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Tankstellenpreise : Diesel jetzt wieder deutlich günstiger als Benzin

Diesel ist jetzt wieder billiger als Super E10. Bild: dpa

Für Autofahrer war es eine verrückte Welt. Dieselkraftstoff war in den vergangenen Wochen trotz der niedrigeren Besteuerung teurer als Super E10. Das kehrt sich jetzt wieder um. Warum?

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          An Deutschlands Tankstellen scheint ein ungewöhnliches Phänomen erst mal wieder der Vergangenheit anzugehören: Das umgekehrte Preisverhältnis von Benzin und Diesel an den Tankstellen. Obwohl Dieselkraftstoff in Deutschland weniger besteuert wird als Benzin, war er an der Tankstelle in den vergangenen Wochen spürbar teurer als Super E10. Das ist jetzt wieder anders, wie der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) am Mittwoch bei seiner wöchentlichen Auswertung der Preise von mehr als 14.000 Tankstellen meldete. Die Entwicklung scheint schon in der vergangenen Woche begonnen zu haben.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Hintergrund ist vor allem ein Preisanstieg bei Super E10. Dem ADAC zufolge kostet ein Liter Super E10 im bundesweiten Mittel derzeit 2,090 Euro. Damit hat sich Benzin binnen einer Woche um 5,4 Cent verteuert. Leichte Entspannung zeigt sich hingegen bei Dieselkraftstoff: Für einen Liter müssen  Autofahrer aktuell 2,028 Euro bezahlen und damit 2,1 Cent weniger als vor einer Woche. Damit hat sich umgekehrt, welche der beiden Kraftstoffsorten an der Tankstelle die teurere ist. Und der Abstand beträgt jetzt immerhin schon wieder gut 6 Cent.

          Seit Anfang März war Diesel teurer

          Günstigeres Diesel ist eigentlich der Normalzustand: Schließlich wird Diesel geringer besteuert als Benzin. Der Steuervorteil beträgt 18 Cent je Liter. Deswegen ist Diesel meistens etwas billiger als Benzin, im Schnitt der vergangenen Jahre rund 14 Cent. Dafür sind die Dieselfahrzeuge oft etwas teurer. Die Koalition will an den Steuervorteil zwar ran, bislang ist die entsprechende Regelung aber noch nicht geändert. Im Koalitionsvertrag findet sich zwar ein Passus über die „die steuerliche Angleichung von Dieselkraftstoff und Benzin“. Bislang aber ist da gesetzlich nichts verändert worden.

          Seit Anfang März war erstmals bundesweit das ungewöhnliche Phänomen des teureren Diesels aufgetreten. Bis dahin hatte es das höchstens mal regional gegeben. Der Abstand der Preise der beiden Kraftstoffsorten an den Tankstellen schwankt zwar immer mal, wie der Autoclub ADAC berichtet. Im Winter, wenn viel geheizt wird, ist Diesel etwas teurer als sonst, weil die Herstellung von Diesel und die von Heizöl zusammenhängen. Im Sommer ist Super E10 oft teurer als sonst, wenn in vielen Ländern die Reisewelle rollt. Aber dass Diesel nach Steuern teurer war als Benzin, das war schon ungewöhnlich.

          Im Jahr 2019 hatte es mal die Situation gegeben, dass der Preisanstand zwischen beiden Kraftstoffarten bis auf 7 Cent geschrumpft war. Damals hatte es einzelne Tankstellen gegeben, an denen Diesel teurer war als Benzin - aber im bundesweiten Durchschnitt war das nicht zu beobachten gewesen. Damals hatten Benzinfachleute neben saisonalen Faktoren auch die starke Konjunktur als Grund ausgemacht. Die Wirtschaftsentwicklung schlägt sich stärker auf den Diesel- als auf den Benzinpreis nieder. Das hat unterschiedliche Gründe, einer ist, dass Speditionen und Fuhrunternehmen in einer guten Wirtschaftslage für Lastwagen mehr Diesel nachfragen als sonst. 

          Das Bundeskartellamt prüft

          Das Bundeskartellamt untersucht noch, ob es bei den hohen Spritpreisen jetzt zu Beginn des Ukrainekrieges auch Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht gegeben hat. In einer sogenannten „Ad-hoc-Sektoranalyse“ soll das ermittelt werden. Die sogenannten Bruttokraftstoffmargen waren stark gestiegen, wie die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer aus München hervorhebt.

          So habe die Bruttokraftstoffmarge bei Diesel in Deutschland im März 28,82 Cent je Liter betragen. im Vorjahresdurchschnitt seien es lediglich 13,43 Cent gewesen. In Österreich habe die Marge im März bei 14,10 Cent gelegen, im Vorjahresdurchschnitt seien es 13,93 Cent gewesen. „Das sind die Bruttomargen, daraus kann man noch nicht ablesen, wer davon profitiert, ob Tankstellen oder Raffinerie“, sagte Schnitzer. Aber erfahrungsgemäß seien die Gewinnmargen für die Tankstellen sehr niedrig, meinte die Ökonomin: „Und der Anstieg der Bruttomargen ist schon eklatant.“

          Zunächst mal waren die hohen Dieselpreise Anfang März primär als Folgen des Ukrainekrieges gedeutet worden: Viele Privathaushalte bestellten noch schnell Heizöl, weil sie Angst vor heftigen Preissteigerungen hatten, wenn kein Öl und Benzin aus Russland mehr kommen sollte. Das trieb den Heizölpreis hoch und mit ihm auch den Preis für Diesel. Auch die nach den Lockdowns wieder anziehende Wirtschaft mag die Nachfrage nach Diesel gestützt haben. Zudem kommt mehr Diesel als Super E10 direkt aus Russland, auch das war damals als ein Grund genannt worden, warum Diesel noch stärker im Preis stieg Benzin. Damals hieß es, es gebe zwar kein Importverbot für Diesel aus Russland, aber viele Händler seien wegen der Sanktionen vorsichtig. „Es entsteht eine Dieselknappheit, obwohl eigentlich ausreichend Diesel vorhanden ist“, behauptete der Geschäftsführer des Außenhandelsverbands für Mineralöl und Energie, Hans Wenck.

          Entspannung am Heizölmarkt

          Jetzt könnte auch die Entspannung am Heizölmarkt dazu beigetragen haben, dass Diesel nicht mehr ganz so teuer ist. Es ist schließlich warm, der Bedarf ist geringer, zugleich scheinen mögliche Panikkäufe erst mal vorbei.

          Der Heizölpreis jedenfalls ist nach Zahlen des Internetportals Heizoel24, an das 500 Ölhändler ihre Preise melden, von rund 214 Euro für 100 Liter Anfang März auf jetzt 128 Euro zurückgegangen. Er hat sich also in rund zwei Monaten nahezu halbiert. Das macht sich auch schon in den Inflationsraten bemerkbar. Sie sind von März auf April nicht mehr ganz so angestiegen wie zuvor.

          Ein ADAC-Sprecher hob allerdings hervor, es sei nicht in erster Linie der Rückgang der Dieselpreise gewesen, der für die „Normalisierung“ des Preisverhältnisses von Benzin und Diesel gesorgt habe -  sondern der „unangemessen starke Anstieg des Benzinpreises“: „Dessen Niveau war bisher schon eindeutig zu hoch - jetzt wird er abermals angehoben.“

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