein Symbol des Protests gegen diktatorische Bestrebungen in El Salvadoer. Bild: Reuters

Der Bitcoin kostet derzeit so viel wie im Dezember 2020, auch andere Kryptoanlagen verloren zuletzt an Wert. Hintergrund sind die Ankündigungen großer Notenbanken, die Zinsen erhöhen zu wollen.

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          Das Schwanken von Bitcoin um die Marke von 20.000 Dollar geht weiter. Am Montagmorgen fiel der Kurs der ältesten und nach wie vor größten Kryptoanlage bis auf 18.322 Dollar und erholte sich seitdem nur wenig. Es ist der tiefste Stand seit Dezember 2020, abgesehen vom Juni dieses Jahres, als der Kurs kurzzeitig noch tiefer gesunken war. Für einen Bitcoin waren zu Jahresbeginn noch mehr als 60.000 Dollar bezahlt worden. Im Abwärtstrend hatte der Kurs bei jeder runden Marke länger oder kürzer verweilt, so dass ein neues Tief stets auch die Gefahr eines weiteren Abrutschens birgt.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Als Grund für das neuerliche Kurstief wird die Aussicht auf weitere drastische Zinserhöhungen der großen Notenbanken genannt, weswegen sich Anleger aus risikoreicheren Anlageklassen wie Kryptoanlagen zurückzögen.

          Auch der Kurs der zweitwichtigsten Kryptoanlage Ethereum fiel bis auf 1285,20 Dollar und damit den tiefsten Stand seit Mitte Juli. Ethereum hatte im Juli und August von einer Umstellung der zugrundeliegenden Blockchain auf ein schnelleres und umweltfreundlicheres Verfahren profitiert. Mit Vollzug der Umstellung scheint dieser Effekt aber nun verpufft. Andere Kryptoanlagen wie XRP oder Polkadot verzeichneten noch stärkere Kursverluste. Der Kurs des zusätzlichen „Tokens“ Ethereum POW, das Anleger im Zuge der Umstellung erhalten hatten und das einen Großteil der historischen Blockchain verkörpert, fiel ebenfalls weiter und verzeichnet nunmehr ein Minus von 40 Prozent.

          BTC/USD

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          Höhere Zinsen bedeuten höhere Kreditkosten und damit eine geringere Liquidität, die für Kryptoanlagen aber wesentlich ist. Im aktuellen inflationären Umfeld übertrumpfen makroökonomische Daten alles, schreibt Antoni Trenchev, Geschäftsführer beim Kryptoverleiher Nexo, auch die positiven Effekte der Ethereum-Umstellung. Auf XRP wirken sich zudem Berichte negativ aus, wonach im Streit zwischen Ripple Labs und der Börsenaufsicht SEC um Äußerungen Ripples, dass XRP kein regulierter Vermögenswert sei, ein unverzügliches Urteil fallen solle.

          Derweil berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass sich Do Kwon, Der Kryptoinvestor hinter dem Stablecoin TerraUSD, dessen Zusammenbruch als einer der wesentlichen Auslöser der jüngsten Cryptobaisse gilt, sich offenbar der juristischen Verantwortung entziehen will. Kwon war zunächst nach Singapur umgezogen, nach Auskunft der dortigen Behörden befindet er sich dort aber nicht mehr und sein Aufenthaltsort ist offenbar unklar. wegen des Umzugs nach Singapur war in Südkorea ein Haftbefehl gegen ihn erlassen worden. Kwon hingegen teilte am Wochenende über den Kurznachrichtendienst Twitter mit, er habe nichts zu verbergen und kooperiere vollständig mit den Behörden. Man sei dabei sich in zahlreichen Jurisdiktionen zu verteidigen und habe sich an ein extrem hohes Niveau der Integrität gehalten und freue sich in den kommenden Monaten die Wahrheit zu klären. Seinen Aufenthaltsort verriet er indes nicht.

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          Von Amerika bis Indonesien : Wie die Städte der Zukunft aussehen Bild: OCEANIX/BIG-Bjarke Ingels Group

          Nach Angaben der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap indes, kooperiert Kwon nach Angaben der Staatsanwaltschaft des Landes nicht mit den Untersuchungen und habe über seinen Anwalt mitteilen lassen, er habe nicht die Absicht, sich einer Befragung zu stellen.

          Unterdessen droht die selbsternannte „Bitcoin-Nation“ El Salvador ins Chaos zu stürzen, nachdem Präsident Nayib Bukele verfassungswidrig seine abermalige Kandidatur für das Jahr 2024 angekündigt hat. Bukele hatte schon vor sechs Monaten den Ausnahmezustand verhängt, angeblich zur Bekämpfung der Bandenkriminalität. Vor gut einem Jahr hatte der Präsident Bitcoin zur Staatswährung erhoben, um damit unabhängig von internationalen Finanzmärkten zu werden und die Ungleichheit zu bekämpfen. Doch weder kamen die versprochenen Investitionen in großem Stil noch mehr Wohlstand.

          Gold USD

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          Vor kurzem stuften die Ratingagenturen Moody's und Fitch die Bonitätsnoten des Landes herab, nachdem dessen Anleihen nach dem Einbruch des Kryptomarkts mit starken Abschlägen gehandelt werden. Moody's schätzt die nicht realisierten Bitcoin-Verluste des Landes auf 57 Millionen Dollar. Die Regierung kündigte an, Anleihen im Wert von 360 Milliarden Dollar mit Fälligkeit 2023 und 2025 zurückzukaufen, um die Wirtschaft zu retten.

          Die erwarteten Zinserhöhungen bringen auch den Goldpreis wieder unter Druck. Mit zuletzt rund 1660 Dollar fiel der Preis des Edelmetalls auf den tiefsten Stand seit April 2020. Gefragt ist hingegen weiter der amerikanische Dollar, der in wirtschaftlich schwierigen Phasen als sicherer Hafen gilt. Mit zuletzt 110,06 Punkten Steuert der Dollar-Index, der den Wert der Devise zu den wichtigsten Partnerwährungen widerspiegelt abermals auf 20-Jahreshoch zu. Der Euro notiert mit aktuell 0,9978 Dollar wieder unter der Parität zur amerikanischen Währung.

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