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Applecard : Das kann die Kreditkarte von Apple

So sieht die Kreditkarte aus. Marisa Robertson leitet das Marketing bei Apple. Bild: AFP

Einfacher als Bargeld – so bewirbt Apple seine neue Kreditkarte. Sie soll günstiger, komfortabler und sicherer sein als andere. Kann der Konzern dieses Versprechen halten?

          3 Min.

          Spekuliert wurde schon lange Zeit darüber, nun ist sie auch offiziell bestätigt: Eine eigene Kreditkarte des iPhone-Herstellers Apple. Zusammen mit Goldman Sachs sollen ab Sommer in den Vereinigten Staaten Apple-Kreditkarten ausgegeben werden. Das Ganze soll sich die amerikanische Großbank rund 200 Millionen Dollar kosten lassen, um die notwendige Infrastruktur bereitzustellen. Dabei handelt es sich um eine Mastercard, die zweitbeliebteste Kreditkarte innerhalb der Vereinigten Staaten nach Visa.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zuvor fand ein interner Test mit Apple-Mitarbeitern statt. Der lief offenbar so gut, dass man sich zutraute, schon ab dem Sommer die Kreditkarte anbieten zu können – aber vorerst nur in den Vereinigten Staaten. Das ist nicht unüblich, denn viele Apple-Produkte wurden zuerst in den Vereinigten Staaten ausprobiert und sind dort gereift, um sie danach auf der ganzen Welt präsentieren zu können.

          Stolz präsentiert der Konzern sein neuestes Produkt auf der eigenen Internetseite mit den Worten: „Geschaffen von Apple, nicht von einer Bank.“

          Für Apple ist das der nächste logische Schritt: Um den hauseigenen mobilen Bezahldienst Apple Pay verwenden zu können, benötigt der Nutzer eine Kreditkarte. Diese wird heute von Fremdbanken ausgegeben, in Deutschland etwa von der Deutschen Bank oder N26. Hat Apple nun eine eigene Kreditkarte – wenn auch nur in Zusammenarbeit mit Goldman Sachs –, kann der Konzern ein Nutzungserlebnis aus einer Hand anbieten.

          Und genau das macht Apple nun auch: Der Kunde meldet sich zum Beispiel für Apple Pay an und bekommt als Zugabe noch eine herkömmliche Kreditkarte. Doch diese Kreditkarte ist anders als bisherige Kreditkarten. Sie hat keine Kreditkartennummer mehr, und keine CVC-Nummer als Sicherheit.

          Ob die Karte nach Europa kommt, ist nicht ausgemacht

          Durch ein eigens entwickeltes Anti-Betrugssystem soll die Kreditkarte trotzdem die sicherste aller Zeiten sein. Auf der Vorderseite der Karte aus silbernem Titanium befindet sich lediglich das Apple-Logo und der eigene Name, beides stilecht mit einem Laser auf die Karte geätzt. Auf der Rückseite befindet sich das Mastercard-Logo und der Schriftzug Goldman Sachs.

          Außerdem bietet Apple jedem Kunden einen Rabatt auf alle Zahlungsvorgänge an. Doch dieser macht sich nicht sichtbar in einem niedrigeren Betrag oder Bonuspunkten, sondern tatsächlich mit einer echten Gutschrift, die sofort auf dem eigenen Konto eingeht. Für Apple-Produkte gibt es drei Prozent, zwei Prozent für jede Zahlung mit Apple Pay und ein Prozent für alle anderen Zahlungen. Man kauft also zum Beispiel etwas für 100 Euro und bekommt sofort 2 Euro Gutschrift auf das eigene Apple Pay Konto.

          Die eigentliche App für das Telefon bildet in übersichtlicher Art und Weise mit farblichen Balken ab, wofür das Geld ausgegeben wurde – etwa für Essen, Miete, Reisen oder Unterhaltung. In wöchentlichen oder monatlichen Übersichten sollen alle Ausgaben übersichtlich dargestellt werden.

          Unter anderem dadurch soll Apple Pay eine nie dagewesene Kostenkontrolle haben. Zusätzlich soll die Kreditkarte auch komplett ohne Gebühren für die Nutzer auskommen. Und Apple bewirbt die eigenen Zinsen als die niedrigsten in der gesamten Branche.

          Kann man einmal die Kreditkartenrechnung nicht ausgleichen? Kein Problem, mit einem Schieber kann man die Raten einstellen und sieht in Echtzeit auch die dafür fälligen Zinsen.

          Für Apple ist es lebensnotwendig, neue Geschäftsfelder zu erschließen, da der Konzern mit dem iPhone zwar weiterhin regelmäßige Milliardengewinne erzielt – allerdings deutet einiges darauf hin, dass der Zenit überschritten sein könnte. Mit Apple Pay, Apple Music und Apple News verfügt das Unternehmen schon über verschiedene Geschäftsfelder, mit Apple TV+  steht auch ein eigenes Streaming-Portal vor der Tür.

          Doch auch für Goldman Sachs ist dieser Schritt nicht zu verachten. Die Investmentbank möchte schon länger stärker im Endkundengeschäft vertreten sein. Das Institut könnte laut „Wall Street Journal“ den Apple-Nutzern dann zum Beispiel Kredite verkaufen oder eine Vermögensverwaltung anbieten. Mastercard möchte schlussendlich nicht mehr die Nummer zwei auf dem Heimatmarkt sein, sondern die Nummer eins werden.

          In Deutschland sind Kreditkarten dagegen immer noch ein Nischengeschäft. Zwar gibt es mehr als 108 Millionen Debitkarten, aber nur rund 33 Millionen Kreditkarten. Auch wird mit den Debitkarten mehr Umsatz getätigt.

          Der Chef von Goldman Sachs International, Richard Gnodde, macht jedenfalls trotzdem Hoffnung, dass die Karte auch nach Europa kommt: Gegenüber dem Fernsehsender CNBC erklärte er, man werde mit der Applecard zwar in den Vereinigten Staaten starten, aber man werde über die internationalen Möglichkeiten nachdenken. Auch soll die Online-Retail-Bank von Goldman Sachs in Europa expandieren. „Der nächste Schritt würde nach Europa gehen, es wird nach Deutschland gehen“. Damit wäre der Weg für die Applecard in Deutschland frei. Dabei gelten die niedrigen Gebühren, welche die Kreditkartenanbieter von Händlern verlangen dürfen, hierzulande als Problem für die Branche. Dadurch werden solche Kreditkarten zumindest schwieriger zu finanzieren für die beteiligten Konzerne.

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