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Elon Musk : Die Wall Street verliert das Vertrauen in Tesla

Das Tesla-Logo Bild: AFP

Analysten werden immer kritischer – und die Aktie kostet so wenig wie seit Jahren nicht mehr. Könnte der Autohersteller zum Übernahmeobjekt werden?

          Im vergangenen August überraschte Elon Musk die Finanzmärkte, als er per Twitter verkündete, er denke über einen Rückzug des von ihm geführten Elektroautoherstellers Tesla von der Börse nach und stelle sich dabei einen Preis von 420 Dollar je Aktie vor. Das Vorhaben gab er schon nach wenigen Wochen wieder auf. Aus heutiger Sicht scheint es noch abwegiger als es damals schon war, vor allem was den Preis betrifft, denn der Aktienkurs hat sich zuletzt immer weiter von dem genannten Betrag entfernt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Seit Anfang dieses Jahres ist er um fast 40 Prozent gefallen, am Dienstag sank er in freundlichem Marktumfeld weiter und notierte zum Handelsschluss bei rund 205 Dollar. So wenig kostete die Tesla-Aktie seit Dezember 2016 nicht mehr. Musks Unternehmen wird nun an der Börse wieder niedriger bewertet als die großen amerikanischen Autohersteller General Motors und Ford, die es zwischenzeitlich beide überholt hatte.

          Die Wall Street scheint immer mehr das Vertrauen in Tesla zu verlieren. Seit Beginn dieser Woche haben gleich mehrere Analysten mit Blick auf den Autohersteller Pessimismus verbreitet. Besonders düster war eine Einschätzung, die Adam Jonas von Morgan Stanley am Dienstag gegeben hat. Der Analyst sagt Kurse für verschiedene Szenarien voraus, und für den schlechtesten Fall setzt er jetzt nur noch 10 statt bislang 97 Dollar an. Diese Korrektur zieht in Betracht, dass sich die gegenwärtigen Handelskonflikte stärker als bislang gedacht auf das Geschäft von Tesla in China auswirken. Immerhin hat Jonas sein Kursziel für das Basisszenario unverändert bei 230 Dollar gelassen.

          Kritik an unnötigen Nebenprojekten

          Am Montag hatte schon Dan Ives von Wedbush Securities, der lange zu den besonders optimistischen Tesla-Beobachtern zählte, sein Urteil revidiert, und das zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit. Im April senkte er sein Kursziel von 365 auf 275 Dollar, nun ging er sogar auf 230 Dollar nach unten. Der Analyst schrieb, ihm mache die Nachfrage nach dem für Tesla besonders wichtigen Model 3 in den Vereinigten Staaten Sorgen. Er nannte das Ziel des Unternehmens, in diesem Jahr insgesamt 360.000 bis 400.000 Autos auszuliefern, eine „Herkulesaufgabe“, und er verglich Musks Vorhersage, im zweiten Halbjahr wieder Gewinne auszuweisen, mit einer Besteigung des Kilimandscharo.

          Nach Meinung von Ives macht Tesla außerdem zu viele Dinge gleichzeitig, anstatt sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren. Als ein Beispiel für solche unnötigen Nebenprojekte nannte er den kürzlich von Musk verkündeten Plan, eine Flotte von Robotertaxis betreiben zu wollen. Schon als der Analyst sein Kursziel im April zurücknahm, fand er deutliche Worte: „Wir können Investoren nicht mehr in die Augen sehen und den Kauf der Aktie auf dem gegenwärtigen Stand empfehlen.“

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