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Neue Finanzierungsrunde : Checkout.com verdreifacht die Bewertung

Der in London ansässige Finanzdienstleister Checkout.com profitiert eher von Corona-Krise. Bild: AP

Der britische Zahlungsdienstleister wird aktuell mit 15 Milliarden Dollar bewertet. Dabei gibt es das Fintech-Unternehmen erst seit wenigen Jahren. Das Geschäftsmodell scheint vielversprechend.

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          Die Krone für das wertvollste Fintech-Startup Europas geht nun klar an den britischen Zahlungsdienstleister Checkout.com. Bei einer neuen Finanzierungsrunde haben Investoren das erst vor 2012 gegründete, rasant gewachsene Unternehmen mit 15 Milliarden Dollar bewertet. Die Investoren, angeführt von Tiger Global Management, gaben ihm für eine Beteiligung eine Kapitalspritze von 450 Millionen Dollar. Dies teilte das in London ansässige Jungunternehmen von Vorstandschef Guillaume Pousaz am Dienstag mit.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die 15-Milliarden-Bewertung bedeutet fast eine Verdreifachung gegenüber der letzten Finanzierungsrunde vor erst sieben Monaten. Mitte 2020 holte Checkout.com 150 Millionen Dollar von Kapitalgebern herein, die es dabei mit 5,5 Milliarden Dollar bewerteten. Im Jahr davor taxierten Investoren das Jungunternehmen erst mit 2 Milliarden Dollar. Checkout.com hat nun die bisherigen Spitzen-Fintechs, den schwedischen Zahlungsdienstleister Klarna und die britische Digitalbank Revolut weit abgehängt. Klarna und Revolut wurden zuletzt in Finanzierungsrunden mit 10,6 Milliarden Dollar und 5,5 Milliarden Dollar bewertet.

          Corona gibt Schwung

          Checkout.com profitiert vom rasanten Wachstum von E-Commerce, Internet-Bestellunternehmen und -Lieferdiensten, die ihre Zahlungen über die elektronische Kasse von Checkout.com abwickeln. Die Corona-Krise hat der Branche keinen Dämpfer, sondern noch mehr Schwung verliehen. „Niemand hätte Anfang 2020 gedacht, dass das Jahr so würde“, sagte Pousaz kürzlich euphorisch in einem Interview. In den vergangenen zwei Jahren haben die Briten die stolze Summe von 830 Millionen Dollar von Investoren eingesammelt.

          Zu den Kunden von Checkout.com zählen beispielsweise der Online-Kosmetik- und Konsumgüterhändler The Hut Group, der aus Manchester hunderte Online-Bestellseiten dirigiert, der Pizzalieferant Pizza Hut und der Modehändler H&M, aber ebenso Fintech-Wettbewerber wie Coinbase.inc, Klarna und Revolut. Das Marktvolumen der Zahlungsabwicklerbranche wird auf bis zu 2 Billionen Dollar geschätzt.

          Ein wichtiger Wettbewerber ist der niederländische Zahlungsabwickler Adyen, der vor zwei Jahren an die Börse ging. Aktuell bewerten Anleger Adyen sogar mit 53 Milliarden Euro. Checkout-Chef Pousaz betont die Unterschiede. Sein Unternehmen konzentriert sich ganz auf Online-Geschäfte, während Adyen auch die Zahlungsabwicklung für stationäre Geschäfte managt. Pousaz sagte, das Startup werde letztlich auch an die Börse gehen. Er sehe aber keine Eile und keinen Druck für diesen Schritt.

          Etwa die Hälfte des Umsatzes macht Checkout.com in Europa, vor allem in Großbritannien und Frankreich, der Rest verteilt sich auf Länder in Asien und im Mittleren Osten. Eine Expansion nach Amerika ist geplant. Kürzlich hat das Fintech Büros in New York eröffnet, als zweiter Standort soll Denver eingerichtet werden. In Amerika konkurrieren die Briten mit dem in San Franzisco ansässigen jungen Fintech-Giganten Stripe. Dieser wurde erst kürzlich in einer privaten Finanzierungsrunde mit 36 Milliarden Dollar bewertet. Bislang hat Checkout weltweit nur tausend Mitarbeiter. Neueinstellung von etwa 700 Mitarbeitern sind geplant.

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