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World Wealth Report : Die Zahl der Millionäre in Deutschland steigt auf 1,5 Millionen

Hohe Millionärsdichte: Kronberg im Taunus mit seinem Schlosshotel. Bild: dpa

Trotz Corona legen die großen Vermögen weiter zu und erreichen neue Rekorde. Wo leben die Reichen – und was machen sie derzeit in der Geldanlage richtig?

          2 Min.

          Die Zahl der Millionäre in Deutschland und aller Welt ist trotz Corona weiter gestiegen. In Deutschland gibt es jetzt 1,535 Millionen Millionäre, nach 1,466 im Vorjahr. Hierzulande ließen vor allem der starke Aktienmarkt und die Immobilienpreise, aber auch die hohe Sparquote die großen Vermögen weiter wachsen. Das geht aus dem jährlichen „World Wealth Report“ hervor, den die Unternehmensberatung Capgemini am Montag vorgestellt hat.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          In aller Welt stieg die Zahl der Millionäre demnach um 6,3 Prozent auf 20,8 Millionen. Erstmals wurde damit dem Bericht zufolge die Grenze von 20 Millionen Millionären auf der Welt überschritten. Gleichzeitig sei auch das Vermögen dieser Gruppe zusammengerechnet um 7,6 Prozent auf fast 80 Billionen Dollar gewachsen. Die Zahl der Superreichen in aller Welt, die mehr als 30 Millionen Dollar besitzen, stieg der Studie zufolge um 9,6 Prozent auf 200.900.

          Die Zahlen solcher Millionärsberichte unterscheiden sich immer etwas. Capgemini betrachtet, anders als etwa die Bank Credit Suisse, nicht Haushalte, sondern einzelne Personen. Zudem werden Dollar-Millionäre betrachtet, und zwar ohne selbst genutztes Wohneigentum, wertvolle Sammlungen und Gebrauchsgegenstände.

          Erfolgreiches Amerika

          Hinsichtlich der Regionen der Welt, in denen die meisten Millionäre wohnen, konnten vor allem Nordamerika zulegen. Erstmals seit Jahren überholte dieser Kontinent die Region Asien-Pazifik und war 2020 sowohl hinsichtlich der Zahl der Millionäre als auch mit Blick auf das Gesamtvermögen führend. Klaus-Georg Meyer von Capgemini machte dafür vor allem das starke Engagement der Amerikaner in Aktien verantwortlich. Auch die Folgen der Konjunkturprogramme spielten wohl eine Rolle.

          Eine rückläufige Zahl von Millionären war dagegen in Großbritannien zu beobachten. Sie sank von 591.000 auf 573.000. Meyer machte dafür vor allem den starken Einbruch des Bruttoinlandsprodukts verantwortlich.

          Hinsichtlich der Länder, in denen die Millionäre leben, gibt es offenbar eine gewisse Konzentration: 63 Prozent dieser Millionäre aus aller Welt entfallen dem Bericht zufolge mittlerweile auf vier Länder: die Vereinigten Staaten, Japan, Deutschland und China. Dieser Anteil hat in den vergangenen Jahren weiter zugelegt. Im Jahr 2012 waren es 58,4 Prozent, 2019 etwa 61,6 Prozent.

          Zugelegt hat auch die Zahl der Millionäre im Nahen Osten. Allein in Iran stieg sie binnen eines Jahres von 205.000 auf 250.000. Meyer machte dafür unter anderem einen staatlich initiierten Kursanstieg an der Börse in Teheran verantwortlich.

          Immobilien und Aktien

          Wie die Millionäre in Deutschland ihr Geld investieren, hat sich die Unternehmensberatung genauer angeschaut. Im Vergleich zum Jahr davor reduzierten sie 2021 ihr Engagement in Aktien (minus 2,2 Prozentpunkte), Bargeld und Bargeld-Äquivalenten (minus 7,8 Prozentpunkte. Mehr investierten sie dagegen in festverzinsliche Wertpapiere (plus 0,7 Prozentpunkte), Immobilien (plus 2,4 Prozentpunkte) und Alternative Investments (plus 2,5 Prozentpunkte). Im Vergleich zum Weltdurchschnitt sind die deutschen Millionäre unterdurchschnittlich in Aktien, aber überdurchschnittlich in Immobilien investiert.

          Aus Umfragen berichtet die Unternehmensberatung aber auch von einem gestiegenen Interesse der Millionäre an Kryptowährungen, den „Spacs“ genannten Börsenmänteln und nachhaltigen Investments.

          Für den Erfolg der deutschen Millionäre trotz Krise im vergangenen Jahr macht die Unternehmensberatung vor allem Kursgewinne an den heimischen Aktienmärkten in Höhe von 12,1 Prozent, den Anstieg der Immobilienpreise um 11,4 Prozent und den Anstieg der Sparquote in Deutschland auf zeitweise 27,2 Prozent verantwortlich.

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