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Dax schwächer : Diesel-Lösung macht Autoaktionären Hoffnung

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Nicht nur Daimler-Aktionäre hoffen, dass mit der Diesel-Lösung eine gute Lösung gefunden wurde. Bild: dpa

Während Italien an den Finanzmärkten Ängste vor einer neuen Euro-Schuldenkrise auslöst, können Autoaktionäre ein bisschen aufatmen. Die Diesel-Lösung und ein schwacher Euro schieben die Aktien von Daimler & Co an.

          Aus Furcht vor einer neuen Schuldenkrise in der Euro-Zone haben Anleger am Dienstag das Weite gesucht. Der Euro rutschte auf den tiefsten Stand seit sechs Wochen. Dax und EuroStoxx50 verloren je rund ein Prozent auf 12.220 beziehungsweise 3377 Punkte. An der Börse in Mailand fielen die Kurse noch stärker, vor allem Bankaktien gingen in die Knie. „Die Fiskalpolitik Italiens könnte, sollte sie so expansiv bleiben wie ganz offensichtlich geplant, vom Markt mittelfristig als untragbar bewertet werden“, warnte Commerzbank-Analystin Antje Praefck

          Das hochverschuldete Italien und die EU-Kommission steuern auf einen Streit um die Budgetpläne des Landes für 2019 zu. „Wir erwarten ein monatelanges Ringen zwischen Italien, der EU-Kommission und den Ratingagenturen um die Budgetpläne“, sagte Investmentstratege Matteo Ramenghi vom Vermögensverwalter UBS Global Wealth Management. „Investoren werden sich wohl zurückhalten, bis es mehr Klarheit gibt.“

          Staatsanleihen aus Italien fliegen aus den Depots

          Am Devisenmarkt rutschte der Euro um ein halbes Prozent auf 1,1504 Dollar ab. Staatsanleihen aus Italien flogen aus den Depots, die Rendite der zehnjährigen Titel stiegen im Gegenzug auf den höchsten Stand seit März 2014.

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          Bankaktien in Italien verloren besonders stark. Eine mögliche Herabstufung des Italien-Ratings hätte für die Häuser schwere Folgen, da ihre Bilanzen voll sind mit italienischen Staatsanleihen. Die Titel von UniCredit, Banco BPM und Ubi Banca sackten um je mehr als drei Prozent ab. Der Index der italienischen Banken fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit eineinhalb Jahre. Der Leitindex in Mailand gab bis zu zwei Prozent nach.

          Derweil gibt es für die von der Diesel-Krise leidgeplagten Autoaktionäre am Dienstag einen kleinen Hoffnungsschimmer: Das neue Konzept der Großen Koalition hilft Börsianern zufolge, die Kosten der von der Politik geforderten Prämien und Nachrüstungen besser einzuschätzen. Autowerte schlugen sich demzufolge besser als der schwache Gesamtmarkt. So legten BMW etwas zu, und die Vorzugsaktien von Volkswagen (VW) gaben nur leicht nach. Die Aktien von Daimler zogen sogar an der Dax-Spitze um gut 1 Prozent an.

          Hoffnungsschimmer für Autoaktionäre

          Besitzer älterer Diesel in Regionen mit besonders schmutziger Luft sollen neue Angebote zum Kauf sauberer Wagen und für Hardware-Nachrüstungen bekommen. Das geht aus dem Beschlusspapier der Koalitionsspitzen hervor. Vorgesehen sind diese beiden Möglichkeiten zum einen bezogen auf 14 „besonders betroffene Städte“ mit hohen Grenzwertüberschreitungen bei der Luftbelastung mit Stickstoffdioxid (NO2). Zum anderen geht es um weitere Städte, in denen demnächst Fahrverbote kommen könnten - dies betrifft unter anderem Frankfurt am Main.

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          Einem Händler zufolge ist nun erst einmal die Unsicherheit etwas gewichen, was die Aktien des Sektors stütze. Auch der schwächere Euro, der Ausfuhren generell verbilligen kann, helfe den Papieren der stark exportorientierten Branche.

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          Im Detail sagten die deutschen Hersteller dem Bund laut dem Beschlusspapier zu, für Besitzer von Wagen der Abgasnormen Euro 4 und Euro 5 „ein Tauschprogramm mit attraktiven Umstiegsprämien oder Rabatten“ anzubieten. Gekauft werden können Neuwagen und auch Gebrauchte. Für Euro-5-Diesel soll als zweite Möglichkeit der Einbau zusätzlicher Abgasreinigungstechnik am Motor ermöglicht werden. Wenn Besitzer eine solche Hardware-Nachrüstung wollen und solche Systeme verfügbar und geeignet sind, erwartet der Bund „vom jeweiligen Automobilhersteller, dass er die Kosten hierfür einschließlich des Einbaus übernimmt“. Die Haftung sollen jedoch die Nachrüstfirmen übernehmen.

          Ein Händler nannte die Einigung etwas weich, allerdings könnten die Hersteller mit der Vereinbarung ganz passabel leben. So animiere die Umtauschprämie, weiter Kunde des jeweiligen Herstellers zu bleiben, und sei de facto nichts anderes als ein anders benannter Rabatt auf einen Neuwagen. Bei den nachzurüstenden Fahrzeugen könnten sich die Kosten, so der Händler, zwar bemerkbar machen, jedoch lasse auch die Formulierung „verfügbar und geeignet“ noch Interpretationsspielraum. „Alles in allem sind die Hersteller mit einem blauen Auge davon gekommen und müssen sich längst nicht vor hohen Kosten wie beispielsweise in Amerika gesehen fürchten“, resümierte der Experte.

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