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Börsenwoche : Arbeitslos für den Börsenkurs

Zu Wochenbeginn waren die Investoren noch euphorisch, doch die Hoffnungen auf eine langsamere Straffung der Geldpolitik sind verflogen. Bild: dpa

Euphorisch starteten die Börsen in den goldenen Oktober. Doch eingepreist waren keine validen Erwartungen, sondern allenfalls vage Hoffnungen. Sie sind verflogen.

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          Die gute Nachricht vorweg: In der zurückliegenden Woche hat der deutsche Leitindex Dax Boden gutgemacht: rund 3 Prozent. Das ist dem deutschen Börsenbarometer schon einige Wochen nicht mehr gelungen. Was ist passiert? Plötzlich war an den Märkten diesseits und jenseits des Atlantiks eine Euphorie ausgebrochen. Gestartet hat sie schon am Freitag der Vorwoche und schwappte in den Oktober herein, um am Dienstag ihren Höhepunkt zu finden: mit einem stattlichen Plus von 3,8 Prozent. Das Problem daran ist nur: Die Börsianer haben keine gute Nachrichten eingepreist, sondern allenfalls Hoffnungswerte. Nämlich dass sich die Notenbanken rund um den Globus, allen voran die Fed in den USA, bei der Straffung der Geldpolitik zügeln. Die Hoffnungen der Investoren ruhen auf dem Arbeitsmarktbericht in den USA, der am Freitag veröffentlicht wurde. Sollte die Zahl der Anträge auf Arbeitslosengeld deutlich steigen, müsste die Fed einsehen, dass ihre Zinserhöhungspolitik beginnt, die Konjunktur abzuwürgen.

          Archibald Preuschat
          Redakteur in der Wirtschaft

          Die Hoffnungen blieben unerfüllt. Das Plus der neu geschaffenen Stellen außerhalb der US-Landwirtschaft lag im September über den Erwartungen. Die Börsen reagierten prompt, auch in Frankfurt. Der Dax rutschte tiefer ins Minus. Der Dollar legte zu. Bleibt den Anlegern die Frage: Was tun mit dem Geld, das nach Begleichung der Heizkostenabrechnung übrig bleibt? Wiederum die gute Nachricht zuerst: Es gibt wieder Zinsen. Die Direktbank ING hat sogar ein Produkt aus der Mottenkiste geholt, mit dem die deutsche Tochtergesellschaft der niederländischen Großbank im vergangenen Jahrzehnt groß und erfolgreich wurde: das Festgeld. Ein ganzes Prozent will die ING Neukunden zahlen – allerdings nur vier Monate lang. Bestandskunden werden mit 0,3 Prozent abgefunden, allerdings erst ab Dezember. Dabei kassieren Banken, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank parken, bereits 0,75 Prozent, Tendenz steigend.

          Experten gehen zwar davon aus, dass die Festgeldzinsen bis Jahresende auf bis zu 2 Prozent steigen werden, aber was heißt das schon in Zeiten einer zweistelligen Inflationsrate? Nur „Wertpapiersparen“, mit dem die ING in der Negativzinsphase davon abhalten wollte, Geld aufs Konto einzuzahlen, macht derzeit noch weniger Spaß. Und das wird wohl so bleiben. Denn unter Investoren herrscht große Unsicherheit, ob die Zentralbanken es schaffen, mit ihrer Geldpolitik die Inflation wieder in Richtung der 2-Prozent-Zielmarke zu drücken.

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