https://www.faz.net/-gv6-8ox5o

Bezahlen mit Potential : Die schöne Welt des digitalen Banking

Inzwischen mischt sogar das erste Telekommunikationsunternehmen beim Banking mit. O2-Kunden können über ein reines Smartphone-Konto Geld überweisen, Sofortkredite abschließen und einiges mehr. Ist der Nutzer auf seinem O2-Gehaltskonto sehr aktiv, wird er belohnt: nicht mit Geld, sondern mit Datenvolumen fürs Smartphone. „Megabytes statt Magerzinsen“, so werben die O2-Muttergesellschaft Telefónica und die Fidor Bank für ihr gemeinsames Produkt. Der große Durchbruch des mobilen Banking lässt hierzulande aber noch auf sich warten. Zwar kann Geld auch im Vorübergehen über einfache Apps überwiesen oder angelegt werden. Und sogar einen Rohstoff wie Gold können sich Kunden übers Smartphone gegenseitig zuschicken. Doch statt die vielgepriesene „Bankfiliale in der Hosentasche“ zu nutzen, erledigen die allermeisten Nutzer ihre Finanzgeschäfte immer noch lieber daheim vor dem Computer.

Dort greifen sie oft auf Vergleichportale zu, die einen guten Überblick über Versicherungen, Finanzierungskonditionen und Sparzinsen bieten. In der Regel fungieren diese digitalen Anbieter als Makler zwischen Produktanbieter und Kunden, weil beispielsweise die gewünschte Versicherung gleich über das Portal und ohne Umweg über ein Finanzinstitut abschließbar sind. Auch Riesterverträge können im Netz in einer einfachen Variante abgeschlossen und verwaltet werden. So beruhen die Verträge von fairr.de auf verschiedenen ETF (Indexfonds), die einen Aktienindex nachbilden.

Wer Geld benötigt, um sich einen kostspieligen Konsumwunsch zu erfüllen, der muss nicht bei seiner Hausbank vorstellig werden, eine Bonitätsprüfung hinter sich bringen und im Schnitt zehn Tage auf die Kreditzusage warten. Sondern er kann über das Vergleichsportal Smava binnen weniger Minuten einen „Kredit2go“ bekommen. Nötig ist nur ein Smartphone - zur Identifizierung und um per SMS eine Transaktionnummer zu erhalten. Kreditmarktplätze wie Auxmoney, Kapilendo oder Lendico bringen Privatleute, die einen Kredit benötigen, und Anleger zusammen. Bei anderen Portalen verleihen oder leihen sich Menschen untereinander Geld, ohne dass die Schufa überhaupt prüft.

Social Trader diskutieren ihre Anlagestrategie mit anderen Nutzern

Wie überhaupt eine Gemeinschaft, im Netz je nach Funktion Crowd oder Community genannt, in der digitalen Finanzwelt von besonderer Bedeutung ist. Auch bei der Geldanlage: Finden sich genügend Gleichgesinnte zusammen, können größere Projekte finanziert werden. Zwar ist das Risiko vor allem beim Crowdinvesting nicht zu unterschätzen, das investierte Geld zu verlieren. Aber erfolgreiche Projekte bringen eine ordentliche Rendite. So haben Anleger bei Exporo, einer Crowdinvesting-Plattform für Immobilien, jüngst mehr als 6 Prozent eingestrichen. Viele Leute mit eher überschaubarem Budget hatten zusammen für eine Hamburger Immobilie 2,1 Millionen Euro gesammelt.

Auch beim Social Trading spielt die Gruppe eine maßgebliche Rolle. Alle Mitglieder vergleichen und diskutieren untereinander ihre Anlagestrategien und bilden sie gegebenenfalls nach. Statt eines Bankberaters, der ein Produkt verkaufen will, profitieren die Teilnehmer also vom Finanzwissen des jeweils anderen. Ebenfalls kein großes Vermögen mitbringen müssen Nutzer der sogenannten Robo Advisor, die eine automatisierte, auf Algorithmen beruhende Vermögensverwaltung ermöglichen. Das Ersparte wird dabei, je nach Risikoneigung und Zeithorizont des Kunden, vorwiegend in kostengünstige ETF investiert.

Schwerer tun sich die Zahlungsdienstleister. Viele junge Firmen haben schon aufgegeben, die verbliebenen stehen vor schwierigen Zeiten, wenn in zwei Jahren in der Europäischen Union Geldüberweisungen nahezu in Echtzeit möglich werden. Mit Sepa Instant, wie es genannt wird, können auch Banken jede Buchung binnen Sekunden abwickeln.

Weitere Themen

Keine Negativzinsen für alle

Vor der Zinswende : Keine Negativzinsen für alle

Warum ist es eigentlich seit der Einführung von Negativzinsen nicht auch zur flächendeckenden Ausbreitung von Strafzinsen für Private gekommen? Experten haben mehrere Erklärungen parat.

Topmeldungen

Der französische Präsident Emmanuel Macron während seiner Ansprache an die Nation.

Protest der „Gelbwesten“ : Macrons Kehrtwende

Er sei kein Weihnachtsmann, hatte der französische Präsident Emmanuel Macron zuvor gesagt. Doch fast ein Monat mit teils gewalttätigen Protesten zeigt jetzt Wirkung: Zum 1. Januar gibt es in Frankreich Geldgeschenke.

Brexit-Chaos : Jetzt ist alles denkbar

Nach der Verschiebung der Brexit-Abstimmung im Unterhaus erscheint alles denkbar: Theresa Mays Rücktritt, ihr Sturz, Neuwahlen – oder ein neu ausgehandelter Brexit-Vertrag.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.