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Fußball und Geldanlage : Bundesliga ohne Bitcoin

30 Millionen Euro Begrüßungsgeld inklusive Token: Messi hat in Paris Kryptogeld bekommen. Bild: EPA

In Frankreich finanzieren Fans das Gehalt von Lionel Messi mit. Dazu verwenden sie Kryptogeld. Deutschland ist noch nicht so weit.

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          Der deutsche Fußball und die Anleger, diese gemeinsame Geschichte ist nicht gerade ruhmreich. Die Fan-Anleihen, die Bundesligaklubs herausgeben, erscheinen zwar mit bis zu 6,5 Prozent sehr gut verzinst, bergen für Anleger aber ein erhebliches Risiko. Schließlich setzen vor allem klamme Klubs wie der 1. FC Köln, Werder Bremen oder der hoch verschuldete FC Schalke 04 darauf, dass ihnen ihre breite Fanbasis über die Runden hilft. Dem 1. FC Kaiserslautern ging es im vergangenen Jahr so schlecht, dass er seine Gläubiger um eine Stundung der Anleihezinsen bitten musste. Mit den beiden börsennotierten Fußballklubs hatten Anleger ebenfalls wenig Spaß. Der Aktienkurs von Borussia Dortmund schwankt stark und liegt ein Drittel unter dem Ausgabepreis von 2000. Die Aktie der viertklassigen Spielvereinigung Unterhaching ist sogar zwei Drittel billiger als beim Börsendebüt Mitte 2019.

          Thomas Klemm
          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vielleicht könnten Kicker und Anleger besser auf eine andere Weise zusammenkommen: mit Kryptowerten, also einer Art Bitcoin für die Bundesliga. Überlegungen dazu haben sich einige große Vereine intensiv gemacht, wie eine Stichprobe der F.A.S. ergeben hat. Florian Hopp, Finanzchef des Champions-League-Teilnehmers RB Leipzig, erkennt zwar derzeit keinen Mehrwert von sogenannten Fan-Token, einer Mischung aus Kryptowert und Aktie. Perspektivisch bieten sich laut Hopp jedoch Chancen: „Interessant könnte dies möglicherweise mit Blick auf unsere Internationalisierungsbestrebungen werden.“ Beim 1. FC Köln beobachtet man das Thema gleichfalls genau. Es fehle aber an Erfahrungswerten, „um das abschließend beurteilen zu können“, sagt FC-Geschäftsführer Alexander Wehrle: „Jede Einnahmequelle muss auch einen Markt haben.“

          Welche Chancen sich für Vereine und ihre Anleger eröffnen können, hat sich jüngst beim Wechsel des Weltstars Lionel Messi zum französischen Spitzenklub Paris Saint-Germain (PSG) gezeigt. Der Transfer war in mehrfacher Hinsicht spektakulär. Zum Ersten, weil der kleine Argentinier dem FC Barcelona, bei dem er groß und erfolgreich wurde, nach 21 Jahren unter Tränen und ablösefrei den Rücken kehrte. Zum Zweiten, weil der Transfer die existenzbedrohenden Finanznöte des Klubs offenbarte. Zum Dritten war der Wechsel sensationell, weil in Messis Begrüßungsgeld von angeblich knapp 30 Millionen Euro auch eine Stange Kryptogeld enthalten war.

          Es soll sich um einen „signifikanten“ Betrag gehandelt haben, erklärte der Hauptstadtklub. Ein gutes Geschäft ist es jedenfalls gewesen. Der PSG Fan-Token gewann nicht nur schlagartig an Bekanntheit, sondern erreichte in den Tagen rund um Messis Ankunft ein Handelsvolumen von 1,2 Milliarden Dollar. Weil sich der Wert des Tokens binnen fünf Tagen auf 50 Dollar mehr als verdoppelte, durften sich nicht nur die Fan-Anleger freuen: PSG strich nach Schätzungen mindestens 15 Millionen Euro ein. Davon lässt sich Messis Gehalt immerhin rund fünf Monate bestreiten.

          Ähnliche Fan-Token, die an Kryptobörsen leicht zu kaufen und verkaufen sind, haben auch andere europäische Spitzenklubs wie Manchester City, Juventus Turin oder der AC Mailand. Mutmaßlich verdienen die Vereine damit nicht nur Geld, sondern können auch die Bindung zu ihrer Anhängerschaft weiter stärken und das digitale Anlageprodukt insgesamt populärer machen. Indem ein Fan solche Token kauft, darf er sich nämlich nicht nur als Investor fühlen, sondern sich auch mehr einbringen als nur mit Gesang oder Geschimpfe im Stadion.

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